+
Symbolbild

Amtsgericht

Familientherapie statt Strafe

Bad Tölz/Wolfratshausen – Nach Zwischenfall an der Haustür: Richter stellt Verhaltensregeln für 28-jährigen Tölzer auf.

Mit einem unangemeldeten Besuch bei seiner Ex-Frau löste ein Tölzer (28) ein ziemliches Chaos aus. Weil er sich an der Tür nicht abwimmeln ließ, geriet seine Stieftochter so in Panik, dass sie den Eindringling mit Pfefferspray attackierte. Nun musste sich der Küchenhelfer wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung vor dem Strafrichter verantworten.

Auslöser der Aktion war die Tatsache, dass die von dem Angeklagten geschiedene Frau (41) einen neuen Freund hat. Mit der Situation sei ihr Ex nicht klargekommen, mutmaßte die gelernte Hotelfachfrau. „Er ist wie von der Tarantel gestochen in die Wohnung rein und suchte meinen Freund“, so die Zeugin. Ihre Tochter aus einer früheren Beziehung („sie mag ihn nicht“) habe ihn wegschieben wollen. Als der Mann im Streit seinen Gürtel aus der Schlaufe gezogen und damit gedroht habe, sei die Situation völlig außer Kontrolle geraten.

Das Geschehen verlagerte sich in die Küche, wo es zum Tumult kam. „Er griff plötzlich in eine Schublade. Ich dachte, er nimmt ein Messer. In dem Moment bekam ich panische Angst und habe das Pfefferspray eingesetzt“, schilderte die Stieftochter (22) die Situation. „Alles ging extrem schnell. Dann kam auch schon die Feuerwehr.“

Seit dem Zwischenfall habe sich die gesamte Situation jedoch „total beruhigt“, versicherte die sehr besonnen wirkende Ex-Frau des Angeklagten. Wegen der gemeinsamen Kinder, einem Sohn und einer Tochter, für die beide Elternteile trotz Scheidung weiterhin das gemeinsame Sorgerecht haben, müsse man einen vernünftigen Weg finden, so die 41-Jährige.

Diese Auffassung teilten auch der Angeklagte („Ich will nur meine Kinder sehen, ein bisschen Spaß mit ihnen haben, aber keinen Ärger.“) sowie Richter und Verteidigung. Schon vor der Verhandlung hatten sich der Beschuldigte und seine Ex über das weitere Vorgehen intensiv Gedanken gemacht. Unter Einbeziehung der Stieftochter („Ich möchte nur, dass er mich in Ruhe lässt.“) schnürte Richter Helmut Berger daraus Verhaltensregeln, die allen Beteiligten künftig einen vernünftigen Umgang miteinander ermöglichen sollen. Der Richter verzichtete auf eine Bestrafung des 28-Jährigen, der sich in der Verhandlung bei seiner Stieftochter für die Vorkommnisse am 30. April vorigen Jahres entschuldigte, sondern stellte das Verfahren mit Zustimmung des Staatsanwalts vorläufig ein.

Im Gegenzug verpflichtete sich der Angeklagte, sich nur nach Vereinbarung mit seiner Ex-Frau und den gemeinsamen Kindern zu treffen – und dies an einem neutralen Ort. In der Wohnung ist ein Besuch nur ausnahmsweise möglich, wenn sichergestellt ist, dass andere Familienmitglieder, speziell die Stieftochter, nicht anwesend sind.

Rudi Stallein

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mehr als 500 Badegäste im neuen Trimini in Kochel
Das Trimini als Publikumsmagnet: Am ersten Tag besuchten bis 14 Uhr gut 500 Badegäste die neu eröffnete Therme. Am Abend wird mit weiteren zahlreichen Gästen gerechnet. 
Mehr als 500 Badegäste im neuen Trimini in Kochel
Jäger entschuldigen sich für den Begriff „Vogelbuberl“
Die Steinwild-Zählung führte zum Streit zwischen dem Kreisjagdverband und dem Landesbund für Vogelschutz. Jetzt sprechen sich die Beteiligten nochmal aus.
Jäger entschuldigen sich für den Begriff „Vogelbuberl“
Sparkassen-Urgestein wechselt in den Ruhestand
Sparkassen-Urgestein wechselt in den Ruhestand

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare