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Weiß und weiß: Künftig tragen Ärzte (links) und Plegekräfte sogenannte Kasacks.

Asklepios-Stadtklinik

Das Ende des weißen Kittels

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Bad Tölz – Wer einen weißen Kittel trägt, wird sofort als Arzt erkannt. In der Asklepios-Stadtklinik in Tölz ändert sich das nun. Der Konzern verabschiedet sich von dem Kleidungsstück. Geschäftsführer Dr. Joachim Ramming erklärt die Gründe – und warum der Abschied eigentlich nicht schwer fällt.

Herr Ramming, Asklepios mustert die Arztkittel ab April aus. Wann ist es in Bad Tölz soweit?

Laut Konzern sind wir ab Juli dran. In der zweiten Jahreshälfte werden wir also definitiv umstellen.

Warum werden die Arztkittel abgeschafft?

Krankenhäuser überlegen laufend, wie sich die Übertragung der sogenannten Krankenhauskeime minimieren lässt. Anlass für die jetzige Änderung ist eine Studie des Robert-Koch-Instituts, laut der auf langärmeligen Kitteln häufiger Krankheitserreger festgestellt wurden.

Also sind die langen Ärmel das Problem?

Ja, die langen Ärmel. Aber auch die langen Rockschöße, die das Bett des Patienten streifen.

Betrifft das jeden Arzt?

Grundsätzlich hat jeder Arzt einen weißen Kittel, aber nicht jeder trägt ihn permanent. Auf der Intensivstation, im OP und in der Funktionsdiagnostik tragen unsere Ärzte Funktionskleidung, wie alle anderen Mitarbeiter auch. Kittel tragen die Ärzte bei der Visite, in der Sprechstunde und auf der Station.

Warum sind die Kittel eigentlich weiß?

Das ist eine historische Fragestellung. Mitte des 19. Jahrhunderts haben Ärzte Patienten in Straßenkleidung behandelt. Dann entstand die Idee, dass Krankheitserreger über die Hände und Instrumente übertragen werden, und man hat die Ärzte in weiße Kleidung gesteckt. Weiße Wäsche ist hitzebeständig, und man sieht jeden Fleck. In Küchen, bei Bäckern und Metzgern sieht man auch weiße Berufskleidung – überall, wo es um Sauberkeit geht. Im Krankenhaus haben sich die Erkenntnisse in der Hygiene weiterentwickelt. Die neue Kleidung ist demnach keine Revolution, sondern eine Evolution. Wir wollen beispielgebend sein und die neuesten Erkenntnisse umsetzen.

Fällt der Abschied schwer?

Meiner persönlichen Wahrnehmung nach fällt der Abschied Ärzten schwerer, die schon lange dabei sind. Da gab es natürlich erstmal Kommentare, wie „jetzt nehmen sie uns auch noch unsere Kittel“. Doch letztendlich hat das Hygieneargument alle überzeugt.

Wie ist es für Sie?

Ich halte es für richtig, das zu tun, was hilft, den Patienten die höchste Sicherheit zu bieten. Ich bin davon überzeugt, dass eine moderne, zeitgemäße Berufsbekleidung nicht nur die Verbundenheit unserer Mitarbeiter mit dem Unternehmen, sondern auch das Vertrauen der Patienten in unsere Klinik stärkt.

Ärzte werden immer mal wieder kritisiert, zu wenig auf Hygiene zu achten, etwa dass sie keine Handschuhe tragen. Stimmt das?

Das kann ich nicht bestätigen, wobei ich bei den Terminen meist nicht dabei bin. Aber wir bewerten das Thema Hygiene sehr hoch.

Werden Patienten künftig noch erkennen können, wer Arzt ist?

Die Ärzte bekommen einen speziellen Kasack – eine Kurzarmbekleidung in Weiß mit Stehkragen und Knopfleiste. Einhergehend mit der Abschaffung des Arztkittels werden auch alle anderen Berufsgruppen im Unternehmen eine neue Kleidungskollektion erhalten. Zusätzlich wird neue Wäsche für die Patienten – vom Patientenhemd, über die Bettwäsche bis hin zum Handtuch – angeschafft. Auch weiterhin werden dabei alle Ärzte für unsere Patienten auch deutlich als solche zu erkennen sein.

Wie wird die Kleidung gereinigt?

Wir haben einen sogenannten Bekleidungsautomaten, aus dem die Mitarbeiter täglich neue Kleidung holen und in den sie die benutzte einwerfen. Im OP, auf der Intensivstation und in der Funktionsdiagnostik wird die Kleidung jedes Mal beim Einschleusen gewechselt, als wenn der Bereich neu betreten wird.

Also muss sich der Patient eigentlich keine Sorgen machen?

Natürlich nicht. Wir werden unseren Patienten, Besuchern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch weiterhin einen hohen Hygienestandard bieten.

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