Amtsgericht

Randale mit 2,8 Promille

Weil er im Alkoholrausch zwei Mitbewohner mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben soll, musste sich ein junger Asylbewerber wegen Körperverletzung vor dem Jugendrichter verantworten.

Bad Tölz-Wolfratshausen –  Der 19-Jährige kam glimpflich davon: Der Richter sprach ihn „schuldig des vorsätzlichen Vollrauschs“ und verhängte ein Alkoholverbot bis Ende 2017.

Der Angeklagte soll am 12. Mai 2016 in seiner Unterkunft mit zwei anderen Asylbewerbern verbal aneinander geraten sein und im Streit zugeschlagen haben. „Die beiden waren meine Freunde, ich wollte ihnen nichts tun“, beteuerte der Beschuldige, der sich an Details nicht mehr erinnern konnte. Er hatte vor der Tat seinen Frust in Alkohol ertränkt, eine Blutprobe kurz nach dem Vorfall hatte einen Wert von 2,8 Promille ergeben.

Auch das Erinnerungsvermögen der Geschädigten hatte in der Zwischenzeit gelitten. So hatte ein 23-jähriger Syrer bei der Vernehmung durch die Polizei angegeben, vom Angeklagten „am Hals gepackt und gewürgt“ worden zu sein. Nun relativierte er seine Aussage. Nein, gewürgt worden sei er nicht. „Er hat herumgefuchtelt und geschlagen“, erklärte der Zeuge. „Ich hatte den Eindruck, dass er stark betrunken und völlig am Ende war“, sagte er. Deshalb seien auch die Schläge vom Angeklagten nicht gezielt geführt worden. Er sei wohl nur versehentlich getroffen worden, gab auch der zweite Geschädigte zu Protokoll.

Es war nicht das erste Mal, dass der junge Mann wegen unmäßigen Alkoholgenusses auffällig geworden war. Ende August 2016 war es deshalb bereits zu einem Freizeitarrest und Sozialstunden sowie einem einjährigen Alkoholverbot verurteilt worden. Anders als damals, müsse man diesmal angesichts der hohen Alkoholkonzentration und den Begleiterscheinungen (Erbrechen, stark beeinträchtigte Motorik) von einer vollständigen Aufhebung der Steuerungsfähigkeit ausgehen, so die Einschätzung einer Sachverständigen.

„Es gibt Sachen, die einen emotional aufwühlen“, entschuldigte sich der Angeklagte. „Ich hoffe, dass Ihr Urteil milde ausfällt und ich die Chance habe zu lernen und zu arbeiten.“

Er hatte Glück. Richter Urs Wäckerlin verlängerte lediglich das Alkoholverbot bis Ende 2017 und sah von weiteren erzieherischen Maßnahmen ab. „Sie waren nicht mehr Herr Ihrer Sinne. Das Ziel sollte sein, solche Situationen in Zukunft zu vermeiden“, schärfte der Richter dem Verurteilten allerdings ein. Falls er doch rückfällig werde, drohten ihm bis zu vier Wochen Arrest, mahnte der Richter. rst

Rubriklistenbild: © dpa

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