Lagebesprechung im Sitzungssaal des Landratsamts – geleitet von Florian Streidl.

Tölzer Landratsamt

Die Arbeit des Katastrophenschutzes: Vorausdenken – das ist das Wichtigste

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
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Die Corona-Krise stellt alle vor Herausforderungen. Ganz besonders groß sind diese für die Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landratsamt.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es war eine Art Jubiläum: Am Donnerstag vergangene Woche schickte Florian Streidl die 100. Lagemeldung an die Regierung von Oberbayern. 100-mal haben er und die Führungsgruppe Katastrophenschutz – kurz FüGK – in diesen Meldungen erklärt, wie sich die Corona-Situation im Landkreis entwickelt, welche Maßnahmen getroffen worden sind und wie diese greifen. „Es war ein denkwürdiger Moment“, sagt Streidl am Nachmittag in der Lagebesprechung. „Einen so langen Katastrophenfall hat es noch nie gegeben.“

Fast elf Wochen ist es her, dass Ministerpräsident Markus Söder am 16. März den K-Fall wegen der Corona-Pandemie ausgerufen hat. Das Landratsamt als Katastrophenschutzbehörde setzte die FüGK offiziell ein. Da waren die Vorbereitungen aber schon seit Tagen getroffen. Neben Streidl – er hat die taktische sowie organisatorische Leitung – gehören Alexander Bauer und Carolin Singer der Spitze des Krisenstabs an. Alle drei arbeiten im Landratsamt in der Abteilung 3/Sachgebiet Öffentliche Sicherheit und Ordnung. Alle drei sind rund um die Uhr erreichbar.

„Besser, man hat auch einen Plan B oder C“

Bei ihnen und den anderen Mitgliedern der FüGK laufen alle Fäden zusammen. Sie behalten den Überblick in einer Situation, in der es manchmal an allen Ecken und Enden brennt. „Wir versuchen, den Wahnsinn Corona zu bewältigen“, fasst es Streidl zusammen.

Es gibt feste Mitglieder der FüGK und solche, die nach jeweiliger Lage hinzugezogen werden. Abhängig davon, welches Wissen man braucht. Derzeit sind natürlich eher Mediziner gefragt. Es sei aber „immer Teamarbeit“, betont Bauer. Das ist auch Streidl wichtig. „Natürlich heißt es: Alles hört auf unser Kommando. Aber es klappt nur so gut, weil alle zusammenhelfen.

Das gilt auch für die verschiedenen anderen Organisationen wie BRK, Bundeswehr, THW, Bergwacht, Polizei oder Feuerwehr, die auf Abruf bereitstehen oder mit dem Lösen einzelner Probleme betraut waren. Bei den Brandschützern sei es beispielsweise um die Frage gegangen, wie die Einsatzbereitschaft erhalten werden kann. „Ein positiver Coronafall könnte eine ganze Feuerwehr lahmlegen“, sagt Bauer. Viele Dinge wurden umgesetzt, die genau das verhindern soll – das reicht „vom Tragen von Masken beim Einsatz bis hin zu größeren Sitzabständen in den Fahrzeugen“, sagt Bauer.

Generell ist es das Ziel, nicht zu warten, bis es akut Probleme zu lösen gibt. Vielmehr versuchen die FüGK und ihr Unterstützungsnetzwerk vorherzusehen, welche Schwierigkeiten auf sie zukommen könnten und schon eine Lösung dafür in petto zu haben. „Besser noch, man hat sogar schon einen Plan B und einen Plan C“, sagt Streidl. „Vor die Lage kommen“, nennt er das, „das ist die große Kunst. Man muss vorausdenken.“

Auch in der Jugendhilfe ist Corona Thema

Bislang hat das im Landkreis gut funktioniert. Das Drive-in-Testcenter auf der Flinthöhe stand zu einem sehr frühen Zeitpunkt, sodass rasch die Testkapazitäten im Landkreis erhöht werden konnten. Da es im Moment nur mehr eine Handvoll akut Infizierte gibt, wurde der Drive-in in der vergangenen Woche verkleinert. „Wir können ihn aber jederzeit wieder ausbauen“, betont Streidl. Früh dran war man auch mit dem Hausbesuchsdienst für nicht mobile Corona-Patienten. Der war eingerichtet, bevor es die Anweisung der Regierung dazu gab.

Der Katastrophenschutz schaut sich aber auch Bereiche an, die auf den ersten Blick nichts mit Corona zu tun zu haben scheinen, entwickelte selbst dafür mögliche Szenarien. Ein Beispiel gibt es aus der Jugendhilfe. Kommt es in Familien zu Gewalt, werde für gewöhnlich der Gewalttäter aus der Wohnung entfernt, erklärt Singer. Was aber ist, wenn der Schläger sich gerade in häuslicher Isolation befindet, weil er mit dem Corona-Virus infiziert ist? „Dann können wir ihm schlecht sagen, dass er bei einem Freund übernachten muss“, verdeutlicht Singer. Also wurde eine Einrichtung gesucht – und gefunden –, wo diese speziellen Patienten untergebracht werden können.

In Hochzeiten gab es pro Tag zwei Besprechungen

Ungewöhnlich an diesem K-Fall ist nicht nur die Dauer, sondern auch die Tatsache, dass es anders als bei einem Hochwasser oder einem Waldbrand keinen klassischen Einsatzort gibt. Stattdessen kümmert sich die FüGK um verschiedene Einsatzabschnitte. Dazu gehören der Drive-in, der Hausbesuchsdienst, das Bürgertelefon, aber beispielsweise auch das Lagern und Verteilen von Masken, Handschuhen und Desinfektionsmittel. Die Logistik-Aufgabe hat Andreas Baumann gerade von Andreas Wüstefeld übernommen. Letzterer ist eigentlich Chef von Tölzer Land Tourismus, Ersterer Chef des Jobcenters. Baumanns Arbeit dort läuft weiter, daneben hat er aber auch im Blick, wie die Lagerbestände an Schutzausrüstung sind. Gerade hat er hunderte Liter Desinfektionsmittel an Glaubensgemeinschaften und Schulen herausgegeben. Auch das Abladen der Lkw, die die Ausrüstung bringen, fällt in diesen Einsatzabschnitt. „Das ist wirklich Arbeit. Deshalb möchte ich heute meinem Team danken“, sagt Baumann in der Lagebesprechung. In den Hochzeiten der Krise mit Dutzenden von neuen Coronafällen jeden Tag trafen sich die FüGK und die Fachberater von Polizei, Rettungsleitstelle und anderen Organisationen zweimal am Tag im Landratsamt. Jetzt kommen alle immer noch einmal in der Woche zusammen. Die Berichte sind kurz und knackig, die Lage ist entspannt.

Dass das nicht so bleiben muss, niemand weiß das besser als die Katastrophenschützer. Deshalb machen sie sich schon jetzt Gedanken, welche Herausforderungen eine zweite Welle bringen könnte – um immer vor der Lage zu bleiben.

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