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Ukrainische Flüchtlinge: Kitas und Schulen im Landkreis vor großer Aufgabe

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Von: Melina Staar

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Ein herzliches Willkommen wollen
die Schülerinnen und Schüler des
Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums den Kriegsflüchtlingen bereiten. Die Turnhalle wird seit dieser Woche als Unterkunft genutzt.
Ein herzliches Willkommen wollen die Schülerinnen und Schüler des Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums den Kriegsflüchtlingen bereiten. Die Turnhalle wird seit dieser Woche als Unterkunft genutzt. © Schule

Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf den Landkreis. Immer mehr Flüchtlinge kommen im Oberland an. Für die Schulen wurde eine Notfallmannschaft aufgestellt.

Bad Tölz-Wolfratshausen – . „Die Zahlen gehen rasant nach oben“, berichtete Theresa Deselaers, Abteilungsleiterin soziale Angelegenheiten am Tölzer Landratsamt, am Montagnachmittag im Kreistags-Ausschuss für Jugend und Familie. In kurzer Zeit seien Unterkunftsmöglichkeiten geschaffen worden. So wurde wie berichtet bereits eine Turnhalle in Geretsried belegt, in Bad Tölz wird die Gymnasiums-Turnhalle seit dieser Woche genutzt. Stand Dienstag waren laut Landratsamt 659 Personen angekommen. „Momentan haben wir 650 Plätze geschaffen“, so Deselaers. „Aber wir wissen nicht, wie es weitergeht.“

Enger Kontakt mit Schulamt

Bislang habe es sowohl private Ankünfte gegeben als auch Zuteilungen mit Bussen von Seiten der Regierung. „Das Thema hat eine gesellschaftliche Brisanz“, so Deselaers. Denn es betreffe nicht nur das Fachgebiet Asyl, sondern auch die Kindertagesstätten und Schulen. „Wir sind in engem Kontakt mit dem Schulamt.“ Man wolle sehen, wie man die Kinder, die im Landkreis ankommen, in die Schulen und Kitas integrieren könne. Allerdings gebe es noch extrem viele offene Fragen. „Wir müssen mit der Situation und der Schnelligkeit der Ereignisse zurechtkommen. Aber wir haben es im Blick.“

Was ist mit unbegleiteten Minderjährigen?

„Wohin kommen denn die unbegleiteten Kinder und Jugendlichen?“, wollte Susanne Merk (Freie Wähler) wissen. Anders als bei der Flüchtlings-Situation 2015 würden unbegleitete ukrainische Kinder und Jugendliche meist zu Verwandten und Bekannten geschickt, berichtete Jugendamtsleiter Ulrich Reiner. „Dabei müssen wir dann prüfen, inwieweit eine Vollmacht vorliegt.“ Zehn Fälle habe es bis jetzt gegeben. Wichtig sei die Hilfe von Übersetzern gewesen, die oft mit den in der Ukraine verbliebenen Eltern besprechen konnten, wo die Kinder und Jugendlichen unterkommen. „Alle konnten bei Verwandten untergebracht werden.“ Noch seien daher keine Pflegefamilien benötigt worden. „Wir haben aber auch die Heime informiert. Sie können zwar nicht schnell Plätze schaffen, aber eventuell gibt es pragmatische Lösungen.“ Merk wollte außerdem wissen, ob traumatisierte Kinder und Jugendliche psychologische Unterstützung erhalten. „Unterstützung ist angedacht, aber noch nicht da“, sagte Deselaers.

Herausforderung für Schulen

Annelies Wiedenbauer-Schmidt (Grüne) fragte, ob man schon abschätzen könne, wie viele Schulkinder unter den Flüchtlingen seien. Noch nicht genau, sagte Deselaers. „Bisher sind 24 gemeldet.“ Aber noch seien nicht alle registriert worden. „Man hat das Gefühl, es geht von einer Krise in die nächste“, sagte Reiner. „Viele Klassen können jetzt schon nicht beschult werden, weil es zu wenige Lehrer gibt. Da kommt schon die Frage auf: Wie sollen wir jetzt noch die Flüchtlinge bewältigen?“ Aber man habe bereits viele verschiedene Stellen in Bereitschaft versetzt. Für den Bereich Schule gebe es eine Notfallmannschaft. Man sei in Kontakt mit Trägern der Jugendarbeit, „Dorfleben Walchensee“, Mütterzentren und vielen weiteren, die Begrüßungsgruppen bilden könnten. Angedacht sei, Willkommensklassen zu bilden. „Hier wollen wir auch an die Studierenden in Benediktbeuern herantreten, die vielleicht eine solche Klasse mitgestalten möchten.“

Sorgen in Geretsried

Für Geretsried hatte Sabine Lorenz (CSU) Bedenken, „dass wir als Stadtgemeinschaft das irgendwann nicht mehr tragen können“. Schließlich seien seit Januar bereits zahlreiche afghanische Ortskräfte in der Stadt untergebracht. „Wir können das nicht mehr stemmen, wir brauchen personelle Hilfe. Wie werden wir dem sonst gerecht?“ Die Situation in Geretsried sei allen bewusst, sagte Deslaers. „Geretsried soll die erste Aufnahmestelle sein, und von dort werden die Menschen weiterverteilt.“ Das sei schwierig, man werde aber das Beste versuchen. Man müsse sich auf eine andere Situation einstellen als 2015, sagte Heiko Arndt vom Kreisjugendring. „Manches müssen wir anders denken. Aber es ist eine Aufgabe, der wir uns alle stellen müssen.“ Dritter Landrat Klaus Koch (Grüne) – er leitete die Sitzung – stimmte zu: „Wir müssen Stück für Stück sehen und uns organisieren. Momentan ist alles am Anlaufen.“

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