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Ein Krampus beim Perchtenlauf in der Tölzer Marktstraße.

Wollte nur einen Glühwein trinken gehen

Krampus schlägt Frau übertrieben hart auf Weihnachtsmarkt: „Unendlich starker Schmerz und Schock“

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Tanja D. aus Miesbach wollte eigentlich nur mit einer Freundin einen Glühwein auf dem Tölzer Weihnachtsmarkt trinken gehen. Plötzlich sank sie auf die Knie mit einem starken Schmerz.

  • Am Samstag schlug ein Krampus beim Perchtenlauf in Bad Tölz einer Frau mit einer Weidenrute von hinten auf den Unterschenkel. 
  • Die Frau erlitt heftige Verletzungen
  • Sie wollte eigentlich nur einen Glühwein trinken gehen.

Update vom 11. Dezember 15.20 Uhr

Tanja D. war nicht nie Einzige, die am Krampus-Lauf in Bad Tölz von einem der Grusel-Gesellen verletzt wurde. Nun meldete sich ein weiteres Opfer zu Wort. Die Kölnerin Dagmar B. wohnt erst sein eineinhalb Jahren im Landkreis. Sie besuchte ebenfalls am Samstagabend den Christkindlmarkt.

„Mein Mann und ich wussten nicht, dass der Krampus-Lauf an diesem Abend ist.“ Außerdem seien sie nicht davon ausgegangen, dass die Perchten die Zuschauer angreifen würden. Doch genau das ist passiert. „Erst kam einer auf mich zu und hat mir meine Mütze total grob übers Gesicht gezogen“, schildert sie den Vorfall. „Kurz danach kam ein anderer und schlug mir mit voller Wucht mit einer Rute gegen den Unterschenkel.“ 

„Erst Mütze übers Gesicht gezogen, dann geschlagen“

Alles sei wahnsinnig schnell passiert, und B. wusste erst gar nicht, wie ihr geschieht. Sie hatte schlimme Schmerzen. Zuhause angekommen, stellte sie zwei starke Striemen an ihrer Wade fest. „Ich bin sehr froh, eine Jeans angehabt zu haben. Anderenfalls wären die Striemen sicher blutig aufgeplatzt“, klagt die Betroffene. 

Sie hat jedoch nicht vor, Anzeige zu erstatten. „Man weiß ja eh nicht, wer hinter der Maske war. Da sind mir die Behördengänge einfach zu viel.“ Weiter betont Dagmar B.: „Ich habe mir das alles gerne angesehen. Aber Brauchtum hin oder her, dass Passanten geschlagen und verletzt werden, geht einfach gar nicht.“ Auch drei Tage nach dem Vorfall klagt Dagmar B. noch über starke Schmerzen an der verletzten Stelle.

Der ursprüngliche Bericht vom 10. Dezember: 

Bad Tölz – Eigentlich sollte es ein spektakulärer, aber harmloser Abend im Zeichen der Brauchtumspflege werden. So kündigte zumindest die Stadt Bad Tölz die Veranstaltung auf ihrer Internetseite an: „Die furchterregenden Gesellen sorgen für einen gruseligen, aber harmlosen Nervenkitzel“, heißt es in der Veranstaltungsbeschreibung zum Krampuslauf auf dem Christkindlmarkt.

Doch am Samstag überschritt ein als Krampus verkleideter Unbekannter eindeutig die Grenzen. Er schlug einer 32-jährigen Frau unvermittelt von hinten mit einer Weidenrute auf den Unterschenkel – und zwar so fest, dass Striemen zurückblieben. Das Opfer erstattete Anzeige. 

„Ich wollte nur mit einer Freundin zum Glühweintrinken gehen. Ich wusste nicht, dass am Samstag der Krampuslauf stattfindet“, schildert Tanja D. den Abend. „Als wir gemerkt haben, dass die Perchten uns zu nahe kommen, haben wir uns etwas abseits mit dem Rücken zu dem Lauf hingestellt“, sagt sie. 

Doch plötzlich spürte sie einen starken Schmerz am Bein und fiel nach vorne auf die Knie. „Ich habe erst überhaupt nicht realisiert, was da passiert ist. Es war nur dieser unendlich starke Schmerz und Schock da“, sagt die Betroffene.

Verletzung auf Krampuslauf in Tölz: „Unendlich starke Schmerzen“

Mithilfe ihrer Freundin sei sie schließlich weggehumpelt und habe den Markt verlassen. Die Miesbacherin fuhr nach Hause. Dort stellte sie viele Striemen und eine starke Schwellung am Unterschenkel fest. Wie die Polizeiinspektion Miesbach bestätigt, hat D. Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Ermittelt wird laut den Beamten wegen schwerer Körperverletzung.

Striemen und Schwellungen am Unterschenkel hat Tanja D. vom Krampuslauf zurückbehalten

Ein ärztliches Gutachten werde nach der bisherigen Dokumentation der Verletzung noch angefertigt. „Insgesamt sind es zehn Striemen, eine große Schwellung und einige blaue Flecken“, klagt das Opfer. Sie habe zwei Tage schlimme Schmerzen gehabt. „Auch jetzt tut es noch sehr weh, wenn ich an die Stelle komme“, erklärt die Miesbacherin. Drei Tage nach der Tat könne sie „den Vorfall immer noch nicht fassen“.

Weniger Kritik über Krampuslauf als 2017 und 2018

Die stellvertretende Tölzer Kurdirektorin Susanne Frey-Allgaier ist über das Geschehen entsetzt: „Es tut uns wahnsinnig leid, dass so etwas passiert ist“, sagt sie auf Anfrage des Tölzer Kurier. „Wir machen alle, die mitlaufen, darauf aufmerksam, dass die Ruten gar nicht oder nur ganz leicht eingesetzt werden dürfen“, betont Frey-Allgaier. Es habe aber „im Durchschnitt wesentlich mehr positive Rückmeldungen zum Krampuslauf gegeben“, fügt sie hinzu. 

Kritische Meinungen zu der Veranstaltung, die es gerade bei der Premiere 2017 gab, seien stark zurückgegangen. Damals hatte sich beispielsweise eine Frau beschwert, dass die finsteren Gesellen die Kinder auf dem Markt verängstigt hätten.

Nun sollen Konsequenzen gezogen werden 

Auch Mitinitiator Sebastian Harrnach vom Verein „Strawanza Pass“ bedauert den Vorfall vom Samstag. Er möchte nun Konsequenzen ziehen. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass es ab nächstem Jahr Nummern für alle Teilnehmer gibt.“ Dadurch könnten Übeltäter im Nachgang identifiziert werden. Zudem wäre es „wahrscheinlich sinnvoll, die Weidenruten durch Rossschweif zu ersetzen.“ Damit könne niemand derart verletzt werden.

Video: Brutalo-Krampusse lösen Polizeieinsatz in Kärnten aus

Felicitas Bogner

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