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Annemarie Hagn und ihre Musiker sind im Miesbacher Land zu Hause. Auch im Raum Tölz haben sie ein treues Publikum.  

Konzert

Annemarie Hagn im Stadtmuseum: Alles außer gewöhnlich

Annemarie Hagn und ihre Musikern waren nun im historischen Sitzungssaal im Tölzer Stadtmuseum zu Gast.

Bad Tölz – Nein, eine herkömmliche Salonmusik im Kaffeehaus mit Gesellschaftstänzen und Operettenseligkeit à la Strauß, Lehar und Kálmán war das nicht. Der Auftritt von Annemarie Hagn und ihren Musikern im historischen Sitzungssaal im Tölzer Stadtmuseum war etwas ganz Besonderes. Und auch die Zuhörer – offensichtlich treu ergebenes Stammpublikum – hatten sich für diesen Abend erkennbar altbairisch fesch aufgehübscht.

Sehr persönlich, ausgesprochen warmherzig und gut gelaunt, dabei hundertprozentig authentisch und mit einem noch ganz unverfälschten bayerischen Idiom, wie man es heute nur noch selten auf der Bühne zu hören bekommt: so kam die Künstlerin mit ihrem Publikum ins Gespräch und schloss es gleichsam in ihr Herz. Und wie unter Freunden erwiderten ihre Zuhörer diese Zuneigung.

Außergewöhnlich virtuos und musikalisch hoch befriedigend, dabei selbstverständlich „unplugged“ begleitet wurde Annemarie Hagn von den drei „Salonherren“ und hochkarätigen Vollblutmusikern Georg Obermüller (Klavier), Florian Burgmayr (Bass und Tuba) und Christoph Bencic (Geige). Hagn selbst wäre indes besser beraten gewesen, mit Mikro zu singen, denn die Akustik im voll besetzten Saal schluckt doch sehr viel. Zwischen den Musikstücken zitierte Hagn aus ihrem Poesiealbum von anno dazumal, erzählte in einem liebenswürdigen, beiläufig ironischen und amüsanten Plauderton von der bierseligen Fahrt der Gebirgsschützen zum Papst und vom „Reinheitsgebot“ als dem populärsten unter den Zehn Geboten, von Thomas „Tante Frieda“, von Robert Schumann und Carl Orff. Und was heute ebenfalls selten ist: mit einem Schuss fröhlicher Selbstironie bewahrte sie bei allen Späßen und Pointen stets guten Stil und Noblesse, womit sie niemanden verletzte. Die Musik ist, wie gesagt, keine Salonmusik im landläufigen Sinn, sondern eine Mischung vieler Genres. Sie spannt einen weiten Bogen vom Gassenhauer aus dem 18. Jahrhundert („wenn ich ein Vöglein wär…“) bis zur kitschigen Schlagerschnulze „Es gibt Millionen von Sterne…“ aus den 1960er-Jahren, bei denen ihr (älteres) Publikum mitsingen oder mitklatschen kann. Aber welch Wunder: in parodierter Form klingt bei Hagn alles wahrhaftiger und auch echter. Dazwischen Walzer, ungarische Tänze, Tango und jazzige Klänge im Stile von Django Reinhardt sowie eigenwillige Adaptionen von bayerischen Kultsongs wie der schrulligen „Schönheitskönigin“ und „Du schöne Münchner Stadt“.

Nach dem herzlichen Schlussapplaus gab es als Hommage ans Publikum gefühlt unzählige Zugaben und – noch so eine anrührend menschliche und typische Geste von Annemarie Hagn – die Blumen nicht für die Protagonistin auf der Bühne, sondern für einige besonders gute Freunde unter den Zuhörern. So viel Aufmerksamkeit und Emotionalität kommen gut an. Rainer Bannier

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