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Microsoft-Betrugsmasche

Am Telefon abgezockt

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Er, ein Opfer von Betrügern? Das hätte Heinz Bories nie für möglich gehalten. Und doch haben es vermeintliche Microsoft-Mitarbeiter geschafft, dem Tölzer am Telefon 1400 Euro abzuschwatzen. Kein Einzelfall, wie der Blick in den aktuellen Polizeibericht verrät.

Bad Tölz – Irgendwann ist der Druck zu hoch, das Gehirn „breiig“ geredet. Heinz Bories gewährt den vermeintlichen Mitarbeitern von Microsoft Zugriff auf seinen Computer. „Ich kann es mir selbst nicht erklären“, ärgert sich der Tölzer. „Dabei bin ich eigentlich ein sehr skeptischer Mensch.“

Doch die Betrüger, die ihn am Donnerstag gegen 10 Uhr anrufen, wissen anscheinend genau, was sie sagen und tun müssen, damit ihnen Bories ins Netz geht. „Ich hatte mindestens fünf verschiedene Männer und Frauen am Telefon“, schildert der 47-Jährige das rund zweistündige Gespräch. Alle sprechen Englisch mit indischem Akzent. Sie erzählen etwas von über 20 000 Fehlern auf seinem Computer, nennen ihm die Befehle, mit denen er die entsprechenden Warnmeldungen an seinem Bildschirm sehen kann. Trotzdem äußert Bories Zweifel. Doch die Betrüger können ihm sogar den Sicherheitscode seines Rechners sagen. „Da dachte ich: ,Vielleicht ist doch was dran.‘“

Heinz Bories will andere Bürger vor Telefon-Betrügern warnen.

Bories lädt ein Programm herunter, mit dem er den angeblichen Profis am anderen Ende der Leitung letztlich Zugang zu sämtlichen Daten auf seinem PC verschafft. Natürlich können die Spezialisten die angeblichen Probleme trotzdem nicht lösen. Bories soll ein Programm für 25 Euro kaufen. Als er bezahlen will, stehen plötzlich 100 Euro in der Bestätigungs-SMS, die der Tölzer vor der Online-Transaktion von der Sparkasse bekommt. Bories protestiert, am Ende zahlt er trotzdem insgesamt 1400 Euro.

„Die haben so einen Druck aufgebaut, das kann man sich nicht vorstellen.“ Vor allem die Drohung, dass sein Computer kaputt gehen werde, wirkt. „Man ist ja auf die Technik angewiesen.“ Um Zeit zu schinden, lesen ihm die Betrüger ganz langsam ellenlange Zertifizierungsnummern vor. Irgendwann wird es Bories dann doch zu bunt: Er legt auf, zieht den Stecker des Computers und ruft die Tölzer Polizeidienststelle an.

Dort werden immer wieder solche Fälle von Computer-Betrug angezeigt. „Das Phänomen gibt es seit einiger Zeit“, sagt einer der Beamten, der namentlich nicht genannt werden möchte. Im aktuellen Pressebericht meldet die Polizei gleich zwei weitere Betrugs-Fälle. Sie hängen zwar vermutlich nicht zusammen, zeigen aber, wie brisant die Thematik ist.

So hat ein bislang unbekannter Täter zwischen dem 28. März und dem 6. April über 2000 Euro von dem Konto einer Frau (52) aus Sachsenkam abgebucht. Kein Schaden ist einer Tölzerin (31) entstanden. Sie hat eine Rechnung über eine angebliche Registrierung bei „regista.online“ bekommen. Die Zahlungsaufforderung machte laut Polizei einen amtlichen Eindruck, trotzdem ging die Frau damit zur Polizei.

Keine Geschäfte am Telefon

Das ist im Zweifelsfall immer eine gute Idee. Die Beamten raten den Bürgern außerdem, generell keine Geschäfte am Telefon zu machen und keine Daten herauszugeben. „Wenn einen jemand auf der Straße anspricht, würde man solche wichtigen Infos doch auch niemals preisgeben“, sagt ein Beamter.

Auch Heinz Bories würde das nie tun, ist aber in die Telefon-Falle getappt. „Würde mir das jemand erzählen, würde ich mich fragen, wie man nur darauf reinfallen kann.“ Ein kleiner Trost für Bories: Bis auf 200 Euro konnte die Sparkasse das Geld wieder zurückholen. Sein Computer ist allerdings stark reparaturbedürftig: Die Festplatte muss neu formatiert und alle Programme neu aufgespielt werden. Außerdem braucht er neue Kontonummern, Kreditkarten und muss alle Passwörter ändern. „Das Ganze ist eine Erfahrung, die ich niemandem wünsche.“ Die Chancen, die Betrüger zu finden, gehen laut Polizei gegen Null.

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