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Voller Einsatz: Die Bergwacht versorgt am Schrödelstein eine Wanderin mit Kreislaufproblemen.

Bilanz

„Ansturm mit Ansage“: Bergbahnen und Hütten verzeichnen besten Tag des Jahres

Das schöne Wetter bescherte Isarwinkel und Loisachtal am Wochenende einen Ausflügler-Ansturm, wie es ihn selten gibt - mit allen Vor- und Nachteilen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Knapp 2000 Besucher verzeichnete die Brauneckbahn allein am Sonntag. „Vor allem Kinder und Familien waren zu Gast“, sagt Betriebsleiter Hans Gerg. Für Geschäftsführer Peter Lorenz war es „einer der besten Tage in diesem Sommer“. Die Straßen und Parkplätze seien voll gewesen.

Auch im Loisachtal war der Andrang groß. Knapp 3700 Berg- und Talfahrten registrierte die Herzogstandbahn. „Nicht unbedingt rekordverdächtig, aber eine gute Zahl“, so der stellvertretende Betriebsleiter Bernd Heilingbrunner. „Es ist immer entscheidend, wie das Wetter morgens im Radio angekündigt wird.“ Bei guten Prognosen kämen sie alle in die Berge. Aber darauf sei man dann auch vorbereitet.

Alle Parkplätze belegt

Für Hannes Zintel war der Sonntag am Blomberg das „i-Tüpfelchen“ des besucherreichen Wochenendes. „Wir sind hoch erfreut über dieses Wahnsinnswochenende. Der Sonntag war der bislang stärkste Tag des Jahres“, sagt der Chef der Blombergbahn. Er spricht von „tausenden“ Gästen, die mit der Bahn, zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs waren. „Der Parkplatz war gesteckt voll, alle 800 Stellplätze waren belegt.“

An der Rodelbahn gab es erhebliche Wartezeiten, ebenso für die Gäste in den Restaurants und Hütten am Blomberg. „Wir haben die Rodelbahn extra eine Stunde länger betrieben, um alle nach unten zu bringen“, sagt der Geschäftsführer. Er hatte am Sonntag zusätzliche Mitarbeiter zum Berg beordert. Von den 44 Personen im Personalsystem versucht Zintel an solchen Tagen, möglichst viele einzuteilen. „Solche Tage sind wichtig, denn es gibt auch wieder Saure-Gurken-Wochen“, sagt Zintel.

Während es am Blomberg keine Unfälle gab, hatte die Bergwacht am Brauneck „volles Programm“, sagt Sprecherin Sylvia Frei. Los ging es am Freitag: Ein 50-Jähriger hatte sich am Brauneck ein Knie verdreht und konnte nicht mehr selbstständig absteigen. Und eine 79-jährige Wanderin musste nach Kreislaufproblemen mit dem Bergrettungsfahrzeug vom Schrödelstein ins Tal gebracht werden.

Voller Parkplatz: So wie hier am Ortsrand von Walchensee war vielerorts kaum mehr eine Lücke frei.

Am Samstag stürzte ein 55-jähriger Gleitschirmpilot ab und zog sich eine Schulterverletzung zu. Sieben Bergretter waren im Einsatz (wir berichteten). Gleich darauf musste die Bergwacht erneut ausrücken. Oberhalb der Quengeralm stürzte eine 79-jährige Frau 30 Meter weit ab. Sie erlitt Prellungen, Schürfwunden und stark blutende Platzwunden am Kopf.

Einen aufwendigen Einsatz hatte die Bergwacht Lenggries am Sonntag zu bewältigen. Ein Wanderer (72) aus Mönchengladbach war beim Abstieg von der Lenggrieser Hütte gestolpert und stürzte 30 Meter in die Tiefe. Erst eine mit Steinen und umgefallenen Bäumen gefüllte Rinne konnte ihn auffangen. Nach Eintreffen der Rettungskräfte war der Verletzte desorientiert, aber ansprechbar. Er hatte mittelschwere Kopfverletzungen und Schmerzen im Brustbereich sowie zahlreiche Prellungen und Schürfwunden. Der gestürzte Wanderer musste mit einer Gebirgstrage 100 Meter durch den steilen Bergwald abgeseilt werden, um dort auf einer Almwiese vom Hubschrauber per Seilwinde aufgenommen zu werden. Ganze drei Stunden waren die Retter damit beschäftigt.

„Todeskombination am Walchensee“

Für Staus und volle Parkplätze sorgte der verkehrsreiche Sonntag auch am Walchensee. „Wenn Wanderer und Wassersportler zusammenkommen, ist das eine Todeskombination“, sagt Alois Grünwald. Der Vorsitzende der Wasserwacht sei eineinhalb Stunden im Stau Richtung Kochel gestanden.

Die Polizei Bad Tölz hatte indes keine außerordentlichen Einsätze. Einzig der dichte Verkehr stellte die Geduld der Ausflügler auf die Probe – vor allem bei der abendlichen Heimreise. Auf der B 13 stand der Verkehr von Lenggries bis Bad Tölz. Umgekehrt bildete sich vormittags ein Stau von Holzkirchen kommend vor der Tölzer Flinthöhe. Der Chef der Tölzer Polizeiinspektion Florian Benedikt spricht von „hoher Verkehrslast“. Auch er selbst sei im Stau gestanden.

Einen „Ansturm mit Ansage“ erlebte nach eigenen Worten Michaela Durach, die mit ihrem Mann Florian die Lenggrieser Hütte westlich des Seekarkreuzes betreibt. „Am Sonntag war der Haupt-Run“, so Michaela Durach. 150 bis 200 Gäste seien es da gewesen. „Die Münchner und Städterer waren zeitig dran.“ Um 10.30 Uhr sei die Hütte bereits gut besucht gewesen. Erst um 16 Uhr kehrte wieder Ruhe ein. „Wir sind froh um solche Tage“, sagt Durach. „Der Sonntag war der bisher stärkste Tag in diesem Jahr.“ Der Oktober bringe aber meist noch mehr Gäste.

Weniger Gäste als erwartet besuchten dagegen die Tölzer Hütte am Schafreuter. Hüttenwirt Michael Bubeck spricht von einem „normalen, schönen Sonntag“. Er habe sich aber gewundert, dass nicht noch mehr Gäste kamen. „Vielleicht sind viele doch noch mal zum Baden gegangen“, meint er. Ungefähr 150 Tagesgäste waren am Sonntag auf der Hütte. (Anton Böhm)

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