+
Die Schmerzen rauben Vroni H., die an Rheuma leidet, fast den Verstand.

Aktion „Leser helfen helfen“

Alleinerziehende Mutter: Schmerz ist ihr ständiger Begleiter

  • schließen

In ihrem Berufsleben half sie kranken und alten Menschen, nun braucht sie selbst Hilfe: Eine alleinerziehende Mutter aus dem Landkreis kann wegen einer Krankheit nicht mehr arbeiten. Zum Teil kann sie nicht einmal mehr einen Stift halten.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Sie ist gerade einmal Ende 30, bewegt sich aber wie eine alte Frau. Vroni H. leidet an Rheuma. Die Schmerzen rauben ihr zum Teil den Verstand, vor allem morgens nach dem Aufwachen. Ihre Finger sind so steif, dass ihr alles aus den Händen fällt. „Ich bin im Körper einer 80-Jährigen gefangen“, sagt sie.

Ihr echter Name und ihr genaues Alter sollen nicht gedruckt werden. Die Frau aus dem Landkreis möchte nicht erkannt werden. Nur wenige wissen, wie schlecht es ihr geht. Ilka Öhrlein von der Diakonie Oberland ist so jemand. Die Diplom-Sozialpädagogin kümmert sich seit etlichen Jahren um Vroni H. „Sie wirkt nicht so krank, wie sie wirklich ist“, sagt Ilka Öhrlein. „Das wird ihr oft zum Verhängnis.“ Doch das Rheuma sei da – und habe die alleinerziehende Mutter unverschuldet in Not gestürzt.

In ihrem erlernten Beruf kann Vroni H. nicht mehr arbeiten

Eigentlich fing alles gut an. Vroni H. wuchs in einer liebevollen Familie auf, finanziell war alles in Ordnung. Nach der Mittleren Reife erlernte sie einen sozialen Beruf. Rund 15 Jahre lang arbeitete sie im Gesundheitssektor. Dann die Schwangerschaft. Der Vater will bis heute von seinem Kind nichts wissen, bezahlt keinen Unterhalt. Vroni H. bekam Probleme mit ihrem Arbeitgeber, weil sie nicht mehr im Schichtdienst und an den Wochenenden arbeiten konnte. Sie verlor ihren Job. Sie suchte sich neue Arbeit. Doch die Grundproblematik blieb. „Ich hätte nie gedacht, dass es so eine Herausforderung ist, alleinerziehend zu sein.“

Bis vor etwa vier Jahren hielt Vroni H. sich und ihr Kind mit Anstellungen in Teilzeit über Wasser. Dann die Diagnose Rheuma. Kurze Zeit später erfuhr sie auch noch, dass sie an der Eisenspeicherkrankheit leidet. Der Körper nimmt dabei zu viel Eisen mit der Nahrung auf. Das kann zu Organschäden führen. „Meine Leber ist schon stark vergrößert.“

In ihrem erlernten Beruf kann Vroni H. nicht mehr arbeiten. Er ist körperlich zu anstrengend. In Frührente gehen will sie nicht: „Dafür bin ich noch viel zu jung.“

„Oft wache ich morgens auf und weiß nicht, wovon ich mein Essen bezahlen soll“

Aktuell lebt Vroni H. von Hartz IV und den Einkünften aus einem 450-Euro-Job. Rund 1000 Euro im Monat stehen ihr so zur Verfügung. Das Kindergeld und der Unterhaltsvorschuss – beides bekommt Vroni H. vom Staat – fließen in eine Wohngruppe, wo der Teenager seit wenigen Monaten lebt. Geschwächt von den Krankheiten und dem psychischen Druck, kam die Mutter mit dem Teenager nicht mehr klar und entschied sich schweren Herzens, ihr Kind dort unter zu bringen. „Es hat mir das Herz gebrochen.“ Doch zumindest hat sich das Verhältnis der beiden durch diesen Schritt sehr verbessert.

Das Geld aber reicht nach wie vor nicht. „Oft wache ich morgens auf und weiß nicht, wovon ich mein Essen bezahlen soll.“ Von Vitamin-Präparaten ganz zu schweigen. Die bräuchte die Enddreißigerin, weil ihr Körper keine Vitamine mehr speichern kann. Doch die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht.

Ihre kranke Mutter liegt im Sterben

An warmer Kleidung und Schuhen für sich und ihr Kind fehlt es ebenfalls. Und natürlich hat der Teenager viele Wünsche. Doch einen Laptop oder moderne Kopfhörer kann sich Vroni H. nicht leisten. Schon die Fahrkosten zu ihrer kranken Mutter stellen ein Problem dar. Die alte Dame liegt im Sterben. „Das war wohl ihr letztes Weihnachten“, sagt Vroni H. und kann die Tränen nicht zurückhalten. Ihr Vater ist bereits vor einigen Jahren gestorben. Für seinen Enkel war er wie ein Vater, auch ihn hat der Verlust hart getroffen.

Dank der Spendenaktion „Leser helfen helfen“ von Tölzer Kurier, Isar-Loisachbote und Geretsrieder Merkur hofft Vroni H., finanziell wieder etwas Boden unter die Füße zu bekommen. „Das würde viel Druck rausnehmen.“ Dass sie auf eine solche Unterstützung angewiesen ist, kann sie immer noch nicht so recht glauben. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in so eine Situation kommen würde.“

Lesen Sie auch:

Tölzer wird mit 22 Jahren Witwer - nur 18 Tage nach der Hochzeit

Leser helfen helfen: Ein Lebensretter kämpft um sein Leben

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ingo Mehner (CSU) will Tölzer Bürgermeister werden: „Kommunikation ist alles“
Vier Kandidaten bewerben sich am 15. März um die Nachfolge des Tölzer Bürgermeisters Josef Janker. Für die CSU geht Ingo Mehner ins Rennen. 
Ingo Mehner (CSU) will Tölzer Bürgermeister werden: „Kommunikation ist alles“
Bichl und Benediktbeuern: Zwei Dörfer im Faschings-Fieber
Alles eine Nummer größer: Unter diesem Motto steht in diesem Jahr der Benediktbeurer Faschingszug. Im Nachbarort Bichl dürfte sich dagegen alles im gewohnten Rahmen …
Bichl und Benediktbeuern: Zwei Dörfer im Faschings-Fieber
Neues Organspende-Gesetz: Im Tölzer Land gehen dazu die Meinungen auseinander
Der Bundestag hat am Donnerstag ein neues Organspende-Gesetz verabschiedet. Die Meinungen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen dazu gehen auseinander.
Neues Organspende-Gesetz: Im Tölzer Land gehen dazu die Meinungen auseinander
Gute Vorsätze: So besiegt man den inneren Schweinehund
Im Fitnessstudio von Karl Hirsch in Bad Tölz herrscht zu Jahresbeginn Hochbetrieb. Der Inhaber gibt Tipps, wie man den Spaß an der Bewegung auf Dauer behält. 
Gute Vorsätze: So besiegt man den inneren Schweinehund

Kommentare