Der Ausbau des 5G-Funkstandards hat auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen begonnen. Die Telekom prescht dabei vor, während Vodafone, O2 und EPlus vorerst noch abwarten.
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Der Ausbau des 5G-Funkstandards hat auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen begonnen. Die Telekom prescht dabei vor, während Vodafone, O2 und EPlus vorerst noch abwarten.

Andere Anbieter warten noch ab 

5G-Ausbau im Tölzer Land: Telekom schafft Tatsachen

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Im Landkreis Bad-Tölz-Wolfratshausen sind seit einigen Tagen die ersten 5G-Masten der Telekom auf Sendung – unter anderem in Kochel. In den nächsten Tagen werden weitere folgen. Die anderen Mobilfunkbetreiber halten sich noch zurück.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Auch wenn es bislang kaum Geräte und Anwendungen gibt, die den neuen Mobilfunkstandard nutzen, hat die Telekom laut einer Pressemitteilung bereits die ersten Sendemasten umgerüstet und strahlt ab sofort in Kochel, Geretsried, Icking und Wolfratshausen sowie der näheren Umgebung ein 5G-Signal aus.

„Es werden derzeit keine neuen Standorte gebaut. Wir nutzen Sendeanlagen, die bisher auf dem Frequenzband 2,1 Gigahertz lediglich UMTS ausgesandt haben. Diese Standorte erkennen jetzt nach der Umrüstung, ob sich in ihrer Funkzelle ein UMTS-, LTE- oder 5G-Handy aufhält und versorgen das Handy automatisch mit dem richtigen Mobilfunkstandard“, so Telekom-Pressesprecher Markus Jodl auf Anfrage.

Weitere Standorte bis zum Ende des Monats

Das Prozedere muss man sich – vereinfacht erklärt – so vorstellen: Die Telekom nimmt sich Standorte, die bislang nur UMTS (also 3G) gesendet haben, und rüstet sie auf. Das betrifft derzeit bundesweit etwa 12 000 Antennen – unter anderem auch die im Landkreis. Bis Jahresende sollen es 40 000 sein – darunter auch weitere Sendeanlagen im Landkreis. Noch bis Ende des Monats sollen in Bad Tölz, Lenggries und Schlehdorf Anlagen in Betrieb gehen.

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Dabei werden Teile der Frequenzen genutzt, die bislang für 3G vorbehalten waren. Da die 3G-Versorgung Ende 2021 eingestellt wird, werden dann weitere Frequenzen frei, auf denen dann ein 5G-Signal ausgestrahlt wird. Dabei unterscheidet sich nach Angaben der Telekom das 5G-Signal auf dem Land genauso wie 4G (LTE) deutlich von dem in Großstädten. In München beispielsweise werden andere Frequenzen eingesetzt, die sehr hohe Datenübertragungsraten von bis zu 1000 Megabit/Sekunde erlauben, gleichzeitig aber eine sehr geringe Reichweite haben. Die Masten im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen indes bieten ein Signal mit deutlich geringerer Geschwindigkeit – die Rede ist von 300 Megabit im Down-load und 100 Megabit im Upload –, aber höherer Reichweite. „Damit soll die Flächenversorgung gewährleistet werden“, so die Telekom.

Auch LTE soll dabei verbessert werden 

Durch die Umrüstung der Sendeanlagen soll auch die Versorgung mit dem 4G-Signal (LTE) verbessert werden. Dennoch sei 5G ungefähr doppelt so schnell wie der bisherige 4G-Standard, so Telekom-Sprecher Markus Jodl auf Nachfrage. Wer bereits Telekom-Kunde sei und eines der wenigen verfügbaren 5G-Geräte besitzt, müsse keinen Aufpreis für die Nutzung des neuen Funkstandards bezahlen, schreibt er.

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Auf die Frage, inwieweit Verwaltungen, Gemeinde- und Stadträte in die Ausbauplanungen einbezogen wurden, stellte Jodl klar: „Die Bundesnetzagentur gibt jeden Standort frei. Die Gemeinde wurde über den Ausbau in Kenntnis gesetzt. Es gibt aber keine bauliche Maßnahme, die von der Gemeinde abgesegnet werden müssen. Wir nutzen für den Ausbau eine Frequenz, die bisher auch schon für Mobilfunk genutzt wurde. Nur wird diese Frequenz jetzt effektiver genutzt.“

Andere Anbieter haben keine Pläne für den Landkreis

Auch im Landkreis regt sich Widerstand in der Bürgerschaft gegen 5G. Die Sorge kann der Telekom-Sprecher nicht nachvollziehen: „Man kann nicht gegen 5G sein. Ich kann nur gegen Mobilfunk sein. 5G ist ein Übertragungsprotokoll. Es ist aber genauso Mobilfunk wie GSM, UMTS oder LTE.“ Die Entscheidung für Mobilfunk „ist in unserer Gesellschaft längst gefallen. Kaum ein Mensch will ernsthaft auf Mobilfunk verzichten. Gerade Corona hat gezeigt, wie wichtig eine moderne Kommunikationsinfrastruktur für uns ist – privat und beruflich.“

Und die anderen Mobilfunkanbieter? Vodafone plant nach Aussage seines Pressesprechers Tobias Krzossa derzeit keine Aufrüstungen von Sendeanlagen im Landkreis auf die neue 5G-Technik. „Die Netzabdeckung in der Region ist gut, Funklöcher gibt es vergleichsweise wenige, der Breitbandausbau ist ziemlich gut“, so Krzossa. Telefonica Deutschland, die das O2 und E-Plus-Netz betreibt, hat nach Angaben von Pressesprecher Jörg Borm derzeit ebenfalls keine 5G-Ausbaupläne im Landkreis Der Anbieter wolle sich vorerst auf den Ausbau in den Ballungszentren konzentrieren.

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