Bezugsfertig, aber leer: Die Container am Wackersberger Wertstoffhof warten auf Bewohner – ebenso wie etliche weitere Unterkünfte im Landkreis. Foto: arp/A

Asylunterkünfte

Aus Platznot wird Leerstand

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Bad Tölz - Was die Asylunterkünfte angeht, hat sich die Lage im Landkreis stark gewandelt: Mit einem Mal ist es das abrupte Ausbleiben von Flüchtlingen, auf das Landkreis und Gemeinden reagieren müssen. Viele Unterkünfte stehen leer – eine neue Herausforderung.

Bis vor Kurzem gaben Landkreis, Städte und Gemeinden Vollgas, um immer neue Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber zu schaffen. Dem steht nun aber plötzlich eine Vollbremsung bei der Ankunft der Flüchtlinge gegenüber. Seit vier Wochen weist die Regierung dem Landkreis keine Asylbewerber mehr zu. Auch wenn niemand weiß, wie lange das so bleibt und wie es danach weitergeht: Aktuell stehen im Landkreis etliche unter Hochdruck geschaffene Unterkünfte leer. Da sind etwa die rund 90 Plätze in der ehemaligen Heilbrunner Leonardisklinik. In der Wohnmobil-Siedlung Am Kranzer sind noch über 70 der 240 Plätze frei. Die bezugsfertigen Wohncontainer neben dem Wackersberger Wertstoffhof an der Steinsäge warten vorerst vergeblich auf Bewohner.

„Das gibt uns Luft, die Anlage noch zu begrünen“, sagt dazu der Wackersberger Bürgermeister Alois Bauer. „Es ist viel besser, als wenn die Bewohner schon vor der Tür stehen, und noch die letzten Leitungen gelegt werden müssen.“ Bisher habe die Schaffung neuer Quartiere einem „Wettlauf mit der Zeit“ geglichen. „Jetzt sind wir alle miteinander froh, dass es anders ist.“ Selbst wenn die Container eine Weile leer stehen – für die Gemeinde kein Problem. Ob ungenutzt oder belegt – „es gibt einen bestehenden Mietvertrag mit dem Landkreis“, stellt Bauer fest.

Anders ist es beim Strasserhof, der nach Umbauten 60 Flüchtlingen Unterkunft bieten könnte. Der Gemeinderat hat der Nutzungsänderung zugestimmt. Hier müsse nun der private Eigentümer überlegen, ob er das Vorhaben tatsächlich umsetze, so Bauer.

Ähnlich wie in Wackersberg verhält es sich generell mit den Unterkünften. „Alle bestehenden vertraglichen Bindungen haben Bestand“, erklärt Helga Happ, Abteilungsleiterin im Landratsamt. „Vielfach sind sie ja die Basis für getätigte Investitionen.“ Das bedeutet: Wo Verträge geschlossen wurden, da bezahlt der Landkreis auch Miete – selbst wenn die Immobilie leersteht. „Wir haben uns als Staat Vertrauen als zuverlässiger Mieter aufgebaut“, so Happ. „Dieses Vertrauen wollen wir nicht verletzen – zumal es schnell sein kann, dass wir es wieder brauchen. Wenn wir in ein paar Monaten erneut schnell viele Plätze benötigen, wollen wir nicht vor zerschlagenem Porzellan stehen.“

Auch bereits in die Wege geleitete Bauten wolle der Landkreis nicht stoppen. Die Asylunterkünfte an der Tölzer Realschule und am Geretsrieder Schulzentrum „werden fertig gestellt“, so Happ. Auch da sei der Landkreis Verträge mit Baufirmen eingegangen, die Container seien bestellt. Anders verhalte es sich bei der geplanten Unterkunft auf dem Lenggrieser Flussmeisterei-Grundstück. Hier läuft das Genehmigungsverfahren. „Das Baurecht wollen wir für den Fall haben, dass wir es brauchen“, sagt Happ. Mit der Umsetzung warte man aber vorerst ab.

Einstweilen nutzt das Landratsamt die Verschnaufpause, um einige der schon anwesenden Asylbewerber anders auf bestehende Unterkünfte zu verteilen, „zum Beispiel damit die Leute besser zusammenpassen“, erklärt Behördensprecherin Sabine Schmid. „Deswegen gibt es im Moment relativ viele Umzüge.“ Zudem werden in den Pfingstferien die Ickinger Turnhalle und Ende Mai die Königsdorfer Stockschützenhalle geräumt, die Bewohner in andere Quartiere im Landkreis verlegt – in Königsdorf etwa steht dann eine neu errichtete Unterkunft zur Verfügung.

Nach Abschluss dieser Umzüge werde man die Gesamtzahl der leerstehenden Plätze an die Regierung von Oberbayern melden. Happ: „Wir warten dann ab, dass die übergeordneten Behörden über das weitere Vorgehen entscheiden. Die Staatsregierung muss sich Gedanken machen, wie sich die starken Veränderungen auf die Gemeinden auswirken.“

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