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Blick ins Postauto: In dem Wagen von Jens Rößler stapeln sich Pakete und Briefe – darunter auch eine Kiste mit 20 verschiedenen Büchern zum Welttag des Buches.

Besondere Aktion der Deutschen Post

Aus heiterem Himmel ein Geschenk

Die Post bringt gerne Geschenke nach Hause – aber dass das Geschenk von der Post selbst kommt, ist selten. Doch zum Welttag des Buches verschenkte der Gelbe Riese Bücher, auch in Tölz. Unsere Zeitung hat Zusteller Jens Rößler am Freitag dabei begleitet.

Bad Tölz – Kleine Schneeflocken fallen vom Himmel, als der Mann mit der gelb-schwarzen Kappe und dem Horn auf der Jacke mit dem Einräumen seines Autos beginnt. Kleine und große Pakete werden nach Hausnummern sortiert, und die gelben Plastikbehälter werden mit Postkarten, Rechnungen und Zeitschriften vollgestopft.

Jens Rößler (45) ist Postzusteller in Bad Tölz. Auf den ersten Blick ist dieser Freitag ein Tag wie jeder andere. Hätte er heute nicht eine zusätzliche Kiste mit dabei. Der Inhalt: 20 Bücher zum Verschenken. Einfach so. Die Deutsche Post möchte damit ihren Kunden eine Freude machen. „Ich finde die Aktion gut und habe mich bereit erklärt, mitzumachen“, sagt Rößler. Unter dem Motto „Ich schenk dir eine Geschichte“ sollten zum Welttag des Buches soziales Engagement und Bildungsförderung unterstützt werden. Wem er das Buch schenkt, darf Rößler selbst entscheiden. Es handelt sich um ganz unterschiedliche Werke, vom Krimi bis zum Kinderbuch.

Wem Paketzusteller Jens Rößler die Buchgeschenke überreichte, durfte er selbst entscheiden. 

Rößler, der aus Lenggries stammt, beginnt jeden Tag um 6.45 Uhr mit der Arbeit. „Da muss ich erst mal die Tour vorbereiten: Briefe sortieren und das Auto einräumen“, erzählt der 45-Jährige. Zwischen 9 und 10 Uhr macht er sich dann auf den Weg, um die Sendungen zu verteilen.

An diesem nassen kalten Morgen beginnt er seine Tour im von-Ketteler-Ring in Bad Tölz. Dort schenkt er auch gleich einem Mann ein Buch. Dem Empfänger ist die Freude deutlich ins Gesicht geschrieben. Die Freude springt auf den Postboten über: „Das ist wirklich schön, wenn man den Leuten eine solche Überraschung bereiten kann.“

Überrascht und erfreut waren an diesem Tag alle Menschen, die von Rößler ein Buch bekamen. „Das finde ich gut. Wann bekommt man schon was geschenkt?“, sagt Simone Rödig aus Bad Tölz. Sie freut sich über das Buch „Das geheimnisvolle Spukhaus“ von Henriette Wich, zugleich das „Welttagsbuch 2017“. „Da hab ich was zum Vorlesen für meine Kinder“, freut sich Rödig.

In der Tölzer Poststelle arbeiten etwa 20 Zusteller. Rößler ist seit knapp 27 Jahren dabei, mit Unterbrechungen seit 1994 in Bad Tölz. Auf seinen Touren hat er schon so einiges erlebt. „Einmal stand eine schreiende Frau auf dem Balkon, nachdem sie überfallen worden war“, erzählt er. „Da hab ich dann die Polizei gerufen, um ihr zu helfen.“

Der Alltag eines Postboten hat viele Facetten. Manchmal vergessen die Leute auf dem Weg zum Briefkasten ihren Haustürschlüssel. Manchmal bekommt man Pralinen geschenkt. „Das freut einen natürlich besonders.“ Mit Hunden hat Rößler kein Problem.„Da ist mir noch nie was passiert.“ Sein Erfolgsrezept: „Man muss einfach nett sein zu den Hunden oder sonst das Grundstück nicht betreten.“

Als Zusteller muss Rößler sportlich sein: raus aus dem Auto, rein ins Auto, treppauf, treppab – beinahe im Sekundentakt. Und auch beim Autofahren muss man geschickt sein – es gibt lange und enge Einfahrten, oft muss manövriert werden. Rößlers Arbeitstag endet zwischen 16 und 17 Uhr. Das Verschenken von Büchern war auch für ihn etwas Besonderes: „Solche Aktionen könnte man ruhig öfter mal machen.“

Tamara Scheid

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