+
Kormorane auf der Jagd: Das Bild ist an der Isar kurz hinter der Münchner Stadtgrenze entstanden. Fotos aus dem Landkreis haben weder der Landesfischereiverband, noch der Bezirksfischereiverein. Doch auch hier in der Region belagern die Raubvögel auf der Suche nach Nahrung die Isar.

Auf Nahrungssuche

Kormorane fressen die Isar leer

  • schließen

Der Landesfischereiverband schlägt Alarm: Vom Sylvensteinspeicher bis zur Isarmündung fressen ungewöhnlich viele Kormorane den Fluss leer, sodass der Fischbestand gefährdet ist. In Bereichen, in denen normalerweise fünf bis 15 Raubvögel unterwegs sind, sind es derzeit bis zu 200. Auch im Landkreis gibt es „fürchterliche Einbußen“.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wenn Manfred Haff wieder einmal ein ganzes Geschwader von Kormoranen vorbeifliegen sieht, bekommt der Vorsitzende des Bezirksfischereivereins Bad Tölz nach eigenen Angaben feuchte Augen. „Das ganze Jahr über schonen wir Fischer die Äsche“, sagt Haff. „Und jetzt plünderten die Kormorane Gumpe um Gumpe.“ Diese nutzen die Fische derzeit als Winterlager – und geben damit eine leichte Beute ab. „Die Einbußen sind fürchterlich“, betont Haff. „Derzeit sehen wir keine einzige Äsche mehr.“

Doch auch andere Fische leiden unter dem riesigen Appetit der Kormorane, die jeden Tag bis zu 750 Gramm Fisch fressen. Weil der Winter so kalt ist, brauchen die Tiere auch noch besonders viel Nahrung. Das Problem: Die kleinen Seen und Weiher, wo die Kormorane normalerweise ihren Hunger stillen, sind zugefroren. Notgedrungen weichen die Tiere deshalb auf die eisfreien Flüsse und Bäche aus. Laut Haff ist das ein „Desaster“, vor allem für die Äsche, die ohnehin vom Aussterben bedroht sei.

Auch die Kormorane waren einmal kurz davor, vom Angesicht der Erde zu verschwinden. Das hat sich zwischenzeitlich gründlich geändert: Mittlerweile leben nach Angaben des Landesfischereiverbands (LFV) allein in Bayern 10 000 dieser Raubvögel. Wie viele es im Landkreis sind, lässt sich schwer beziffern. Doch auch hier sind ganze Schwärme unterwegs, die die Isar belagern. Gewässerwart Michael Gilgenreiner hat vor Kurzem beobachtet, wie zirka 80 Kormorane am Tölzer Stausee die Fische regelrecht „abgeschlachtet“ hätten. „Das war ganz enorm“, sagt Gilgenreiner.

Gefräß ig: Kormorane brauchen pro Tag bis zu 750 Gramm Fisch.

Angesichts dieser Kormoran-Plage fordert der LFV, dass die Vögel zum Schutz der Fische auch weiterhin gezielt vergrämt oder abgeschossen werden dürfen. Eine entsprechende Ausnahmeverordnung läuft in diesem Jahr aus. Das weiß auch Haff, der ebenfalls „sehr dafür“ ist, dass die Verordnung verlängert wird. „Den Kormoranen kann man keinen Vorwurf machen, die haben Hunger“, betont der 73-Jährige. „Aber das Verhältnis von Räubern und Beute passt einfach nicht mehr.“ Seines Wissens nach wurden in diesem Winter bereits ein paar Kormorane getötet. Genaue Zahlen kann die Untere Jagdschussbehörde am Landratsamt aber erst Ende Mai nennen. Vom Vergrämen hält Haff übrigens wenig: Zwar würde Krach die Tiere zunächst in die Flucht schlagen. „Aber dann kommen sie eben in der Dämmerung wieder und vollenden ihr Werk.“

Das ist laut dem Vorsitzenden des Bezirksfischereivereins oft eine sehr blutige Angelegenheit: Manche Fische wie den Huchen reißen die Kormorane nur an, weil sie zu groß für die Vögel sind. „Dabei werden die Fische zum Teil so schwer verletzt, dass sie qualvoll verenden.“

Vor diesem Hintergrund stößt die Forderung, die Kormorane auch weiterhin gezielt abschießen zu dürfen, selbst beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) auf verhaltenes Verständnis. „Wenn ich mich in die Lage der Fischer versetze, verstehe ich die Forderung“, sagt LBV-Kreisgruppenvorsitzender Walter Wintersberger. „Aber es muss alles mit Maß und Ziel passieren.“ Das findet auch Haff, der wie Wintersberger das inzwischen recht gute Verhältnis zwischen den beiden Verbänden betont.

Akuten Handlungsbedarf sieht Haff ohnehin nicht: Bei seinen Spaziergängen in den vergangenen Tagen hat er kaum noch Kormorane gesichtet – selbst an deren Lieblingsplätzen wie dem Bereich oberhalb der Bibermühle. Dafür gibt es laut dem Experten zwei Erklärungen: Entweder haben die Raubvögel die Isar bereits völlig ausgeplündert. „Oder sie machen – wie sooft – eine Pause von zwei bis drei Tagen und kommen dann wieder.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Live-Ticker: Neben Radwan (CSU) auch Wagner (Linke) im Bundestag?
Wann gibt‘s die ersten Ergebnisse im Tölzer Land? Wie haben die Wähler in Bad Tölz, Lenggries oder Kochel am See abgestimmt? Was sagen die Kandidaten und Parteien? Alle …
Live-Ticker: Neben Radwan (CSU) auch Wagner (Linke) im Bundestag?
Heimspiel der Tölzer Löwen gegen Bad Nauheim
Heimspiel der Tölzer Löwen gegen Bad Nauheim
Tölzer DNL-Team gewinnt mit 2:1 gegen Landshut
Tölzer DNL-Team gewinnt mit 2:1 gegen Landshut
Lösung für die Unfall-Kreuzung
Es war ein Horrorcrash mit zwei Toten heute vor einem Jahr, der das Bauamt Weilheim zum Umdenken brachte. Seitdem wird an einer kreuzungsfreien Lösung für die Ausfahrt …
Lösung für die Unfall-Kreuzung

Kommentare