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Nach dem Tod von Trachtenhändlerin Rita Braun klafft in der Mitte des Amortplatzes eine Lücke im Geschäftsleben. Die bröckelnde Hausfassade und der schon seit zwei Jahren leer stehende „Betten Beer“ (li.) tun ein Übriges, um ein derzeit ziemlich tristes Am biente zu verbreiten.

Leerstände

Amortplatz: Tristesse links der Isar

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Bröckelnder Putz und leere Läden trüben derzeit das Erscheinungsbild des Amortplatzes mitten in Bad Tölz. Die Hausbesitzer wollen dafür sorgen, dass bald neues Leben einkehrt.

Bad Tölz– Er ist zentral gelegen und gut frequentiert – doch aktuell gibt der Tölzer Amortplatz nicht das beste Bild ab. Viele Jahrzehnte war „Trachten Kirner“ das Herzstück. Seit dem Tod der Inhaberin Rita Braun im August 2017 klafft hier ein Leerstand. Zu allem Überfluss ist am angrenzenden Gebäudeteil auch noch großflächig der Putz abgebröckelt. Zur anderen Seite wird das „Bruckbräu“-Gebäude eingerahmt von einem weiteren Leerstand mit sichtlichem Renovierungsbedarf, dem ehemaligen „Betten Beer“. Die Stadt beobachtet die Entwicklung aufmerksam – zum „Sorgenkind“ erklärt sie den Amortplatz aber noch nicht.

„Ja, die Stadt hat das im Blick“, erklärt Rathaus-Sprecherin Birte Otterbach auf Anfrage des Tölzer Kurier. Die Stadt selbst könne hier freilich keine Maßnahmen planen, da es sich um private Grundstücke handele. „Mit beiden Eigentümern steht Wirtschaftsförderer Heiko Wiesenhütter in Kontakt“, versichert Otterbach. Es liege im Interesse der Stadt, „dass die Immobilien am Amortplatz deutlich aufgewertet werden“.

Denkmalschutz muss Renovierungen erst absegnen

Auch der Tölzer Kurier hat bei den Hausbesitzern nachgefragt. Das „Bruckbräu“-Gebäude inklusive dem ehemaligen Trachtengeschäft gehört dem Tölzer Georg Schmidt. „Da ist Wasser vom Dach in das Mauerwerk eingedrungen, und bei Frost ist der Putz aufgeplatzt“, erklärt er den Schaden an der Fassade. Sobald es das Wetter erlaube, wolle er die Reparatur in Angriff nehmen. Der Antrag beim Denkmalschutzamt sei gestellt.

Die ehemaligen Räume von „Trachten Kirner“ kann Schmidt erst seit wenigen Tagen genauer in Augenschein nehmen, da sie bis 31. Januar an den Insolvenzverwalter vermietet waren. Erst jetzt, nach der vollständigen Räumung, sei es möglich, sich ein Bild vom Renovierungsbedarf zu machen, sagt Schmidt. Wie lange die Sanierung dauern könnte, lasse sich noch nicht abschätzen. Erste Anfragen gebe es schon, etwa aus dem Bankensektor und von einem Wäschegeschäft.

Positive Signale kommen auch vom Eigentümer des ebenfalls denkmalgeschützten „Betten Beer“-Gebäudes. Der Laden steht leer, seit das Bettengeschäft seine Tölzer Filiale im April 2016 geschlossen hatte. Der Eigentümer sagt dazu: „Wir sind dran, es wird in nächster Zeit renoviert, damit der Platz bald wieder schön ausschaut.“ Das Geschäft solle neu vermietet werden.

Weitere Leerstände gab es zuletzt auch ein Stück die Badstraße und Königsdorfer Straße hinauf. Dort hatte Gerhard Brandner Mitte 2015 sein Geschenke- und Kunsthandwerksgeschäft „Gerry B.“ geschlossen. Dieser Tage nun hat dort die Versicherung LVM ein Büro eröffnet.

Noch keine konkrete Aussicht auf Neuvermietung gibt es beim benachbarten ehemaligen Bistro Marché. Nach fast zwei Jahren Leerstand wird sich die Neuvermietung „noch einige Zeit verzögern“, erklärt Immobilienmakler Raphael Buchberger. Etliche Anfragen – von der Spielhalle bis zur Boutique – habe es schon gegeben.

Auch wenn es sich um „keine 1A-Lage“ handle, hält Raphael Buchberger den Standort für attraktiv. Allerdings erschwere die Zweiteilung des Raums mit ein paar Stufen dazwischen die Nutzung.

Sanierungskonzept soll steuerliche Anreize schaffen

Wirtschaftsförderer Wiesenhütter weiß um die Bedeutung dieses Gebiets. Der Amortplatz sei im Einzelhandelskonzept als „zentraler Versorgungsbereich“ ausgewiesen. Dass es immer wieder mal zu Wechseln und Leerständen kommt, ist aus Sicht des Citymanagers per se kein Problem. „Anders als in der Marktstraße, wo es oft langfristige Mietverträge mit größeren Ketten gibt, haben an anderen Standorten auch kleine, inhabergeführte Geschäfte eine Chance, und es kann mehr experimentiert werden“, sagt er. So eröffneten sich Chancen auf Neues. Als Beispiel nennt Wiesenhütter die „Laufwerkstatt“ an der Königsdorfer Straße. „Das ist ein Konzept, dass es in Tölz so noch nicht gibt.“

Was die Gebäude angeht, so hofft die Stadt, einen „wesentlichen Impuls“ geben zu können. Wie berichtet laufen Untersuchungen für ein „Sanierungsgebiet Badeteil“. Dabei steht laut Bauamtsleiter Christian Fürstberger der Bereich „westliche Isarbebauung“ mit im Fokus. Der Amortplatz werde voraussichtlich ein Teil des Sanierungsgebiets mit festgelegten Sanierungszielen. „Dann haben die Eigentümer die Möglichkeit, die Kosten einer Gebäudesanierung beziehungsweise eines Umbaus steuerlich geltend zu machen.“

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