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40 Tage Verzicht: Auf in die Fastenzeit

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Von: Felicitas Bogner

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In der Fastenzeit kann man sich in vielerlei Hinsicht im Verzicht üben. Viele ernähren sich bewusster, um gesünder zu werden oder ein paar Kilo zu verlieren.
In der Fastenzeit kann man sich in vielerlei Hinsicht im Verzicht üben. Viele ernähren sich bewusster, um gesünder zu werden oder ein paar Kilo zu verlieren. © dpa

Fleisch, Zucker, Alkohol: Fasten ist vielfältig und liegt im Trend. Am heutigen Aschermittwoch beginnt die christliche Fastenzeit. Viele Menschen versuchen, bis Ostern auf so manch Gewohntes und Liebgewonnenes zu verzichten. Trotz aller Euphorie: Sowohl aus geistlicher als auch aus medizinischer Sicht sollte man auf ein paar Dinge achten.

Bad Tölz – Die närrischen Tage sind vorbei, und damit ist auch Schluss mit Krapfen und Alkohol in rauen Mengen: Heute beginnt die Fastenzeit. Die einen verzichten, um dem christlichen Brauch gerecht zu werden, andere, um der Gesundheit etwas Gutes zu tun oder sich der Herausforderung der Askese zu stellen.

„Körperlicher Verzicht hat für mich keine geistige Dimension“

Die evangelische Kirche stellt die Fastenzeit heuer unter das Motto „Zuversicht – Sieben Wochen ohne Pessimismus“. Dabei geht es laut dem Tölzer Dekan Martin Steinbach um die Idee: „Man soll sich dadurch seiner negativen Einstellungen bewusst werden.“ Für ihn hat eine Veränderung im Denken Vorrang vor dem körperlichen Verzicht. Ob man zusätzlich bestimmte Lebensmittel bis Ostern weglässt, stehe jedem frei. „Das hat für mich aber keine geistliche Dimension.“

Doch auch Steinbach selbst probiert sich in leiblicher Entsagung. „Ich versuche, Alkohol wegzulassen.“ Allerdings hat es in der Vergangenheit nicht einmal er als Geistlicher geschafft, alle Fastenvorsätze strikt einzuhalten: „Ich habe schon öfter Alkohol gefastet. Einmal habe ich es vergessen und einen Sekt mitgetrunken. Wichtig ist dann, dass man versucht die Kurve zu bekommen.“

„Dinge weglassen, die in der Masse ungesund sind.“

Peter Priller, Priester der altkatholischen Kirche Bad Tölz, empfiehlt: „Dinge weglassen, die in der Masse ungesund sind.“ Dies müsse aber jeder für sich selbst entscheiden. Priller hat dieses Jahr einen besonderen Vorsatz: „Ich möchte nicht verzichten, sondern von etwas Gutem mehr tun. Daher habe ich mir zum Ziel gesetzt, mehr Sport zu machen.“

Den Wunsch nach einem gesünderen Lebensstil oder einer Gewichtsreduktion kennt Roswitha Sedlmayr, Heilpraktikerin und Geschäftsführerin des Hauses Sedlmayr, gut. Sie begleitet in ihrem Tölzer Sanatorium Heilfasten und Matabolic-Balance-Kuren. Das Heilfasten nach Buchinger ist das strikteste der Programme, die sie in ihrem Haus anbietet. Hier gibt es nur Tee, Säfte und Brühe. „Es geht um die Reinigung von Körper, Geist und Seele“, erklärt sie.

Eigener Wille und richtiger Zeitpunkt sind das A und O

So eine strenge Form des Verzichts könne ein Einstieg zum Abnehmen sein, sei aber nicht nachhaltig zum Gewichtsverlust geeignet. Fürs Fasten rät Sedlmayr, zu Beginn zwei Tage die Nahrungszufuhr langsam herunterzufahren und eine Darmreinigung vorzunehmen. Sie selbst, setzt auf „Metabolic Balance“. „Hier sind auch einige Produkte erst mal verboten, wie zum Beispiel Weißmehl.“ Wer keine allgemeine Ernährungsumstellung anstrebt, sondern der Fastenzeit wegen nur auf eine Sache verzichten möchte, sollte laut der Heilpraktikerin „auf den schädlichsten Stoff verzichten. Ob das dann Nikotin, Alkohol oder Fleisch ist, das weiß jeder für sich am besten.“ Das A und O laut Sedlmayr: „Es selbst zu wollen und den Zeitpunkt für richtig zu empfinden“.

Ärztlich angeleitete Fastenkuren können positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben 

Prof. Hans Ulrich Kreider-Stempfle, Chefarzt den Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie und Diabetologie der Asklepios-Stadtklinik in Bad Tölz, rät zu weicheren Formen des Fastens wie Intervallfasten. Der Vorteil gegenüber Fastenkuren sei, dass „der Stoffwechsel nicht gedrosselt und die Muskelmasse nicht abgebaut wird. Das ist wichtig, denn dadurch wird ein Jo-Jo-Effekt vermieden“. Er bestätigt auch, dass ärztlich angeleitete Fastenkuren deutliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben können. „Ein positiver Effekt ist der Anstieg von Immunglobulinen im Darm, die für die Virenabwehr zuständig sind.“ Dies führe zu einer Stabilisierung des Immunsystems. „Nach etwa drei Fasten- oder Detoxtagen schütte der Körper deutlich mehr vom „Wohlfühlhormon“ Serotonin aus. „Man fühlt sich ausgeglichener und entspannter“, erklärt der Experte.

Dringend von Fastenkuren abzuraten sei laut Kreider-Stempfle „Schwangeren, Stillenden und Menschen mit starkem Über- oder Untergewicht.“ Voraussetzung sei ein stabiler Gesundheitszustand.

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