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61 jugendliche Komasäufer gab es im vergangenen Jahr im Landkreis – sieben Prozent mehr als 2014.

Alkoholmissbrauch 

Zahl der jungen Komasäufer gestiegen

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Alkoholkonsum geht zurück, es gab aber 2015 mehr jugendliche Komasäufer im Landkreis. Was wie ein Widerspruch klingt, muss nicht unbedingt einer sein.

„Mehr Komasäufer im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen“, schreibt die Krankenkasse DAK in einer Pressemitteilung. Demnach mussten im vergangenen Jahr 61 Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden – 43 Buben und 18 Mädchen. Ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Kuriose: Erst kürzlich vermeldete die Jugendsuchtberatung der Caritas, dass der Alkoholkonsum rückläufig sei. „Tatsache ist: Insgesamt wird weniger getrunken, aber bei Jugendlichen ist das nicht der Fall“, sagt Herbert Peters von der Suchtberatung. „Die Akzeptanz von Alkohol bei Jugendlichen ist groß.“

Unter dem Begriff „Komasäufer“ verstehe man eine Vergiftung, die bis zur Bewusstlosigkeit gehen kann – aber nicht muss, sagt Peters. „Etwa 30 Prozent der Betroffenen sind somnolent, also stark benommen oder sogar komatös, wenn sie zu uns kommen“, erklärt Dr. Hans Wilhelm Gerbig, Leitender Arzt der Notaufnahme der Tölzer Asklepios-Stadtklinik. „Die große Mehrzahl ist zumindest nicht mehr gehfähig.“ Dass die Fälle in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen haben, kann Gerbig nicht bestätigen. „Die Zahl der Fälle ist bei uns seit Jahren auf einem konstanten Niveau. Über das Jahr verteilt haben wir etwa einen solchen Fall pro Woche zu verzeichnen.“ Darunter sind auch „Wiederholungstäter“. Gerbig: „Etwa 10 bis 20 Prozent der betroffenen Patienten sind nicht zum ersten Mal deswegen in unserer Notaufnahme.“

Dass die gestiegenen Zahlen der DAK der Realität entsprechen, bezweifelt Peters nicht. Denn „Komatrinker werden von den Krankenkassen erfasst.“ Dass es eine Diskrepanz gebe zwischen den Zahlen, die dem Präventionsprojekt HaLT (Hart am Limit) von den Krankenhäusern gemeldet werden, und den Zahlen, die den Krankenkassen vorliegen, müsse aufgeklärt werden.

„Es kann sein, dass die betroffenen Jugendlichen nicht zur Beratung kommen, oder dass es für sie oder ihre Eltern zu peinlich ist“, sagt Peters. Möglich sei auch, „dass innerhalb des Krankenhauses der Weg zur Suchtberatung nicht gefunden wurde“. Denn eigentlich habe das Angebot eine hohe Akzeptanz, die Beratungszahlen seien stetig gestiegen. Gerade auch, weil man gut vernetzt sei.

Das Projekt HaLT versucht, junge Leute frühzeitig zu erreichen und über die Gefahren von Alkohol aufzuklären. „Oft kommen Freunde, Eltern oder Lehrer auf uns zu. Manchmal auch die Jugendlichen selbst, wenn sie merken, dass sich ihr Alkoholkonsum nicht mehr im normalen Rahmen bewegt“, sagt Peters. Wichtig sei, dass es bei dem Angebot um eine Beratung, nicht eine Behandlung gehe.

Der Grund, warum Jugendliche zu viel trinken, sei oft, dass sie etwas ausprobieren wollen. Es gebe eine Reihe an neuen Getränken, die besonders junge Leute ansprechen: Mix-Getränke beispielsweise. „Viele Jugendliche überschätzen sich und glauben, Alkohol gehört zum Feiern und Spaß haben dazu“, sagt Stefan Kanwischer von der DAK in Bad Tölz.

Suchtproblematik fange laut Peters bei jungen Leuten oft schon mit Handy und Internet an, gehe manchmal weiter bis zum Glücksspiel oder führe zu Drogen. „Jeder junge Mensch wird irgendwann damit konfrontiert. Dann muss er eine Entscheidung treffen.“

Gemeinsam mit dem Tölzer Gesundheitsamt setzt die DAK daher die Kampagne „bunt statt blau – Kunst gegen Komasaufen“ fort. Es handelt sich um einen bundesweiten Wettbewerb, bei dem Schüler zwischen 12 und 17 Jahren kreative Plakate mit Botschaften gegen Rauschtrinken gestalten können.

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