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Ankunft im Landkreis: Seit Dezember 2011 wurden dem Landkreis regulär 2891 Asylbewerber zugeteilt, zusätzlich rund 800 hatte er im Rahmen des Notfallplans in Erstaufnahmeeinrichtungen unterzubringen.

Entwicklungen bei Flüchtlings-Unterbringung

Größere Unterkünfte, mehr Asylbewerber

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Vor genau fünf Jahren kamen zehn Asylbewerber in Bad Tölz-Wolfratshausen an – damals die einzigen. Aktuell leben 1852 geflüchtete Menschen hier. 2017 stehen bei der Unterbringung einschneidende Veränderungen an.

Ein kurdischer Syrer aus Aleppo, damals 26, seine Ehefrau und der einjährige Sohn zählten zu den ersten zehn Asylbewerbern, die die Regierung von Oberbayern am 9. Dezember 2011 dem Landkreis zuteilte. Alle wurden damals in einer Heilbrunner Wohnung untergebracht – das Landratsamt betrat mit dieser Aufgabe Neuland.

Viel ist seither geschehen. Der Syrer, ein gelernter Schreiner, lebt heute mit Frau und Kindern – eine Tochter ist dazugekommen – in Bad Tölz, arbeitet im Speditionsbereich, bestreitet den Lebensunterhalt für die Familie selbst. Im Landkreis kamen nach ihm weitere rund 3700 Asylbewerber an; 2891 quartierte der Landkreis in seinen regulären Asylunterkünften ein, etwa 800 lebten – zeitlich versetzt – in Schulturnhallen in Geretsried und Bad Tölz, die für ein halbes Jahr als Erstaufnehmeinrichtungen dienten. 120 Kinder wurden in den Flüchtlingsfamilien geboren. Im Landratsamt wurde aus einer Drittelstelle, die 2011 für Asyl vorgesehen war, bis heute ein Sachgebiet mit 45 Mitarbeitern. Am Freitag blickten Landrat Josef Niedermaier, der lange zuständige Sozialamtsleiter Thomas Bigl und der heutige Sachgebietsleiter Karsten Ludwig auf die bewegte Zeit zurück.

Die „Hochphase“, in der dem Landkreis jede Woche 57 neue Flüchtlinge zugewiesen wurden, ist seit der Schließung der Balkan-Route im Frühjahr vorbei. Aktuell nimmt der Landkreis laut Ludwig fünf bis zehn Flüchtlinge pro Woche auf. 2017 aber könnten es wieder deutlich mehr werden. Der Grund: Eine Reihe von großen Sammelunterkünften, die in der Hochphase geplant wurden, sei „bezugsfertig“, so Ludwig. Die Regierung von Oberbayern werde den Betrieb übernehmen und sie wohl im Lauf des ersten Halbjahrs belegen. Das gilt für die neuen Gebäude am Tölzer Schulzentrum (120 Plätze), auf der Flinthöhe (170) und am Geretsrieder Schulzentrum (250) sowie das ehemalige Pfarrheim in Wolfratshausen (120) und die Leonardisklinik in Bad Heilbrunn (90). Die Regierung übernimmt auch die bereits belegte Filigranhalle in Geretsried (150).

„Das bedeutet einen Zuwachs von 500 Plätzen in den kommenden Monaten“, sagt Ludwig. Es sei zu erwarten, dass die Regierung diese „zum großen Teil mit Menschen belegt, die aus der Bayern-Kaserne kommen“. Die dortige Erstaufnahmeeinrichtung wird bis Jahresende aufgelöst. Voraussichtlich in geringerem Umfang würden Bewohner dezentraler Unterkünfte im Landkreis in die Großunterkünfte verlegt. „Klar ist: Der ,Jodquellenhof‘ wird vom Netz gehen“, versicherte Niedermaier. Auch die Nutzung des früheren Unteroffiziersheims in der Lenggrieser Kaserne werde der Landkreis „wahrscheinlich“ beenden. „Nach dem jüngsten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ist klar, dass es sich um ein Gewerbegebiet handelt und unsere Einrichtung nicht baurechtskonform ist.“ Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen – was, wenn plötzlich doch wieder akuter Bedarf herrscht? Man habe vereinbart, die Lage bis Jahresende zu beobachten.

Zusammenfassend prognostiziert Ludwig für 2017: „Es werden im Landkreis mehr Asylbewerber sein, und sie werden sich stärker auf drei bis vier Gemeinden konzentrieren.“ Neue Diskussionen sind vorprogrammiert.

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