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Architekt aus Dietramszell plant Hotel Bergeblick in Bad Tölz: „Wie ein Sechser im Lotto“

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Von: Andreas Steppan

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Unternehmenssitz inmitten von Wiesen und Bäumen: Das Architekturbüro von Sebastian Beham (37) liegt relativ versteckt in Einöd und verteilt sich auf mehrere Stadl-artige Gebäude.
Unternehmenssitz inmitten von Wiesen und Bäumen: Das Architekturbüro von Sebastian Beham (37) liegt relativ versteckt in Einöd und verteilt sich auf mehrere Stadl-artige Gebäude. © Arndt Pröhl

Architekt Sebastian Beham aus Bairawies setzt in Bad Tölz eines seiner größten Projekte um: Mit dem Hotel Bergeblick in Bad Tölz will er Grenzen verschieben.

Bad Tölz/Dietramszell – Dass in Bad Tölz ein neues Hotel gebaut wird, wie aktuell auf der Wackersberger Höhe, kommt nicht alle Tage vor. Ebenso bemerkenswert: Beim Projekt „Bergeblick“ ist nicht nur der Investor, Johannes Tien aus Wackersberg, im Landkreis ansässig, sondern auch das beauftragte Planungsbüro, Beham Architekten aus Dietramszell. Was der Hotelauftrag für das Büro bedeutet? Inhaber Sebastian Beham antwortet kurz und knapp: „Alles.“

Hotel Bergeblick in Bad Tölz: Bis Ende des Jahres soll Rohbau stehen

Im Frühjahr rollten wie berichtet auf der Wackersberger Höhe die Bagger an. Auf der Baustelle laufe alles nach Plan: „Wir sind im Kostenrahmen und im Zeitrahmen“, sagt Sebastian Beham. Voraussichtlich im Herbst werde man sehen können, wie der Holzbau binnen weniger Wochen in die Höhe wächst. Bis Ende des Jahres soll der Rohbau stehen, die Hotel-Eröffnung ist nach wie vor für Frühjahr 2023 geplant.

Auch Nachbar-Klagen – wie das Tölzer Landratsamt auf Anfrage bestätigt, gibt es aktuell noch keinen Verhandlungstermin – können Behams Enthusiasmus nicht bremsen. Er ist begeistert, „dass wir als junges Büro die Chance zu diesem Auftrag bekommen haben“.

Herzensprojekt: Das Tölzer Hotel Bergeblick bedeutet dem Architekten nach eigenen Worten „alles“.
Herzensprojekt: Das Tölzer Hotel Bergeblick bedeutet dem Architekten nach eigenen Worten „alles“. © Arndt Pröhl

Eigentlich besteht das Büro aber schon seit 44 Jahren. Sebastian Beham führt es in zweiter Generation. Vater Robert Beham hat beim „HBB“, wie der Planer das Projekt auf der Wackersberger Höhe abkürzt, auch die Bauleitung inne. Die Hauptverantwortung als Architekt aber liegt beim 37-jährigen jetzigen Inhaber, der von 13 Mitarbeitern unterstützt wird. Beham freut sich, dass Investor Tien nicht von vorneherein gefragt habe: „Wo sind die zehn Hotels, die Sie schon gebaut haben?“

Beham Architekten: Unternehmenssitz in Einöd zwischen Wiesen und Bäumen

Erst einmal zueinanderfinden musste man trotzdem. „Er ist hier hereingeschneit und hat uns als erstes unverhohlen gesagt, dass er unsere Homepage nicht gut findet“, erinnert sich Beham. Mittlerweile aber habe man „ein unglaublich gutes Verhältnis“.

Tien gab die Vorstellung eines Ortes der Entschleunigung vor, der Neudefinition der Kur als eine Art Burn-out-Prophylaxe für gestresste Büroarbeiter. „Idealistisch gesteuert“ sei der Bauherr bei diesem Hotelprojekt, meint Beham. Wo große Konzerne als Investoren aufträten, stünden meist Kosten und Zahlen im Vordergrund.

Das passe vielleicht zu einem Büro, das in einem Münchner Hochhaus ansässig ist. Bei „Beham Architekten“ ist das Gegenteil der Fall. Der Unternehmenssitz ist Einöd. Das Büro liegt einsam zwischen Bäumen und Wiesen, über das Gelände plätschert der Zeller Bach. Arbeitsplätze und Ateliers verteilen sich auf mehrere kleine Holzgebäude, die an Stadl erinnern. Wer nicht weiß, wo das Büro liegt, fährt auf der Staatsstraße 2072 leicht daran vorbei.

Architekt Beham will nicht revolutionieren, sondern weiterentwickeln

Praktisch nebenan, in Bairawies, ist Beham aufgewachsen, und hier lebt er nach dem Studium in der Schweiz und einigen Jahren in München wieder. Heimatverbundenheit prägt seine Architektur – wobei er die Tradition öffnet und neu definiert. „Unsere Generation hat viel von der Welt gesehen“, sagt er. Doch so innovativ seine Entwürfe auch wirken: Er wolle „nicht revolutionieren und polarisieren, sondern weiterentwickeln“, sagt er.

Im Fall des „Bergeblick“ hätten die Planer einige Konventionen des Hotelbaus außer acht lassen dürfen. So habe man sich nicht an den Standards einer Sterne-Klassifizierung orientiert. Es habe gegolten: Anspruch an die Materialien: ja – Ausrichtung an konventionelle Luxus-Erwartungen: nein. Der Auftraggeber „hat uns richtig frei laufen lassen“, sagt Beham.

Die ersten Entwürfe seien entsprechend „wild“ gewesen. Es habe Ideen gegeben, das Hotel weit verwinkelter zu planen mit – wie es bei Behams Häusern nicht selten der Fall ist – Bäumen, die praktisch mitten durch den Baukörper wachsen. Einiges sei dann doch der Wirtschaftlichkeit zum Opfer gefallen.

Holzgerüst umschließt das Hotel Bergeblick

Der Baukörper des Hotels wird nun rechteckig. Er soll aber nach Absicht des Architekten keinesfalls wie ein Klotz aussehen. Ein Holzgerüst, das das gesamte Haus umgibt, werde vielmehr „die Silhouette des Gebäudes verschwinden lassen“, erklärt der Architekt. Stattdessen rücke das Gerüst das Thema Holz in den Fokus. Es entstünden Licht- und Schattenspiele. „Und irgendwann wächst der Wald hindurch.“ Das Gerüst sei sozusagen eine „Pufferzone“ oder „Verwebungsstelle“ zwischen Natur und Gebäude.

Die Grenzen zwischen Natur und Architektur aufzuheben, ist überhaupt ein wichtiges Thema in Behams Arbeit. Der Wald etwa habe eine große Auswirkung auf das Wohlbefinden und den Stoffwechsel des Menschen. Gleichzeitig erfülle die Integration der Natur in seine Bauten eine funktionelle Aufgabe, reguliere etwa das Klima. „Der Profiteur ist der Mensch“, sagt Beham.

Sauna im neuen Hotel in Bad Tölz ohne übliche Komfortzone

Auch in den Sauna- und Spa-Bereichen des Hotels würden die Nutzer auf teils ungewohnte Art spüren, dass sie sich mitten in der Natur befinden – wenn es etwa in einer Grotte durch ein Loch in der Decke hereinregnet oder ein Teil eines Raums direkt von Erdreich eingegrenzt sei. „Man wird dort nicht die übliche Komfortzone vorfinden, wie man sie sonst in einem Spa hat, wo alles reguliert ist.“

„Jenseits der Normen“, so Beham, bewege sich das große Holzgerüst um den Hauptbau auch in anderer Hinsicht. Man werde damit „die Grenzen der Holzbauarchitektur verschieben“. Mit Fichtenholz nutze man Material der offiziell „niedrigsten Holzklasse“. Zu zeigen, dass man mit „vermeintlich minderwertigem Holz“ viel mehr machen kann, als es zu verfeuern, sei „ein Stück Nachhaltigkeit“, sagt Beham.

Architekt traut dem Hotel Bergeblick große Strahlkraft zu

Um es auf Dauer haltbar zu machen, setzt Beham auf eine neuartige Methode, nämlich, es an den Stirnseiten mit dem Kunstharz Polyurethan zu überziehen. So vorzugehen, entspreche keiner DIN-Norm, es sei in gewisser Weise ein Experiment. Auch wenn sich Beham völlig sicher ist, dass es auf lange Zeit funktioniert: Ein Investor brauche Mut und Vertrauen, sich darauf einzulassen. „Dass wir hier so frech sein dürfen, ist wie ein Sechser im Lotto“, sagt Beham.

Ein Glücksfall könne das Hotel auch für Bad Tölz sein, meint Beham. Zumindest traut der Architekt dem „Bergeblick“ enorme Strahlkraft für die Stadt zu. Insofern finde er es auch gut, dass Tien auf der Wackersberger Höhe auf eine Vollgastronomie verzichte und seinen Gästen lieber einen Shuttle-Service zu den umliegenden Restaurants anbieten wolle. „Er sieht das Potenzial, das Bad Tölz hat.“ Und offenbar auch das Potenzial eines einheimischen Architekten.

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