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Die Pestkapelle in Wackersberg-Lehen feiert heute Patrozinium.

Alte Isarwinkler Bräuche zu „Sebastiani“ 

„Fasten bis der Mond aufgeht“

Wackersberg – Heute ist „Sebastiani“, Namenstag des hl. Sebastian. Der Märtyrer aus der Frühzeit des Christentums war Patron der Soldaten, Eisengießer, Gerber, Bürstenmacher – und Leichenträger. Angerufen wurde er auch bei Pest und Seuchen. Daran erinnert bis heute altes Brauchtum in Wackersberg und Lenggries.

Am heutigen Sebastiani-Tag wird nämlich gefastet, erzählt Ursula Hueber. Und das wiederum geht vermutlich auf ein Gelübde aus der Pestzeit zurück. Die Seuche wütete derart in Wackersberg, dass am Ende gerade einmal acht Erwachsene überlebten. Die ebenfalls schwer getroffene Pfarrei Tölz gelobte einen Feiertag zu Ehren des Pestheiligen Sebastian. Die Wackersberger fügten das Versprechen eines Kapellenbaus im Ortsteil Lehen an und zwar an der Stelle, wo die meisten Pesttoten bestattet worden waren. 1638 wurde sie geweiht. Seitdem finden alle Jahre Gottesdienste und Rosenkranzgebete statt.

Zum Sebastiani-Brauchtum gehört aber eben noch mehr, wie die 92-jährige Wackersbergerin zu erzählen weiß. Es wurde nämlich gefastet. Und zwar den ganzen Tag bis abends. Dann erst durfte gegessen werden. Huebers Vater, der Mesner der Pfarrkirche und Jahrgang 1878, habe ihr erzählt, dass er als junger Mann selbst erlebt habe, wie der zunehmend hungrige Knecht am Hof während der Stallzeit hinausgegangen sei, vergeblich zum Himmel hinaufgeschaut und geseufzt habe. „Sie san no ned aufganga“ – Mond und Sterne nämlich.

Auch heute noch halten sich die Alten an das alte Gelöbnis, erzählt die „Mesmer-Usch“. Es geht dabei aber nicht mehr ums strenge Fasten, sondern eher um „den Verzicht auf etwas, das man gerne hat“. Der eine verzichtet auf sein gewohntes Haferl Kaffee, der andere auf die Fleischspeise, berichtet Hueber. Das tut sie selbst auch. Und statt der Semmel tut’s auch einmal ein Brot.

Früher, erinnert sich die rüstige Seniorin, seien auch noch Tölzer Geschäftsleute in den nachmittäglichen Rosenkranz in der Pestkapelle gekommen. Nur mit dem Fasten nahmen es die Nachbarn nicht ganz so genau. Die Tölzer genossen anschließend beim „Altwirt“ ihre Weißwürst, nicht ohne schon mal spöttisch die Wackersberger Tischnachbarn zu fragen: „Mögst aa amoi schmecka?“

Dass auch die Lenggrieser dieses Sebastiani-Fasten kennen, weiß die „Usch“ aus einem Erlebnis vor vielen Jahrzehnten beim Landvolktag in Indersdorf. Just an Sebastiani kam sie dort zum Frühstück neben einer wortkargen Lenggrieserin zum Sitzen, die eine angebotene Wurstplatte dankend ablehnte und zu ihr weitergab. Sie selbst reichte die Wurst ebenfalls weiter, worauf sich folgender kurzer, aber inhaltsreicher Dialog entspann. Die Lenggrieserin fragte: „Du aa?“ Die Usch nickte. „Ah so“, antwortete ihr Gegenüber. Mehr brauchte es nicht. Beide wussten Bescheid.

Die Gottesdienste

Um 7.30 Uhr beginnt in der Pestkapelle heute die tradionelle Messe des Veteranen- und Reservistenvereins für die Gefallenen und Vermissten. Um 8.30 Uhr wird der Pfarrgottesdienst gefeiert, und um 13.30 Uhr beginnt die Schlussandacht.

Christoph Schnitzer

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