Seit einem Monat wird die „Alte Schießstätte“ im Badeteil nicht mehr bewirtschaftet. 

Nach Schließung

"Alte Schießstätte": Beide Seiten fühlen sich im Stich gelassen

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Bad Tölz – Einen Monat nach Schließung der „Alten Schießstätte“ ist weit und breit kein neuer Gastronom in Sicht. Zwischen den Verpächtern und dem ehemaligen Wirt scheint das Tischtuch zerschnitten.

Das Ende kam unerwartet: Nach fünf Jahren hat Wirt Ferudun Cakir die „Alte Schießstätte“ im Badeteil geschlossen (wir berichteten). Einen Monat nach dem Aus schäumt Anton Krinner, Sprecher der Pächtergemeinschaft, noch immer. Auf die schweren Vorwürfe hin äußert sich nun erstmals auch Cakir selbst.

Zum Hintergrund: Die Gaststätte ist im Besitz der Stadt. Die Trachtenvereine Edelweiß, Isarwinkler und Kirchstoaner sowie der Kreisjagdverband haben das Gebäude von der Stadt gepachtet. Die Vereine proben im Saal und haben je ein Vereinszimmer. Daneben ist ein Schulungsraum der Jäger. Die Wirtschaft mitsamt Saal haben sie seit 2011 an Cakir unterverpachtet, der zuvor 16 Jahre als Küchenchef im Lenggrieser „Papyrer“ war. Ebenfalls 2011 hatte die Stadt etwa 1,5 Millionen Euro in die Sanierung des Gebäudes investiert. Trachtler und Jäger packten kräftig mit an und feierten groß die Wiedereinweihung ihrer rundumerneuerten Heimstätte.

Im Alltag hätten die Vereine die angekündigte Unterstützung aber seither vermissen lassen, beklagen nun der türkischstämmige Cakir und seine Stammbedienung Hilde Wametsberger. „Ich kann an einer Hand abzählen, wie viele Vereinsmitglieder regelmäßig bei uns beim Essen waren“, erklärt Wametsberger. „Ich habe hier Spitzengastronomie angeboten“, sagt Cakir. „Aber die Trachtler waren nur zur Plattlerprobe da.“ Die Proben hätten jedoch kaum Umsatz gebracht, erläutert Wametsberger. Mit drei Jugendgruppen hätten die „Edelweißer“ den größten Nachwuchs. Doch wenn die Kinder und Jugendlichen plattelten und die Mütter derweil etwas tranken, seien nur etwa 50 oder 60 Euro Umsatz pro Woche zusammengekommen. Die „Isarwinkler“ hätten gar keine Jugendproben, bei den „Kirchstoanern“ kämen pro Woche fünf oder sechs Kinder. Nicht selten seien Proben ganz ausgefallen, ohne dass dem Wirt abgesagt wurde. „Den Saal haben wir oft umsonst geheizt.“

Mit Leonhardi, Trachtenjahrtag, Jahresversammlungen und Weihnachtsfeiern – die nicht alle Trachtenvereine immer in der „Schießstätte“ abgehalten hätten – kamen laut Wametsberger pro Jahr 5000 bis 6000 Euro Umsatz zusammen. „Davon kann man nicht leben, das ist nicht einmal die Pacht.“ Als großes Problem empfanden es Cakir und Wametsberger, dass sie nicht von der Schützenstraße aus auf ihr etwas abseits gelegenes Lokal hinweisen durften, „mit einem ordentlichen Schild, das man sieht“. Auch für dieses Anliegen vermissten sie die Rückendeckung der Verpächter.

Seit der Eröffnung des „Binderbräu“ sei es mit dem Geschäft zusätzlich „rapide bergab gegangen“, sagt Cakir. Der Grund für die Schließung seien aber „private Gründe“ gewesen, „die unser Leben auf den Kopf gestellt haben“. Im persönlichen Gespräch habe Krinner dafür Verständnis geäußert.

Öffentlich kündigte Krinner derweil an, gegen den Wirt zu klagen. Cakir habe die Kündigungsfrist von sechs Monaten nicht eingehalten. „Es ist ein Fiasko und eine Unverschämtheit. Das lasse ich mir nicht bieten“, sagt Krinner nun erneut. Er stehe durch die plötzliche Schließung vor großen Problemen. „Jetzt in der Hauptsaison kriegen wir keinen neuen Wirt – vor November auf keinen Fall“, sagt er. Er selbst habe es – als Ehrenamtler – mit einem „Rattenschwanz“ an Schwierigkeiten zu tun. „Wir haben uns bei der Brauerei zu einer bestimmten Bierabnahme verpflichtet. Und wer übernimmt die Verkehrssicherungspflicht? Da hafte jetzt ich persönlich. Insgesamt ist der Image-Schaden nicht messbar.“

Cakir erklärt, er habe für seine Nachfolge Anzeigen geschaltet. Es hätten sich auch potenzielle Nachfolger gemeldet. Einen Pakistaner, der indische und bayerische Küche anbieten wollte, habe Krinner aber abgelehnt.

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