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Egal ob Stoiber, Söder, Herrmann oder Merkel: Wolfgang Krebs nahm alle Politiker treffend und hintergründig aufs Korn.  

Veranstaltungsreihe „Abo Tölz“

Auf den Pelz gerückt: Wolfgang Krebs begeistert im Kurhaus

Einer zumindest hat seinen Job brillant gemeistert: Wolfgang Krebs, der gemeinsam mit der deutschen Politik-Prominenz die Bühne des Tölzer Kurhauses bevölkerte. Aber ob seine Adepten Seehofer, Stoiber, Söder und Co. jemals an den Meister heranreichen, bleibt abzuwarten. Bis dahin dienen sie dem Kabarettisten aber als bombensichere Vorlage zur gehobenen Persiflage.

Bad Tölz– Horst Seehofer sieht gut aus. „Ich hab ja auch zehn Prozent abgenommen, höhöhö.“ Oder: „Liebe CSU/CSU/CSU-Wähler außerhalb und innerhalb der Urne“, stoibert der Edmund. Und: ,„Barbados ist gescheitert – oder war’s Hawaii? Egal, da muss noch viel Gras darüber geraucht werden.“

Das Publikum kriegte sich schon nach kurzer Zeit mit dem Lachen nicht mehr ein. Zu genial, wie sich der Kaufbeurer Komödiant zusammen mit der Perücke auch gleich Mimik, Gestik, Duktus und Gehirnwindungen seiner Opfer überstülpte. Da stimmte jedes Detail, vom stoiberschen Versprecher bis zum Scheitel in der Frisur.

In seinem Programm „Watschenbaumgala“ kürt Krebs denjenigen Kandidaten, der in letzter Zeit den größten Unsinn verzapft hat. Krebs stellte die Nominierten vor, und das Publikum entschied. Selbstredend, dass sich alle Kandidaten mächtig in die Brust warfen, um sich selbst im besten Licht darzustellen. „Immer wenn du denkst, es geht ned blöder, sagt was Gscheid’s der Markus Söder“, brüstet sich Krebs alias Markus Söder, ein „Minster für Realitätsabbau und Finanzjonglage“, der Verständnis habe für jeden Bürgermeister, der Sehnsucht nach einem eigenen Gewerbegebiet verspüre. Seehofer parierte singend: „Ich hab den Söder satt, i wui hoam nach Ingolstadt“.

„Das Leben wird endschbannder, wenn man hadde Konsonanden vermeidet“, schwafelte dagegen Innenminister Joachim Herrmann, der außerdem hofft, dass russische Hacker ihm den gleichen Wahlerfolg bescheren wie Donald Trump. Und auch Angela Merkel hat einen Auftritt für einen Preis, „den keiner haben will“. Sie redet sich in einer bayerischen Metzgerei mit falsch verstandenen Schimpfkanonaden um Kopf und Kragen.

Wolfgang Krebs ist mehr als die Summe der Personen, denen er so detailverliebt auf den Pelz rückt. Wenn er chamäleongleich in die Haut eines anderen schlüpft, hat ihn vorher einfach „eine Stimme angesprungen“. Das erzählte er, als er ohne Verkleidung ein kleines Bühnen-Intermezzo gab. Die letzte „akustische Vision“, die Krebs ansprang, war der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck, die Krebs „die untere sprechende Zahnreihe“ nannte: „Als hätte er Wasser zwischen den Zähnen, ein bisschen wie Inge Meysel.“

Wer mit solch’ parodistischem Talent gesegnet ist, kann sich ein paar kräftige Austeiler durchaus erlauben. Und man hat zwischendurch den Eindruck, dass Krebs der bessere Politiker wäre. Man wünschte sich zumindest ab und zu so einen Klartext von all den Fachleuten für „theoretische Meinungsoptimierung“.

Nach zweieinhalb Stunden hinreichender Schmähung stand der Gewinner des Watschenbaums fest: Es war die AfD, dicht gefolgt von Donald Trump, was die bayerischen Politiker wieder ein wenig rehabilitierte. Dann können sie ja alle weitermachen und Wolfgang Krebs mit Bühnenstoff versorgen. Man darf sich sehr auf das nächste Programm freuen. Ines Gokus

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