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Über 80 Schüler aus Gymnasium und Sing- und Musikschule begeisterten beim der Premiere von Anatevka im Tölzer Kurhaus.

Tölzer Gymnasium und Musikschule

„Anatevka“-Premiere: Hoher Anspruch, reife Leistung

Mit ihrer Aufführung von „Anatevka“ haben sich 80 junge Darsteller aus Tölzer Gymnasium und Sing- und Musikschule in die Herzen des Kurhaus-Publikums gespielt.

Bad Tölz – Das Stück „Anatevka“ beinhaltet Humor und Tragik. Das Hauptthema der jüdischen Tradition vereint und trennt die Figuren. Aber obwohl am Ende die Traurigkeit siegt, denn die Familien müssen ihr irgendwo im russischen Reich liegendes Dorf verlassen, begeisterten die Schüler vor allem mit den Darbietungen von musikalischen Gassenhauern wie „Wenn ich einmal reich wär“ oder „Tradition“.

Am Premierenabend bestritt Leif Eisenberg die Hauptrolle des Milchmanns Tevje, der drei seiner Töchter gegen seinen Willen verheiraten muss. Neben ihm verkörpert Alexander Findewirth die Rolle in den vier – bereits ausverkauften – Aufführungen im Kurhaus. Findewirth spielte bei der Premiere den Schneider Mottel. Alle größeren Rollen sind doppelt besetzt, wie dem gut gemachten Programmheft zu entnehmen war.

Alle Vorstellungen des Musicals sind ausverkauft.

Eisenberg beherrschte den Gesang mit Vollstimme wie im Piano. Lautes Entsetzen zeigte er über die unerlaubten Verlobungen seiner Töchter (Hannah Falkner als Zeitel, Clara Farias Rocha als Hodel und Katharina Reinhardt als Chava). Bewegend leise warb er um seine Frau Golde (Sophie Fast) im Lied „Ist es Liebe?“. Immer wieder haderte er köstlich amüsant mit Gott und sich selbst, um schließlich doch den Wünschen der geliebten Töchter nachzugeben.

Eisenbergs Kolleginnen standen ihm in nichts nach. Sie vereinten Achtsamkeit auf den Dirigenten, Gesang, Tanz und Spiel nach der monatelangen Probenarbeit in bewundernswerter Weise. Auch Findewirth besang die Freude über die Hochzeitserlaubnis („Wunder! Ein Wunder!“) mit großer Reife. Herzzerreißende Szenen spielten die Jugendlichen mit erstaunlicher Reife.

Tochter Hodel folgt ihrem inhaftierten Verlobten Perchik (David Schumann) bis nach Sibirien: Eisenberg und Rocha rührten im Duett „Abschied vom Elternhaus“ zu Tränen.

Beim Heiratswunsch seiner drittältester Tochter Chava kennt Tevje dann zunächst keine Gnade, weil sie dem jungen Christen Fedja (Michael Siegert) folgt. Chava kehrt zurück, um Abschied zu nehmen, den ihr der verzweifelte Vater aber verwehrt. Über der weinend am Boden liegenden Chava tritt der Chor auf und singt „Tradition“, aber die Heiterkeit ist dahin.

Das mit jungen Virtuosen besetzte Orchester trug maßgeblich zum Gelingen bei. Johanna und Sophie Kiening (Querflöte und Violine) bezauberten mit ihrer Darbietung der immer wiederkehrenden Hauptmelodie. Das zehn Musiker umfassende Ensemble – so vom Verlag statt einer großen Besetzung streng vorgeschrieben – besetzte Dirigent und Musikschulleiter Harald Roßberger mit Preisträgern (Kienings, Cellistin Helena Dechentreiter und Klarinettistin Sonja Hagleitner) und Profis aus der Tölzer Stadtkapelle wie Martin Schnitzer (Posaune) oder Michael Kronwitter (Schlagzeug). Sie bildeten eine ideale musikalische Grundlage für die jungen Darsteller, tragend, nicht überdeckend. Die Musiker hatten in zahlreichen Proben den Solisten, dem Chor und den Tänzern Gelegenheit gegeben, sich ans Zusammenspiel mit Live-Musik zu gewöhnen.

21 Schüler der siebten bis elften Klasse hatten unter Leitung von Stephanie Pütz die Farbpalette von Marc Chagall entdeckt. Drei unterschiedliche Leinwände waren – sehr gelungen – gestaltet und genäht worden. Die fünfköpfige Technikgruppe des Gymnasiums bediente Licht-, Ton- und Bühnentechnik.

Die Bühne hatte dem Mittel- und Oberstufenchor mit über 50 Mitgliedern (Leitung Elisabeth Scheucher) sowie der Tanz- und Akrobatikgruppe Cassiopeia mit knapp 30 Beteiligten (Leitung Susanne Molendo, Verena Gabler) Platz zu bieten. Zur Live-Musik, zu der die Darsteller nie den Kontakt verloren, tanzten und sangen die Jugendlichen mühelos.

Da die Musikschule Jugendliche aller Schulen unterrichtet, waren auch Tölzer Realschüler sowie Hohenburger Gymnasiasten und Realschüler beteiligt. Nach über drei Stunden belohnte das begeisterte Publikum die Aufführung mit lange anhaltendem, stehenden Applaus. Birgit Botzenhart

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