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Symbolbild

Amtsgericht

„Ich bin über diese Sache entsetzt“

Bad Tölz-Wolfratshausen - Unternehmer soll Mitarbeiter mit Schlägen gedroht haben: 800 Euro Geldstrafe.

„Ich hau dir ein paar in die Fresse, wenn du weiter so einen Terror machst wegen deinem Lohn.“ Mit diesen Worten soll ein Tölzer Unternehmer (51) einen Angestellten aus dem Büro hinaus komplimentiert haben. Nun musste sich der Geschäftsmann wegen versuchter Nötigung vor dem Wolfratshauser Amtsgericht verantworten.

„Diese Anschuldigungen muss ich zurückweisen. Sie sind so nicht zutreffend“, bezog der Angeklagte Stellung. Zwar habe es am Nachmittag des 27. November vorigen Jahres, dem in der Anklageschrift angegebenen Tatzeitpunkt, ein Gespräch mit dem damals noch krankgeschriebenen Lkw-Fahrer gegeben. Dabei sei jedoch lediglich der Einsatzplan für die kommende Woche besprochen worden. Auch über Überstunden habe man sich kurz unterhalten, aber nicht über ausstehende Lohnzahlungen. Weder Wortwahl noch Jargon entsprächen seiner Art. „Ich bin über diese Sache eigentlich entsetzt“, so der Beschuldigte.

500 Euro sind offen: „Ich wurde immer wieder vertröstet."

Der Angestellte (54), der zu Ende Februar dieses Jahres seinen Job gekündigt hat, konnte sich an Dienstplangespräche nicht erinnern. Er habe lediglich nachgefragt, wann er sein restliches Geld für den November bekomme. Etwas mehr als 500 Euro seien noch offen gewesen. „Seit einem Jahr muss ich betteln, nichts anderes war Thema“, sagte der Kraftfahrer. „Ich wurde immer wieder vertröstet. Dann hat er gesagt: Ich würde dir am liebsten in die Fresse hauen, wenn du mir ständig wegen dem Geld hinterherläufst“, wiederholte der 54-Jährige seinen Vorwurf. Auf Anraten seiner Anwältin war er nach dem Vorfall zur Polizei gegangen.

Für den Staatsanwalt „wirkte der Zeuge durchweg glaubhaft“. Er beantragte, den Unternehmer zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 40 Euro zu verurteilen. „Der Sachverhalt ist so nicht zutreffend“, wehrte sich der strafrechtlich bislang unbescholtene Angeklagte. „Das kann ich so nicht akzeptieren.“ Deshalb lehnte er auch das Angebot des Gerichts ab, das Verfahren gegen Zahlung von 600 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung einzustellen.

Richter Helmut Berger folgte dem Antrag des Staatsanwalts und verurteilte den Tölzer zu 800 Euro Geldstrafe. Er habe „nicht den geringsten Zweifel“ an der Aussage des Zeugen, erklärte Berger in seiner Urteilsbegründung. Der Mitarbeiter habe durch die Drohung des Chefs von weiteren Nachfragen abgehalten werden sollen. Das erfülle den Tatbestand der versuchten Nötigung. Dabei sei es unerheblich, ob tatsächlich noch ein Lohnanspruch bestanden habe oder nicht. „Das bedeutet, dass ich in Zukunft solche Gespräche nur noch führen kann, wenn Zeugen dabei sind“, schloss der Verurteilte, bevor er den Saal verließ. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Rudi Stallein

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