Gastronom Ingo Kohls steckt mitten in den Vorbereitungen, um den Außenbereich von seinem „Kesselhaus“ am Montag wieder für den Publikumsverkehr öffnen zu können. 
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Gastronom Ingo Kohls steckt mitten in den Vorbereitungen, um den Außenbereich von seinem „Kesselhaus“ am Montag wieder für den Publikumsverkehr öffnen zu können. 

Biergarten-Eröffnung 

Gastronomen machen die Außenbereiche startklar

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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In Biergärten und Außenbereichen dürfen – unter gewissen Bedingungen – ab Montag wieder Gäste bewirtet werden. Trotz des Regenwetters der vergangenen Tage laufen bei vielen Wirten im Landkreis die Vorbereitungen auf Hochtouren.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Desinfizierbare Karten, Abstandsregeln, Aufnahme der Kontaktdaten einer Person pro Tisch, Masken für das Personal: Die Liste der Auflagen für die Gastronomen, die ihre Außenbereiche am Montag, 18. Mai, öffnen wollen, ist lang.

Monika Poschenrieder, Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands, sieht es positiv: „Nach zehn Wochen sind wir froh, überhaupt wieder aufmachen zu können.“ Die Auflagen seien mit Blick auf die Pandemie verhältnismäßig. „Es ist für alle umsetzbar. Ich bin erleichtert, dass es keine feste Personenanzahl gibt.“ Jeder Gastronom könne unter Einhaltung des Mindestabstands von 1,50 Metern so viele Tische aufstellen, wie es seine Außenfläche hergibt. „Wirtschaftlich ist das immer noch nicht der Oberhit,“ sagt Poschenrieder. „Aber es ist ein guter Anfang.“ Es bleibe zu hoffen, dass „trotz erschwerter Bedingungen alle vernünftig mit den Auflagen umgehen.“ Der Schutz von Personal und Gästen habe weiterhin „oberste Priorität.“

„Wirtschaftlich noch nicht der Oberhit“

Guter Dinge ist auch Ingo Kohls, Inhaber von „Papa’s Kesselhaus“ in Bad Tölz. „Das Team freut sich total, wieder normaler arbeiten zu können und unsere Stammgäste wiederzusehen“, sagt er. „Das Eigentliche, was die Gastronomie ausmacht, sind die Kommunikation und die Gäste. Das hat uns sehr gefehlt“, erklärt Kohls. Seine Karte hat er sogar erweitert: „Wir haben ein größeres Burger-Angebot.“ Der Geschäftsführer muss dennoch auf etwa 30 Prozent der Tische verzichten, um genügend Abstand zu gewähren. „Das ist geschäftlich gesehen natürlich nicht der Reißer.“ Doch er lässt sich die Zuversicht nicht nehmen: „Ich habe keinen Platz für Ängste.“ Den Lieferservice will er nach wie vor noch aufrechterhalten.

Auch das „Klosterbräustüberl Reutberg“ will ab Montag den Biergarten öffnen. Die Wirte Schorsch Lichtenegger und Bernhard Haindl haben sich dazu bereits etwas Neues einfallen lassen: „Es wird vormittags immer einen Frühschoppen geben“, sagt Lichtenegger. Ob wetterbedingt geöffnet werden kann, werde von Tag zu Tag neu entschieden. „Wir müssen das Risiko jetzt einfach eingehen“, erklärt Lichtenegger. Um trotz Abstand genügend Plätze zu gewähren, werden auch auf Teilen des Parkplatzes Tische aufgestellt. Über die bisherige Treue ihrer Gäste sind die Wirte sehr froh. „Viele haben den Abholservice genutzt“, erklärt Lichtenegger. Doch eine Angst bleibt: „Wenn die Fallzahlen wieder steigen und es einen erneuten Shut-Down gäbe, würde das noch mehr Verlust bedeuten.“

Vorbereitungen bei Regen 

Die Wirtsleute Michaela und Anderl Hager von der „Tölzer Schießstätte“ am Buchberg sind auch mitten in den Vorbereitungen. „Es ist ein irrer Aufwand, unter den nötigen Sicherheitsbestimmungen, alles herzurichten“, sagt Michaela Hager. Doch der Schutz aller sei das A und O. Sie freue sich sehr, ihre Gäste im Außenbereich wieder bedienen zu können. „Wir verzichten kommende Woche auch auf unsere üblichen Schließtage Montag und Donnerstag.“ Ob sich diese Form der Eröffnung rentieren wird, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen. „Wir machen jetzt einfach auf und probieren es“, sagt Hager entschlossen.

Auch das Wirtspaar Hans Kremkow und Michaela Kurz vom „Kramerwirt“ in Arzbach findet es schwer, „den Erfolg der Außenbereichsöffnung abzuschätzen“. Sie wollen es aber nicht unversucht lassen und bringen den Garten auf Vordermann. „Die erste Woche wird eine Testphase sein“, sagt Kramkow und betont, dass „wenigstens alle im gleichen Boot sitzen“. Er geht davon aus, dass noch eine „längere Durststrecke“ für Gastronomen anstehe.

Angst vor erneutem Shutdown

Die Speisekarte des „Kramerwirt“ ist verkleinert, und auch sonst „wird man die Gastro vorerst nicht so erleben, wie sie mal war“, sagt er. Trotzdem müsse man versuchen „das Beste aus der Situation zu machen“. Sein Motto dabei: „Jammern? Ja, aber nicht, ohne es probiert zu haben.“

Martina Riesch hat die Krise besonders getroffen. Als neue Wirtin des Jachenauer „Schützenhaus“ wollte sie im April eröffnen. Als das nicht möglich war, disponierte sie auf einen Kioskverkauf um und versorgte Wanderer mit kühlen Getränken und Eis zum Mitnehmen. Ab Christi Himmelfahrt, 21.  Mai, will sie es wagen, im Außenbereich zu bewirten. „Ich bin ja schon froh, dass ein bisschen was in Bewegung kommt“, sagt sie. Ihre Sorgen: zu schlechtes Wetter, zu wenige Gäste. „Das Problem ist, dass ich mir ja keinen halben Koch in die Küche stellen kann.“ Auch sie hat Angst vor einer erneuten Schließung: „Das würde der Gastro den Ruf kaputt machen, obwohl alle bemüht um Schutz sind.“

Riesch hofft, „fließend“ zu einem Normalbetrieb übergehen zu können. Dazu brauche es jedoch das Mitwirken aller. Wie sie sagt: „Ein „Miteinander, aber auf Abstand“.

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