In der Drive-in-Testation auf der Flinthöhe im Einsatz: Tanja Dombrowksy (re.) und Dr. Daniel Kolb.
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In der Drive-in-Testation auf der Flinthöhe im Einsatz: Tanja Dombrowksy (re.) und Dr. Daniel Kolb.

Corona 

Covid-19-Test im Vorbeifahren

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Landkreis ist mehr als überschaubar. Böse Zungen sagen, das liege auch daran, dass sich kaum noch jemand testen lässt. Die Drive-in-Teststation auf der Tölzer Flinthöhe ist aber nach wie vor in Betrieb. Die Zahl der Patienten ist allerdings deutlich zurückgegangen.

Bad Tölz-Wolfratshausen –Seit Mitte März ist die Drive-in-Station, an der Patienten quasi im Vorbeifahren getestet werden, geöffnet. Anfangs war dafür der gesamte Parkplatz vor dem Eisstadion abgesperrt, mit dem Sinken der Fälle wurde er Mitte Mai auf eine Teststraße verkleinert. Montags, mittwochs und freitags werden derzeit Abstriche genommen. Zwischen zwei und zwölf Patienten werden pro Tag getestet. „Zu Hochzeiten Ende März waren es 105 am Tag“, sagt Gesundheitsamtsleiter Dr. Stephan Gebrande.

Getestet wird nur, wer einen Termin hat. Es gibt zwei Arten von Patienten. Die einen schickt die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) oder der Hausarzt, die anderen das Gesundheitsamt. Bei Letzteren handelt es sich ausschließlich um Kontaktpersonen, die ermittelt wurden. Für die KVB testet an diesem Tag Dr. Daniel Kolb, für das Gesundheitsamt Tanja Dombrowsky. Sie ist eigentlich Fachkrankenschwester Intensiv und Anästhesie, kümmert sich aber seit dem ersten Tag, an dem die Drive-in-Station in Betrieb ging, um die Abstriche. Beide stecken in weißen Schutzanzügen, tragen Brille, Handschuhe und Mundschutz. Sorge, sich anzustecken, habe sie bei der Arbeit noch nie gehabt, sagt Dombrowsky. „Da habe ich im Supermarkt mehr Angst“, sagt sie.

Den Abstrich im Rachen macht jeder selber 

Den ersten Kontakt mit den Patienten haben aber die Mitarbeiter von Peter Frechs Sicherheitsdienst. Sie haben maßgeblichen Anteil daran, dass alles immer in geregelten Bahnen gelaufen ist. „Es gab einen einzigen Zwischenfall mit einem Mann, der keinen Termin hatte und ausfallend geworden ist“, sagt Gebrande. Aber selbst dieses Problem sei gelöst worden, bevor die Polizei eintraf. Die Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts seien eine große Hilfe, sagt Dombrowsky. „Sie wissen immer genau, was zu tun ist.“

Wer mit dem Auto vorfährt, stoppt zum ersten Mal direkt neben dem Security-Mitarbeiter. Er kontrolliert die Personalien und überprüft, dass es einen Termin in der Teststation gibt. Er erklärt kurz den weiteren Ablauf und bemüht sich, dass sich die größte Nervosität legt. „Die Security fängt da viel ab“, sagt Dombrowsky. Dann geht es weiter um die Kurve, bis der Autofahrer im weißen Testzelt stoppt. Motor ausschalten, Handbremse ziehen, Schlüssel zeigen – das sind die weiteren Schritte.

Arbeit im Drive-in momentan überschaubar 

Durch das ein Stück weit geöffnete Fenster reicht Dombrowsky das Teststäbchen. Den Abstrich im hinteren Rachenbereich macht jeder selbst. „Bei Kindern lassen wir das die Eltern machen. Bis jetzt lief das reibungslos. Die Kinder waren alle superbrav“, sagt Dombrowsky. Dr. Daniel Kolb beobachtet durch die Windschutzscheibe, dass der Abstrich wirklich weit genug hinten im Hals genommen wird. Der Patient reicht das Stäbchen zurück durchs Seitenfenster, Dombrowsky steckt es in das bereits am Morgen vorbereitete und etikettierte Röhrchen. Fertig. Nach drei, vier Minuten ist alles erledigt.

Befunde liegen mittlerweile nach 24 bis 48 Stunden vor 

Die Teströhrchen werden dann an die Labors geschickt – „die vom Gesundheitsamt gehen an das Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, die von der KVB an andere Labors“, erklärt Gebrande. Ihm wäre es lieber, wenn man die beiden Zuständigkeiten noch klarer voneinander trennen könnte. Beispielsweise könnte die KVB vormittags testen, das Gesundheitsamt nachmittags. Dafür bräuchte es aber einen Hausarzt, der den Drive-in in den Vormittagsstunden übernimmt. Ähnlich lief es in Münsing: Dort wurde die Teststation – sie ist mittlerweile eingestellt – von Hausarzt Dr. Jörg Lohse betrieben. „Wir sind gerade dran, für Tölz eine Lösung zu finden“, sagt Gebrande. Lange warten muss auf sein Ergebnis übrigens niemand mehr: 24 bis 48 Stunden dauert es, bis der Befund vorliegt.

Momentan ist die Arbeit im Drive-in überschaubar. Sollten wieder mehr Tests benötigt werden, lassen sich die Kapazitäten auf der Flinthöhe schnell wieder erweitern – auch weil die ehrenamtlichen Rettungsorganisationen immer unterstützend zur Seite stehen. Die BRK-Bereitschaften im Kreisverband beispielsweise hatten im März die Teststation aufgebaut. Aber auch auf die Unterstützung der Tölzer Feuerwehr konnte man immer bauen. Beispielsweise als im Schneesturm ein Heizgerät benötigt wurde oder ein Sturm an den Zelten der Teststation zerrte und die Planen mit Sandsäcken gesichert werden mussten.

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