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„Frauen sind offener als Männer“: Hans Lincke (li.) und Herbert Piffl von den Tölzer Computersenioren .

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Computerunterricht für Senioren: „Bei uns gilt: Geduld, Geduld, Geduld“

Wenn’s um Computer und Internet geht, verstehen ältere Menschen oft nur Bahnhof und stellen die Ohren deshalb auf Durchzug. Das muss nicht sein, dachte sich 2007 der Tölzer Herbert Piffl und gründete die Computersenioren.

Bad Tölz – Die Computersenioren sind ein Team von 13 Fachleuten, das sich vorgenommen hat, denen zu helfen, die bisher keinen Zugang zum Thema hatten. Der Tölzer Kurier hat mit Hans Lincke und Herbert Piffl, den beiden Vorsitzenden der Computersenioren, über ihre Erfahrungen gesprochen.

Herr Lincke sie begannen bereits 1966, sich mit Rechnern zu beschäftigen. Hatten sie damals schon eine Ahnung, wie bedeutend dieses Thema einmal werden würde?

Als ich bei der Marine anfing, mit Großrechnern zu arbeiten, hatte ich lediglich den Gedanken, dass diese Geräte immer kleiner werden müssen. Von so etwas wie Internet war damals keine Rede.

Oft wird der Computer ja strikt abgelehnt. Welche Vorteile ergeben sich für Senioren durch bessere Internet- und EDV-Kenntnisse?

Wir haben erst einmal die Erfahrung gemacht, dass Männer eher Computer ablehnen. Sie geben ungerne zu, dass sie es nicht beherrschen. Frauen sind offener für Erklärungen. Nutzen kann der Computer in fast allen Bereichen. Ob es sich um Online-Einkauf, Tipps für die Gesundheit, Bankgeschäfte oder schnelle Informationen geht. Das geht alles bequem vom Schreibtisch aus.

Was sind für Sie die größten Erfolge bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit?

Natürlich, wenn Fortschritte gemacht werden. Wichtig sind aber auch die sozialen Komponenten der Treffen: Kaffee trinken, Beziehungen aufbauen und Vertrauen gewinnen, das sind alles Dinge, die den Senioren Halt geben. Auch das kann man auf jeden Fall als Erfolg beschreiben.

Glauben Sie, es ist jemals zu spät sich mit modernen Medien zu beschäftigen?

Nein auf keinen Fall. Wir haben auch über 80-Jährige, die zum ersten Mal mit dem PC in Kontakt kommen. Sobald man sich für das Thema begeistert, kommt die Neugier und alles läuft von allein.

Eine ganz praktische Frage: Windows oder Apple?

Wir arbeiten ausschließlich mit Windows und Android. Es ist sehr weit verbreitet und für viele der einfachste Zugang.

Was halten sie von sozialen Medien und sind sie überhaupt für Senioren geeignet?

Klassische soziale Medien werden natürlich eher von jungen Menschen genutzt. Whatsapp ist häufig aber eine der ersten Lektionen, die wir den Senioren beibringen. Plattformen wie Facebook erklären wir nach Bedarf. In diesem Bereich müssen wir auch über Risiken aufklären.

Apropos Risiken: Um was geht es da speziell?

Das ist ein sehr wichtiges Thema für uns. Oftmals müssen wir zwar erst einmal die Angst nehmen, aber die vielen Fallen, die im Internet lauern, sind auch ein wichtiger Inhalt. Zum Beispiel, wie man das Virenrisiko minimiert oder Passwort-Management.

Haben Sie auch Tipps für jüngere Menschen, wie sie ihren älteren Verwandten dabei helfen können, sich im Internet zurecht zu finden?

Bei uns gilt: Geduld, Geduld, Geduld. Für viele junge Menschen sind die Zusammenhänge und Begriffe selbstverständlich. Deshalb erklären wir alles mit einfachen Worten und erläutern auch Hintergrundwissen und zwar so oft, wie es sein muss. Des Weiteren hilft es, wenn Fachbegriffe erklärt und auf Dinge wie Genauigkeit bei Adressen eingegangen wird. 

Weitere Infos zu den Computersenioren

Die Computersenioren sind immer auf der Suche nach gleichgesinnten Fachleuten, die ehrenamtlich helfen wollen. Kontakt auch für interessierte Schüler auf www.computersenioren.com und per Telefon bei Herbert Piffl: 0 80 41/63 44 oder Hans Lincke: 01 71/ 8318 57 4. Linus Maria Felder

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