Die Anita-Prothesenfertigung im Tölzer Gewerbegebiet Farchet. 25 Arbeitsplätze fallen weg.
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Die Anita-Prothesenfertigung im Tölzer Gewerbegebiet Farchet. 25 Arbeitsplätze fallen weg.

Betroffene wollen Zeichen setzen

Nach mehr als 20 Jahren: Weltbekannter Hersteller schließt Standort - Mehrzahl der Mitarbeiter ab sofort arbeitslos

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
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20 Jahre hat die Dessous- und Bademoden-Firma „Anita“ in Bad Tölz Brustprothesen hergestellt. Dass die Produktion nun verlegt wird, stößt auf Protest.

Bad Tölz – Nach über 20 Jahren in Bad Tölz stellt die Firma „Anita Dr. Helbig“ ihre Produktion in der Kurstadt ein. Der weltweit bekannte Hersteller von Dessous- und Bademoden hat sich auch im Bereich Brustprothesen einen Namen gemacht. Diese wurden im Gewerbegebiet Farchet in den verschiedensten Formen, Funktionen und Größen gefertigt. Betroffen von der Schließung sind 31 Angestellte. Der Unmut unter ihnen scheint zum Teil groß zu sein.

„Fast alle Mitarbeiter sind ab sofort arbeitslos, der Rest muss ab Montag zum Hauptsitz Brannenburg fahren“, heißt es aus dem Umfeld der ehemaligen Belegschaft in einer Nachricht an den Tölzer Kurier. Auch ist die Rede davon, dass der Standort Bad Tölz seit Jahren systematisch an die Wand gefahren worden sei. Und: „Es wurde Mitarbeitern mit 35-jähriger Zugehörigkeit gekündigt, und als Dank verlangte man von diesen treuen Mitarbeitern, die sogar bis zum Schluss geblieben sind, dass sie die Heizkörper putzen sollen!“ Mit dem Gang an die Öffentlichkeit wolle man ein Zeichen setzen. In der Pandemie sei es besonders schwer, eine neue Arbeit zu finden. „Ganz besonders für die Älteren.“

„Anita“ schließt Standort in Bad Tölz: „Stöhnen unter dem zweiten Lockdown“

Anita-Geschäftsführer Georg Weber-Unger sen. zeigt durchaus Verständnis für den Frust. „So etwas ist immer unangenehm, und wir haben gesagt, dass es uns leid tut.“ Als Geschäftsmann müsse er aber auf die Effizienz seines Unternehmens achten. Drei Hauptstandorte – die Zentrale in Brannenburg (Landkreis Rosenheim), die Prothesenfertigung in Bad Tölz und das Logistikzentrum im österreichischen Kufstein – könne man sich nicht mehr leisten. „Das Geschäft ist schwierig, und wir stöhnen sehr unter dem zweiten Lockdown.“ Trotzdem habe man ein Drittel der Tölzer Belegschaft übernommen: Die Betroffenen werden künftig in einer sogenannten Pilotproduktion in Brannenburg arbeiten. Diese wird an die dortige Entwicklungsabteilung angegliedert. „Damit sollen insbesondere auch Synergien genutzt werden, um Innovationen zu fördern und Prozesse zu vereinfachen.“

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Gebäude von „Anita“ im Farchet soll generalsaniert werden

Die Tölzer Prothesenfertigung wird Weber-Unger zufolge teilweise auch nach Matrei in Osttirol verlagert. Die restlichen Arbeitsverhältnisse habe man versucht, „großzügig und einvernehmlich“ zu beenden. „Es gab sogar Anrufe von Mitarbeitern, die sich für die angenehme Zusammenarbeit bedankt haben.“

Die Produktion in Bad Tölz wurde bereits eingestellt. In naher Zukunft soll das Gebäude im Tölzer Farchet generalsaniert werden. Laut Weber-Unger bleibt es im Besitz des Anita-Firmenverbunds. Nach der Renovierung will der Geschäftsmann das Gebäude an ein neues Gewerbe vermieten. „Mit einer fairen Miete, um den neuen Mieter langfristig an uns zu binden.“

Wie es allgemein den Unternehmen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in der Corona-Krise geht, dazu hat der Wirtschaftsförderer jetzt eine große Umfrage gestartet. Ein Wirtschaftszweig jedenfalls hat einen Aufschwung genommen: Die Bio-Branche boomt. Die Bauern im Landkreis hingegen haben mit fallenden Fleisch- und Milchpreisen zu kämpfen.

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