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Ausblick auf die 164. Leonhardifahrt in Bad Tölz: Festtag mit Abt und Nächstenliebe

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Von: Andreas Steppan

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Der ernste Wallfahrts-Charakter gehört zur Tölzer Leonhardifahrt genauso wie die ausgelassene Feier. © Arndt Pröhl

Die 164. Tölzer Leonhardifahrt wirft ihre Schatten voraus. Ein namhafter Kirchenvertreter hält die Festpredigt. Und es besteht Hoffnung auf passables Wetter.

Bad Tölz – Die Zugreihenfolge steht. Auf so manchem Hof werden Probefahrten unternommen. Es werden Daxen als Wagenschmuck gesammelt. Und die Liste der Ehrengäste ist vollständig: Bad Tölz und Umgebung bereiten sich auf die Leonhardifahrt am Mittwoch, 6. November, vor.

Fast den ganzen Oktober Sonnenschein und milde Temperaturen: Als „gefährlich“ bezeichnet das Leonhardilader Ludwig Bauer mit einem Schmunzeln. Nicht dass das Wetter bis Leonhardi ins Gegenteil umschlägt. Genau das wird laut dem Ellbacher Meteorologen Kai Zorn passieren – allerdings schon vor Leonhardi. „Die Schönwetterphase ist am Sonntag vorbei“, sagt er. Speziell in Richtung des ersten November-Wochenendes bestehe die Möglichkeit von Nachtfrost und dem ersten Schnee. „Aber ab 5. November beruhigt sich das Wetter wieder, und es geht tendenziell in Richtung Wärme.“ Was im November für gewöhnlich bedeute: irgendwas zwischen 5 und 12 Grad.

Festprediger an Leonhardi in Bad Tölz ist Abt Johannes Eckert

77 Wagen werden sich am 6. November um Punkt 9 Uhr vom Badeteil aus in Bewegung setzen. Mit der Einladung der Teilnehmer begannen die Leonhardilader Mitte September, wie Ludwig Bauer berichtet, der ebenso wie Anton Heufelder dazu auf vielen Höfen persönlich vorstellig wurde. „Absagen gab es kaum – außer von der Gaißacher Musik wegen eines Trauerfalls“, sagt Bauer.

Zugesagt hat unterdessen Johannes Eckert, Abt der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München und Andechs, als ihn Stadtpfarrer Peter Demmelmair einlud, die Festpredigt zu halten. „Ich kenne ihn seit Jahrzehnten“, sagt Demmelmair. Den Tölzern ist der Abt von der Heimatprimiz des Benediktinerpaters Lukas Essendorfer vor drei Jahren bekannt, als Eckert Primizprediger war.

Leonhardi in Bad Tölz: Tief empfundener Wallfahrts-Charakter

Aus kirchlicher Sicht sei Leonhardi „ein ganz wichtiger Punkt im Ablauf eines Jahres, auf den vieles zuläuft“, sagt Demmelmair. Es sei aber nicht so, dass Leonhardi hohe Feiertage wie Ostern oder Weinachten überstrahle. „Es ist einfach ein anderer Ausdruck.“ Wie ernst es den Wallfahrern ist, erkenne man schon daran, wie viel Disziplin und Mühe sie in den Tag stecken. Der tief empfundene Wallfahrts-Charakter komme sehr schön noch einmal bei der Leonhardiandacht um 16 Uhr zum Ausdruck. Aber auch die „ausgelassene Feier“ gehört für den Stadtpfarrer durchaus zu einer Wallfahrt – zumal man das Alkohol-Thema bereits seit einigen Jahren „gut im Griff“ habe.

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Dass die Leonhardifahrt in die deutsche Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde, bezeichnet Demmelmair als „ganz nett“. Das sei aber „nur das Geschenkpapier. Der Inhalt ist entscheidend.“ Zu letzterem gehört auch gelebte Nächstenliebe. So werde bei der Kollekte für eine Familie „im ländlichen Bereich“ gesammelt, in der es eine Tragödie gegeben habe.

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Gleichzeitig ist Leonhardi ein Besuchermagnet. Vergangenes Jahr wurde die Zahl der Zuschauer auf 18 000 geschätzt. Mit einer ähnlichen Größenordnung rechnet die stellvertretende Kurdirektorin Susanne Frey-Allgaier auch heuer. In erster Linie kämen die Gäste aus dem Landkreis selbst, dem süddeutschen Raum und Österreich. Von weiter her seien es in der Regel Gruppen mit speziellem Bezug zum Thema, die anreisen, zum Beispiel Reitvereine.

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Wie Daniela Klaar von der Tourist-Info berichtet, haben sich auch Delegationen aus den Partnerkommunen San Giuliano Terme in Italien und Vichy in Frankreich angekündigt. Ministerpräsident Markus Söder lässt sich von Carolina Trautner vertreten, Staatssekretärin im bayerischen Ministerium für Familie, Arbeit und Soziales.

Zwölf Jahre lang waren Anahid Klotz und ihre Esel Teil der Murnauer Leonhardifahrt. Beim Segen des „Bauernherrgotts“ am Mittwoch werden sie jedoch nicht mit dabei sein.

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