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Gefeierter Abenteurer: Rüdiger Nehberg beim Signieren seiner Bücher, hier mit (v. li.) Ehefrau Annette, „Wunderfalke“-Veranstalter Steffen Heyn sowie Besucherin Luise Braun aus Wolfratshausen.

Auf dem Weg hinter den Horizont

Zahlreiche Interessierte lockte das „Wunderfalke“-Festival am vergangenen Wochenende ins Tölzer Kurhaus. Sie wollten Geschichten über Freiheit, Abenteuer und die Suche nach Neuem hören.

Bad Tölz – Die eigene Komfortzone verlassen und sich auf den Weg bis hinter den Horizont machen. Freiheit und Abenteuer suchen und sich auf Neues, nicht immer Kalkulierbares einlassen: Daraus sind die Träume vieler Menschen gestrickt, deren Leben von Pflichten und Verantwortung geprägt ist. Menschen, die ausbrechen, werden als Idole angesehen für die eigenen nicht gelebten Träume. Das ist letztlich das Erfolgsrezept des „Wunderfalke“-Festivals, das am Wochenende wieder zahlreichen Interessierte ins Kurhaus lockte.

Sechs insgesamt gut besuchte Live-Vorträge mit namhaften Weltenbummlern und Sportlern machten das Festival für Initiator Steffen Heyn zu einem großen Erfolg. Sicherlich dazu beigetragen hat auch das unfreundliche Wetter. Während draußen November-Tristesse herrschte, öffnete sich drinnen im Tölzer Kurhaus ein Fenster mit Blick auf unsere aufregend faszinierende Welt.

Erstmals bot Heyn diesmal im kleineren Salettl-Saal des Kurhauses zeitgleich zum Hauptprogramm 14 Gratis-Kurzvorträge des Reiseveranstalters Diamir über Trekkingreisen und Expeditionen in allen Kontinenten an. Damit ging er ein interessantes Experiment ein.

Die bemerkenswerteste Veranstaltung des Wochenendes war sicher der Vortrag von Rüdiger Nehberg alias „Sir Vival“. Der 82-Jährige ist als Überlebens-Experte und hoch dekorierter Menschenrechtsaktivist in der ganzen Welt herumgekommen und hat viele Bücher geschrieben. Erst lernte er, wie man sich – ganz auf sich gestellt – von Käfern und Würmern ernähren und auf ein paar Brettern den Ozean überqueren kann. Dann entlarvte er Brasiliens verlogenen Umweltschutz und kämpfte gegen die Ausrottung indianischer Ureinwohner in den Urwäldern Amazoniens. Und er gründete die Menschenrechts-Organisation Target, die sich erfolgreich gegen die Verstümmelung weiblicher Genitalien, aber auch für eine Verständigung mit einem aufgeklärten Islam einsetzt.

Der alte Mann beeindruckte sein Tölzer Publikum auch mit seinem trockenen hanseatischen Humor, und es wurde deutlich, dass er mit seinem radikalen Lebensentwurf und seinem politischen Engagement auch bei jungen Menschen gut ankommt. Das Publikum feierte ihn mit Ovationen, viele hatten Tränen in den Augen. Für Steffen Heyn war das der „bewegendste Vortrag“ aller seiner „Wunderfalke“-Festivals.

Am Samstag trat der Fernsehjournalist, Moderator und Autor Michael Wigge auf. Er machte vor, wie man es ganz ohne Geld von Berlin aus in 150 Tagen bis in die lebensfeindliche Antarktis schafft. Solche und andere unkonventionelle Reiseprojekte verband er mit spannenden Reportagen.

Malte Clavin zeigte fantastische Bildeindrücke aus dem geheimnisvollen Burma (Myanmar) – einem Land in Südostasien, aus dem aktuell bestürzende und nicht immer nachprüfbare Nachrichten kommen über die Vertreibung der islamischen Minderheit. Bei seinem zweiten Auftritt am Tag darauf berichtete er von einer Familienreise durch Australien.

Darüber hinaus war der Sonntag dem Hochleistungssport gewidmet. Kaum einer im Saal dürfte das nachmachen, worauf sich die Extremkletterin Ines Papert spezialisiert hat: Mit Risikobereitschaft und eisernem Willen verschob sie mit der Durchsteigung senkrechter Fels- und Eiswände die Grenzen des Machbaren. Das gilt auch für Chrigel Maurer, dessen Welt die Lüfte sind: Eines seiner packenden Abenteuer war der Gewinn des spektakulärsten Gleitschirmrennens der Welt. Rainer Bannier

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