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Hotel für Insekten: Mit so einem Häuschen können Gartler Lebensraum für Insekten schaffen.

Artenschutz

Als an Autoscheiben noch Insekten klebten

Bad Tölz-Wolfratshausen – Eine Naturschützer-Allianz möchte im Landkreis die Lebensgrundlage für Vögel und Insekten sichern. Dazu werden Flächen gesucht, wo heimische Wildpflanzen gedeihen können.

So eine Kooperation gab es in dieser Form noch nicht: Die Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelsschutz (LBV), der Kreisverband für Gartenbau- und Landespflege und die Kreisimkervereine haben sich zu einer Allianz zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Mehr „bunte Meter“, also mehr ökologisch wertvolle Flächen schaffen, um damit die Nahrungsgrundlage für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Vögel und andere Kleintiere zu sichern.

Beim Pressegespräch nahm der LBV-Kreisvorsitzende Walter Wintersberger den Stieglitz, den „Vogel des Jahres“, zum Anlass: „Der Stieglitz ist ein reiner Samenfresser. Er ist von der Existenz der bestäubenden Insekten abhängig.“ Der schleichende Rückgang der Insekten, die zusammen mit Spinnen und Krebsen 60 Prozent der Tierarten ausmachten, werde in seiner Dramatik nicht wahrgenommen.

80 Prozent weniger Insekten

Um das zu untermauern brachte Wintersberger ein plakatives Beispiel: „Vor 20 Jahren klebten an der Autoscheibe an einem lauen Sommertag jede Menge Insekten. Und heute?“ Krefelder Wissenschaftler hätten zwischen 1995 und 2015 stichprobenartig einen Rückgang von rund 80 Prozent gemessen.

Haben sich zusammengetan (v. li.): Georg Kellner (Imkervereine), Lorenz Meier (Gartenbau) und Walter Wintersberger (LBV).

Der Vorsitzende der Imkervereine, Georg Kellner, verwies auf den Kampf seiner Kollegen, die Biene am Leben zu halten. Zur Gefährdung der Art habe die Einführung der Varroamilbe in den 1970ern maßgeblich beigetragen. Kellner: „Aber es geht um alle Insekten. Es muss ein Umdenkprozess in der Bevölkerung und in den Kommunen stattfinden.“

Um diesen anzustoßen, laden die Naturschützer Ende Juni Vertreter der Landkreis-Gemeinden, kommunaler Unternehmen, der Straßenbau- und Wasserwirtschaftsämter zu einer Infoveranstaltung ein. Zu Wort kommen sollen dann Umweltexperten aus Haar (Landkreis München). Die Gemeinde gelte mit vier Hektar Blühflächen als Musterbeispiel für eine nachhaltige Bewirtschaftung. „Dort wird bei Straßenbauarbeiten immer auch geschaut, wo man statt eines Rasens zum Beispiel eine Blumenwiese anlegen kann“, sagte Wintersberger, der hofft, dass hiesige Kommunen diesem Beispiel folgen.

Straßenränder, Böschungen, Verkehrsinseln, öffentliche Parks oder Friedhöfe böten genug Potenzial, um Wildpflanzen „einfach mal wachsen zu lassen. Gerade Flächen am Hang werden nicht oft betreten, die muss man nicht neun Mal im Jahr mähen“, so Wintersberger.

Wildblumen locken Schmetterlinge

Aufklärung sei in diesem Zuge entscheidend, zum Beispiel über Infotafeln an den entsprechenden Stellen. Als Paradebeispiel nannte Wintersberger den Tölzer Golfplatz. Zwischen den Spielfeldern gedeihen dort heimische Wildpflanzen.

Den Naturkreislauf ankurbeln kann man aber auch im eigenen Garten, wie Lorenz Meier, Geschäftsführer des Gartenbau-Verbands im Landkreis, erklärte: „Wer mal wieder einen seltenen Schmetterling sehen will, kann statt hochgezüchteten, optisch eindrucksvollen Stauden einfach blühende Pflanzen ansäen.“ Spezielle Samenmischungen gebe es in jedem Baumarkt.

Tobias Gmach

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