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„Eine typische Callcenter-Frau“ kontaktierte die Tölzerin, um für eine Pflegeversicherung zu werben. 

Telefonwerbung

Anruf ohne Erlaubnis

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Bad Tölz - Mit aufdringlichem Telefonmarketing verärgert eine Versicherungsagentur eine Tölzerin. Auf ihr Drängen nach Datenauskunft beruft sich die Firma auf ein Missverständnis. 

Auf Mengenrabatt verzichtet Petra Gerber (Name geändert) lieber – im Modegeschäft, an der Tankstelle, im Möbelhaus. „Ich nehme nie Kundenkarten – aus Datenschutzgründen.“ Trotzdem erhielt die Tölzerin zuletzt einen unerwünschten Anruf, den sie wohl nie bekommen hätte dürfen.

Am Telefon meldete sich nach Gerbers Schilderung „eine typische Callcenter-Frau, zwar freundlich, aber auch aggressiv. Die ist mit der Tür ins Haus gefallen.“ Die Anruferin warb laut Gerber für eine Pflegeversicherung und wollte gleich am nächsten Tag einen Berater vorbeischicken. Was die 33-Jährige noch irritierte: Die Dame in der Leitung begrüßte Gerber sofort mit Namen, obwohl die sich nur mit „Hallo“ gemeldet hatte. Wie sich herausstellte, kontaktierte die Frau die Tölzerin im Auftrag des Unternehmens Klambt & Endres, die Generalagentur der Nürnberger Versicherungsgruppe. „Eine dreiste Masche“, findet Gerber. „Meine Oma hätte vielleicht zugestimmt.“

„Nicht günstig“: Firma kauft Adressen bei Verlagen

Ältere Bürger gehören zur Zielgruppe des Telefonmarketings. Ausschließlich Senioren ab 65 möchte Klambt & Endres mit den Anrufen für sich gewinnen. Das bestätigt Hans-Achim Rosar, Vertriebsdirektor der Münchner Agentur, auf Nachfrage. „Die Sache ist günstig“, sagt er. Die Versicherungen würden Leistungen wie den fahrenden Mittagstisch oder einen mobilen Pflegedienst beinhalten. „Schon ab 13 Euro im Monat“, wirbt Rosar. In den Telefongesprächen ginge es um Informationen. Der Angerufene müsse sich ja nicht für ein Angebot entscheiden.

Klambt & Endres kaufe Namen und Nummern bei großen Verlagen. „Das ist nicht günstig“ – lohnt sich scheinbar aber. Eine ganz legale Sache, behauptet der Vertriebsleiter. Bei allen Adressen liege seinem Unternehmen eine Zustimmung zu Werbeanrufen vor.

Petra Gerber rätselt: Vielleicht hat sie ja doch irgendwann mal das Kleingedruckte übersehen, eine Kundenkarte unterschrieben oder ihre Daten im Netz unbeabsichtigt freigegeben. Eines weiß sie aber sicher: Eine ausdrückliche Erlaubnis, ihre Adresse weiterzugeben hat sie niemandem erteilt.

Die ist rechtlich aber notwendig, sagt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern: „Die Einwilligung muss zweckbestimmt sein.“ Eine generelle Zustimmung zur Telefonwerbung ist nach Halms Auffassung viel zu weitreichend. Daten dürften nicht an jeden Dritten einfach verkauft werden. Seit Juli 2008 muss die Werbeerlaubnis bei Kundenkarten aktiv erteilt werden. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen gewann damals vor dem Bundesgerichtshof gegen das Unternehmen Payback, den führenden Anbieter von Rabattsystemen. In einer Vertragsklausel der Payback-Kunden stand, dass sie SMS- und E-Mail-Werbung automatisch zustimmen. Unzulässig, befand das Gericht und bestätigte das „Opt-in“-Prinzip. Danach gilt: Verbraucher müssen der Datenweitergabe nicht aktiv widersprechen, sondern ihr aktiv zustimmen – also im Vertrag ein Häkchen setzen, statt darauf zu achten, keines zu vergessen.

Wie es zum Anruf kam, ob Gerber eine versteckte Klausel übersehen hat, ist schwer zurückzuverfolgen. Verbraucherschützerin Halm verweist auf den Auskunftsanspruch, der ihr nach dem Bundesdatenschutzgesetz zusteht. Die Tölzerin nahm ihn wahr und fragte Klambt & Endres schriftlich, welche Daten die Firma von ihr gespeichert hat und woher diese stammen. Sechs Wochen vergingen. Gerber bohrte per Mail nach. 

Verwählt? Die Tölzerin wurde persönlich begrüßt

Dann doch eine Antwort: Dem Unternehmen lägen keinerlei Daten zur Person vor. Das Bundesdatenschutzgesetz würde bei Klambt & Endres ganz groß geschrieben. Ein bedauerliches Missverständnis, die zuständige Kollegin habe sich wohl verwählt. Mit der persönlichen Begrüßung, die Gerber am Telefon erfahren hatte, passt das nicht zusammen.

Gerber kann das alles nicht glauben. Hatte da doch jemand einfach das Telefonbuch aufgeschlagen und willkürlich eine Nummer gewählt? Wenn ja, könnte dafür laut Bundesnetzagentur ein Bußgeld von bis zu 300 000 Euro verhängt werden. Sogenannte kalte Werbeanrufe sind Callcentern seit 2009 verboten.

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