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Mit Spaß bei der Sache: Die Mitwirkenden des Projekts „On Stage“ bei den Proben zu „Romeo und Jasmin.

Auf der Bühne zusammenfinden

Das  Tölzer Theaterprojekt „On Stage“ probt derzeit für das Stück „Romeo und Jasmin - Mord an der Ehre“. Premiere ist am 2. Mai. 

Bad Tölz Unter dem Motto „Zusammenhalt fördern – Integration stärken“ startete das Tölzer Theaterprojekt „On Stage“ nun in seine dritte Runde. 13 Schauspieler zwischen 14 bis 35 Jahren spielen Anfang Mai im Tölzer Jugendcafé das Stück „Romeo und Jasmin – Mord an der Ehre“. Es ist ein Projekt, für das das BRK-Mehrgenerationenhaus einen Teil seiner Fördergelder vom bayerischen Ministerium für Arbeit, Familie und Soziales zur Vergügung stellt. Neben Ehrenamtlichen-Arbeit und der Arbeitsförderung für Migranten dient auch das Theaterstück dem Zusammenfinden – und dem Zusammenhalt. „Das soll der Integration und der Inklusion dienen – und Inklusion ist, wenn alle dabei sind“ betont Rita Knoll, Leiterin des Mehrgenerationenhauses.

„Romeo und Jasmin“ wurde als Reaktion auf einen Ehrenmord an einer Hamburger Jugendlichen gemeinsam mit Schülern einer Gesamtschule geschrieben und nun von der Tölzer Theaterpädagogin Verena Peck und Veronika Dräxl vom Jugendcafé als Stück für „On Stage“ adaptiert. Die Teilnehmer durften ihre eigenen Ideen mit einbringen, änderten auch mal den Text in geläufige Jugend-Umgangssprache. „Kein Mensch sagt doch ,Ganz ruhig‘, findet einer der Schüler. „,Reg dich ab‘, trifft’s da schon eher“. Grundsätzlich sei das Stück aber lebensnah und auch in einem relativ harmonischen Umfeld wie Bad Tölz realistisch und nachvollziehbar, finden die jungen Schauspieler.

Im Herbst hat sich die Theatergruppe zusammengefunden; seit Januar laufen die Proben. Es geht um die „Jets“ und die „Sharks“ – neben der thematischen Anlehnung an den Shakespeare-Klassiker „Romeo und Julia“ auch ein Verweis an die auf diesem Stoff basierende „West Side Story“: zwei Jugendgruppen, die gut miteinander auskommen, solange sie nur wenig Berührungspunkte haben. Erst als sich Romeo in Jasmin, die Schwester seines Freundes Dennis, verliebt, beginnt die Situation zu eskalieren. Und schon bald sind die Beteiligten in einem Netz aus Traditionen, Verhaltensregeln und Vorurteilen verstrickt.

Was die Schauspieler im Stück transportieren sollen, das hat hinter der Bühne bereits bestens funktioniert. „Wir hätten uns ohne das Theaterstück nie kennengelernt, das Projekt hat uns zusammengebracht“, erzählen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dabei gehe es nicht nur um religiöse Themen, sondern auch um andere Unterschiede, die einen Einblick in die Lebenswelten anderer oft nicht möglich machen: Unterschiedliche Schulausbildung, Herkunft oder Wohnorte, eine andere Kultur, das Alter oder auch ein körperliches Handicap sind der Grund, warum man keinen Kontakt aufnimmt. Freundschaften sind entstanden, und einige können sich vorstellen, auch beim nächsten Stück wieder mitzumachen. „Hier sind coole Leute, es macht einfach viel Spaß“, schwärmt eine der Akteurinnen. „So soll das sein, deshalb geht das Projekt auch über die pädagogische Schiene“, erzählt Verena Peck, die auch Regie führt. Die bunt gemischte Truppe ist mit Feuereifer und Herzblut dabei. Dennoch war es nicht immer einfach, alle unter einen Hut zu bringen. Einmal die Woche wird abends geprobt, und insgesamt gibt es drei ganze Probenwochenenden. Oft kamen Schule, Ausbildung, Fahrstunden und dergleichen dazwischen, aber mit viel Verständnis füreinander und ein paar Kompromissen klappt es doch ganz gut.

„Wir haben echt viel gelernt“, da sind sich alle einig. „Vor Leuten sprechen, selbstbewusster werden und bessere Körperhaltung.“ Vor der Premiere am 2. Mai ist noch ein bisschen Aufregung angesagt – völlig natürlich. „Das pusht und das muss so sein“, sagt Peck. Ines Gokus

Theaterprojekt

„Romeo und Jasmin“ hat am Mittwoch, 2. Mai, im Tölzer Jugendcafé Premiere; weitere Vorstellungen sind am Donnerstag, 3. Mai, und am Freitag, 4. Mai, alle jeweils um 19 Uhr. Die Karten kosten für Erwachsene acht Euro; für Schüler vier Euro. Vorverkauf im Tölzer Jugendcafé oder in der Buchhandlung Winzerer sowie unter www. jugendfoerderung.info.

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