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Das Gesicht der Justiz im Landkreis: Amtsgerichts-Direktorin Andrea Titz (re.) hielt einen Vortrag in Tölz. Zum Dank bekam sie von der Präsidentin des einladenden Lions-Clubs, Karola Eysholdt, einen Benefiz-Adventskalender geschenkt.

Vortrag in Bad Tölz

Amtsgerichts-Direktorin: „Richterliche Arroganz ist fehl am Platz“

Die Direktorin des Wolfratshauser Amtsgerichts Andrea Titz plädiert für eine bürgerfreundliche Justiz.

Bad Tölz – Als Leiterin der Pressestelle am Oberlandesgericht München stand Andrea Titz mit ihren Verlautbarungen zu den Strafverfahren gegen Uli Hoeneß und Bernie Ecclestone sowie zum großen NSU-Prozess im Rampenlicht und wurde zum bekanntesten Gesicht der bayerischen Justiz. Die Aufmerksamkeit der Medien richtete sich dabei allzu oft mehr auf ihr extravagantes Erscheinungsbild als auf ihre hohe berufliche Qualifikation. Doch das ließ sie kalt: „Da ich auch mit juristischer Fachkenntnis aufwarten kann, kann ich damit gut umgehen“, sagte sie jetzt bei einem Vortrag in Bad Tölz. Der Lions-Club hatte die neue Direktorin des Amtsgerichts Wolfratshausen dazu in die Aula der Asklepios-Stadtklinik eingeladen.

In Wolfratshausen ist ihr Aufgabengebiet auf den ersten Blick weniger spektakulär – und ihre hohen Absätze stehen nicht mehr im Zentrum der Aufmerksamkeit. Andrea Titz kennt also ganz verschiedene Blickwinkel und konnte somit facettenreich zum Thema „Außenwirkung der Justiz“ referieren. Die Arbeit eines Amtsgerichtes genieße keineswegs weniger öffentliche Wahrnehmung als „große Prozesse“, betonte sie.

Der entscheidende Unterschied bestehe darin, dass man über erstere nur „aus zweiter Hand“ informiert werde, während vor Ort nahezu jeder Mensch einmal persönlich mit einem Gericht zu tun habe: als Erbe, als Betreuer, als Zeuge oder als Beteiligter einer Streitsache.

Richter sollen Blickkontakt mit Zeugen und Angeklagten halten

Vor Ort entscheidet es sich nach Ansicht von Andrea Titz auch, welche Akzeptanz und welches Vertrauen die Menschen in die rechtsprechende Gewalt haben. Trotz aller notwendigen Sicherheitsvorkehrungen müssten die Gerichte heute das Bild einer „offenen und bürgerfreundlichen Justiz“ vermitteln, sagte sie. Richterliche Arroganz sei fehl am Platz, ergänzte sie: „Richter verkörpern den Rechtsstaat. Den Verfahrensbeteiligten sollten sie mit Verständlichkeit, Aufmerksamkeit und Blickkontakt begegnen.“ Maßgeblich für die Außenwirkung sei nicht nur die „Qualität der Entscheidungen“, sondern auch das richterliche Auftreten.

In der anschließenden Diskussion sprachen Zuhörer die Dauer von Verfahren und damit auch die Frage nach der „Gerechtigkeit“ sowie einer angemessenen Personalbemessung für die Gerichte an.

„Wir haben angesichts einer Fülle von Verfahren nicht genug Planstellen“, betätigte die Richterin. Man habe hier unter den „Sünden der Vergangenheit“ zu leiden. Auf weitere Fragen betonte Andrea Titz, dass die gebotene juristisch saubere Amtssprache auch „gut verständlich“ sein sollte. Auch hinsichtlich einer besseren Würdigung von Opferinteressen vor Gericht habe es in den zurückliegenden Jahren eine sehr positive Entwicklung gegeben. 

Rainer Bannier

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