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Tölzer vor Gericht

Angeklagter: „Züchtet nur weiter Kriminelle“

Gerade erst war ein 33 Jahre alter Tölzer vom Landgericht München wegen Schwarzfahrens in 49 Fällen sowie Verstoßes gegen Bewährungsauflagen zu zweimal zehn Monaten Haft verurteilt worden. Nun erhielt er vom Amtsgericht Wolfratshausen einen Nachschlag: Wegen Erwerb und Anbau von Betäubungsmitteln muss der Mann weitere zehn Monate in Haft.

Bad Tölz/Wolfratshausen - Wutentbrannt sprang der Mann nach der Urteilsverkündung auf. „Züchtet nur weiter Kriminelle. Meint ihr, dass ich besser werde, wenn ihr mich immer einsperrt, ihr Affen“, brüllte er, knallte die Tür hinter sich zu und verließ tobend das Gericht.

Der jüngste Vorwurf war, gemessen an den sonstigen Vergehen, für die der 33-Jährige in den vergangenen 17 Jahren 18-mal verurteilt worden war, eher harmloser Natur: Am 1. Juli vorigen Jahres hatte er übers Internet 1,6 Gramm einer verbotenen Kräutermischung bestellt. Fünf Tage später fand die Polizei in der Wohnung des Tölzers sechs Marihuanapflanzen. Den ersten Punkt der Anklageschrift räumte der Beschuldigte zwar ein, allerdings habe er die Kräuter für jemand anderen bestellt. Und das Marihuana habe nicht ihm gehört. „Mein Bruder hatte die Pflanzen bei mir geparkt, als er umgezogen ist“, erläuterte der Angeklagte, der sichtlich Mühe hatte, seine Emotionen zu bändigen.

Unkontrollierte Gefühlsausbrüche gehören dazu, wenn dieser Mann auf der Anklagebank sitzt. Das weiß er, und er weiß auch, dass er sich damit beim Gericht immer Minuspunkte einhandelt. Deshalb hatte er sich dieses Mal vor der Verhandlung schriftlich an den Vorsitzenden Richter Helmut Berger gewandt. In dem Brief hatte er sich für seinen Auftritt beim letzten Zusammentreffen der beiden entschuldigt und Besserung gelobt.

Der gute Vorsatz währte nur kurz. Als der Rauschgiftsachbearbeiter der Kripo Weilheim von seinem Besuch beim Angeklagten erzählte, legte er damit dessen Nerven wieder blank. Der Mann fiel dem Zeugen ins Wort und wurde dabei so aufbrausend, dass sein Bruder (35), der im Gerichtsflur wartete, in den Sitzungssaal stürmte. Als der Bruder zehn Minuten später seine Aussage machte, hatten die beiden ihr Adrenalin wieder auf ein erträgliches Maß heruntergefahren.

Er habe die Pflanzen tatsächlich eingetopft, aber das Zeug nicht rauchen wollen. „Das war männlicher Industriehanf“, so der Zeuge. Das Gericht glaubte ihm nicht. Zum einen, so Richter Berger, hätten die Pflanzen dann beim Auffinden größer sein müssen. Zum anderen hatte der Angeklagte bei der Polizei bereits zugegeben, dass die Pflanzen ihm gehörten. Letztlich ändere es nichts, denn auch der Besitz sei strafbar.

Der Vertreter der Staatsanwalt beantragte für die neuen Vergehen ein Jahr und zwei Monate Gefängnis. „Das halte ich für sechs mickrige Pflanzen für maßlos übertrieben“, sagte Verteidiger Bernd Dufner, der eine Geldstrafe für durchaus angemessen erachtete. „Wegen seiner vielen Vorstrafen behandelt man ihn wie einen Verbrecher. Aber das hier sind alles nur minderschwere Fälle. Das muss nicht sein.“

Richter Berger verurteilte den 33-Jährigen zu zehn Monaten. „Ich gehe in Berufung, das sage ich Ihnen gleich. Dann brauchen wir hier nicht viel reden“, rief der aufgebrachte Angeklagte während der Urteilsbegründung dazwischen. Und handelte sich damit kurz vor Ende der Verhandlung noch 250 Euro Ordnungsgeld ein.

Rudi Stallein

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