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Almenporträt in Wort und Musik: Referentin Bärbel Schwarz (re.) mit ihrer Tochter Stephanie. 

Almenvortrag von Bärbel Schwarz

Wo die Zeit stehen geblieben scheint

Mit einer sehr persönlichen Betrachtungsweise hat Barbara Schwarz die Almen des Isarwinkels ins Bild gesetzt. Ihren sehenswerten Vortrag hat sie jetzt im Rahmen des vom Kreisbildungswerk ausgerichteten Studienjahres „Kultur – Geschichte – Heimat“ im voll besetzten Binderbräu-Saal gezeigt.

Bad Tölz – Unsere Almen – einst durch Rodung entstandene Sommerweiden der Bergbauern in den alpinen Hochlagen zwischen 900 und 1800 Metern – sind betörend schöne landschaftliche Glanzlichter, die heute jeden empfindsamen Wanderer beglücken. Sie sind auch Zeugnisse einer uralten bäuerlichen Bewirtschaftungsform, die sich (abgesehen von den neueren Erschließungswegen) bis heute kaum verändert hat.

Barbara Schwarz ging auf den rätoromanisch-keltischen Ursprung der Namensgebung vieler Almen ein, auf ihre frühe Erschließung vom Inntal her, als unser Oberland noch gar nicht besiedelt war, auf alte Besitzrechte und ewig andauernde Grenzstreitigkeiten. Sie zeigte auf, dass ein Großteil früherer Tätigkeiten noch heute anfällt: Steine sammeln, Schwenden, Steige ausbessern, Brunnen instand halten, die Gebäude pflegen, Einzäunungen auf- und abbauen.

Ihrer Wahrnehmung entgeht dabei nicht, was andere vielleicht übersehen: die Vielfalt der Blumen, Gräser und Kräuter, die vielfältige Tierwelt und der Adler am Himmel, das Glitzern der Bergbäche und Gumpen, die artgerechte Tierhaltung, die schmucken, in den Hang geduckten Almhütten und dahinter am Horizont immer wieder die schroffen Kalkzinnen des Karwendels. Am meisten gelten ihr Augenmerk und ihre Bewunderung jedoch einer „ganz normalen“, gleichwohl achtsamen und beinahe liebevollen Beziehung zwischen den Almleuten und ihren Weidetieren, was etwa bei der Geburt eines Kälbchens und beim geschmückten Almabtrieb von der Rauh-Alm am Seekar deutlich wird.

Zusammen mit ihrer Tochter Stephanie, die das Naturerlebnis mit Harfenklängen untermalte, zeichnet Barbara Schwarz das romantische Porträt einer freien, friedvollen Welt, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint und wo man Hektik, Stress und andere zivilisatorischen Zumutungen hinter sich lassen kann. Im bundesdeutschen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes sind derzeit von der Flößerei, der Leonhardifahrt bis zur Theater- und Orchesterlandschaft rund 70 örtliche Traditionen aufgelistet. Nach dem Vortrag von Bärbel Schwarz stellten sich wohl einige Zuschauer die Frage, warum eigentlich die Almwirtschaft nicht aufgenommen wird.

Rainer Bannier

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