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Amtsgericht Wolfratshausen

Prügel für die eigene Schwester, weil sie kein Kopftuch trug

Er misshandelte seine Schwester schwer, weil sie auf einem Fest kein Kopftuch trug. Dafür schickte der Amtsrichter den Angeklagten nun für über drei Jahren in den Knast. 

Bad Tölz – Der junge Mann auf der Anklagebank hatte dem Prozess zwei Tage lang leidenschaftslos beigewohnt. Doch als der Vorsitzende Richter Urs Wäckerlin ihm die Leviten liest, muss er sich sichtlich anstrengen, um seine Emotionen und die Tränen, die es ihm in die Augen drückt, zu verbergen. „Ich war äußerst entsetzt, lesen zu müssen, dass eine junge Frau von ihren Brüdern und ihrer Mutter gebissen und mit diversen Werkzeugen geschlagen wurde“, sagte Urs Wäckerlin. Den Taten liege eine „absolut verachtenswerte Motivation und gefühllose Gesinnung“ zugrunde. Wegen gefährlicher Körperverletzung in vier Fällen verurteilte das Schöffengericht am Amtsgericht Wolfratshausen den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren.

Die Anklageschrift listet detailliert die nur schwer verdaulichen Misshandlungen auf, die dem 25-jährigen Asylbewerber aus Jordanien zur Last gelegt werden. Im Frühjahr 2016 soll der Verurteilte gemeinsam mit seiner Mutter und dem jüngeren Bruder seine damals 19 Jahre alte Schwester mehrfach verprügelt haben, mit den Fäusten, mit der flachen Hand, und einmal mit einem Elektrokabel. Ein anderes Mal soll er die Schwester während eines Streits an den Haaren gezogen und in den Rücken gebissen haben. Die Taten ereigneten sich bei einem Verwandtenbesuch im westfälischen Beckum sowie in der Wohnung der Familie in Bad Tölz. Während sich der 25-Jährige dem Verfahren stellte, sind die mitangeklagte Mutter sowie der jüngere Bruder untergetaucht, nachdem ein Abschiebeversuch am Flughafen gescheitert war.

Die Mutter entdeckte ein Foto auf dem Handy

Auslöser der rohen Gewalt war ein Foto, welches die Mutter der Geschädigten auf deren Handy entdeckt hatte. Das Bild zeigte die 19-Jährige ohne Kopftuch beim Besuch des Frühlingsfestes in München. In der Verhandlung räumte der Bruder ein, dass es mit seiner Schwester Streit und Auseinandersetzungen gegeben habe. „Teilweise bestreitet der die Sachen, die man ihm vorwirft, teilweise ist er geständig“, erklärte Verteidiger Peter Schneider, bevor sich der Beschuldigte detailliert äußerte.

Zwei Monate ertrug die Geschädigte die Misshandlungen. Dann vertraute sie sich einer Mitschülerin und einer Lehrerin an. Sie floh in ein Frauenhaus, wurde in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen und lebt heute mit neuer Identität an einem unbekannten Ort. Eine Aussage vor Gericht blieb ihr erspart. Stattdessen konnten sich die Prozessbeteiligten mittels eines zweieinhalbstündigen Videos der richterlichen Vernehmung ein Bild machen von der Geschädigten und ihrer Glaubwürdigkeit. In der Vernehmung erklärt die 19-Jährige auch: „Ich habe die Anzeige nur gemacht, um mich zu schützen. Ich wollte nicht, dass meine Familie bestraft wird.“

Auch wegen solcher Aussagen hatte Staatsanwältin Karl, die eine Freiheitsstrafe von vier Jahren beantragte, keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Frau. „Sie wollte sich in unsere Gesellschaft eingliedern, sich unseren Wertvorstellungen anpassen“, sagte die Anklagevertreterin. Die erheblichen Misshandlungen seien „einer bösartigen Gesinnung“ geschuldet. „So ein Fanatismus ist in unserer westlichen Gesellschaft nicht zu verstehen.“ Mit so einer Unterstellung begebe man sich moralisch auf dünnes Eis, gab der Verteidiger zu bedenken. „So lange es die Glaubensausübung in der Familie betrifft, steht es uns nicht zu, darüber zu urteilen.“

„Wenn Sie hier leben wollen, müssen Sie sich an die hiesigen  Regeln halten“

Seine Religion habe sich im Urteil nicht zum Nachteil des Angeklagten niedergeschlagen, betonte Richter Wäckerlin, in seiner Urteilsbegründung. „Aber wenn Sie in unserem Kulturkreis leben wollen, müssen Sie sich an hiesige Regeln und Wertvorstellungen anpassen – nicht umgekehrt.“

Der Richter ordnete Untersuchungshaft an und ließ den Angeklagten noch im Saal des Wolfratshauser Amtsgerichts verhaften. „Das ihre Schwester aus Angst, umgebracht zu werden, von ihrer Familie getrennt unter einer neuen Identität leben muss und Sie in Freiheit herumlaufen, das wäre absurd und unbegreiflich“, sagte Wäckerlin. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte

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