„Der Linsensägbach prägt seit zirka 120 Jahren das Stadtbild positiv“, sagt Stadtrat Karsten Bauer. Er bedauert, dass der Bach trocken gefallen ist.
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„Der Linsensägbach prägt seit zirka 120 Jahren das Stadtbild positiv“, sagt Stadtrat Karsten Bauer. Er bedauert, dass der Bach trocken gefallen ist.

Amt verspricht Hilfe

Ausgetrockneter Bach in Bad Tölz: „Ein trauriger Anblick“

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
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Seit 120 Jahren fließt der Linsensägbach durch Bad Tölz. Nun ist er ausgetrocknet. Aus Sicht von CSU-Stadtrat Karsten Bauer ist das nicht nur für die Tierwelt ein Verlust, sondern für ganz Bad Tölz.

Bad Tölz/Gaißach – Die Frösche, Molche und Ringelnattern haben sich verzogen, die Koppen sind tot: Der Linsensägbach in Bad Tölz bieten keinen Lebensraum mehr für Amphibien, Schlangen und Fische. Seit August gelangt kaum noch Wasser in das Bachbett. Inzwischen ist es völlig ausgetrocknet. „Ein trauriger Anblick“, findet Karsten Bauer.

Der CSU-Stadtrat wohnt nahe des Gewässers und will auf die Problematik aufmerksam machen. Ihm geht es nicht nur um die Tierwelt. „Der Linsensägbach prägt seit zirka 120 Jahren das Stadtbild positiv.“ So lange ist es Bauer zufolge her, dass die Firma Moralt den Wasserlauf künstlich angelegt hat. Er speiste sich aus der Großen Gaißach und wurde unter anderem zum Driften der Baumstämme gebraucht. Und zum Kühlen der Maschinen. Als der Moraltpark mit seinen Einkaufsmöglichkeiten gebaut wurde, habe man ihn extra offen gelegt – einfach, weil so ein Bach attraktiv für die Bürger sei. „Vor neun Jahren wurde er außerdem aufwendig saniert“, sagt Bauer mit Blick auf den Hochwasserschutz.

Hochwasserschaden ist Grund für trockenen Linsensägbach

„Da saniert man für viel Geld und ,dreht‘ dann das Wasser ab? Das ist mir zu hoch“, schreibt ein Facebook-Freund von Karsten Bauer in dem sozialen Netzwerk. Hier hatte Bauer vor wenigen Tagen ein Bild des ausgetrockneten Bachlaufs gepostet. Seitdem bekommt er viel Feedback zu dem Thema. „Die Leute haben das offenbar bis jetzt noch gar nicht so gesehen.“

Ein kaputtes Wehr an der Grenze zu Gaißach ist der Grund, warum der Linsensägbach seit dem Sommer kein Wasser mehr bekommt. Anfang August war die Große Gaißach nach starken Regenfällen zu einem Sturzbach angeschwollen. Mitgeführtes Treibholz blockierte das Wehr. „Es musste eingeschlagen werden, damit die Gaißach abfließen konnte“, sagt Bauer. Durch die Öffnung des Wehrs fehlt nun aber der Staueffekt: „Die Gaißach ist zu niedrig, es gelangt kein Wasser mehr in den Ablauf zum Linsensägbach“, erklärt Bauer.

Im Wasserwirtschaftsamt gibt es bereits Planungen

Das soll sich nach Angaben des Wasserwirtschaftsamts (WWA) in Weilheim ändern. „Der Linsensägbach soll wieder reanimiert werden“, verspricht Andrea Vogg, Projektleiterin im Fachbereich Wasserbau am WWA. Aktuell prüfe die Behörde verschiedene Möglichkeiten. Eine wäre beispielsweise die Verlegung von Rohren von der Großen Gaißach in den Linsensägbach. Wie viel Wasser künftig abgeleitet werden soll, steht ebenfalls noch nicht fest. Über die Menge müsse sich das WWA mit der Stadt Bad Tölz, dem Naturschutz und der Fischereifachbehörde noch einigen, sagt Vogg. Ziel sei es, bis Ende November einen Fahrplan vorlegen zu können, der dann auch im Tölzer Stadtrat und dem Gaißacher Gemeinderat vorgestellt werden soll. Mit Blick auf die Tierwelt verspricht Vogg: „Wir sind dran, damit möglichst bald wieder Wasser in den Linsensägbach reingebracht wird.“

Wie berichtet soll das Wehr zurückgebaut werden. Ein Deich soll die Anlieger auf Tölzer und Gaißcher Seite künftig vor Hochwasser schützen. Der Deich selbst soll flach und bewirtschaftbar bleiben, so der Plan. An der höchsten Stelle soll er 2,50 Meter hoch werden. Oben drauf könnte ein Weg verlaufen. Rampen sollen es Landwirten ermöglichen, darüber fahren können. Im Zuge des Hochwasserschutzes soll auch die Gewässersohle um einen Meter vertieft werden.

Hochwasserschutz hat Priorität

Für Stefan Fadinger (CSU) steht der Hochwasserschutz an erster Stelle. Der Bürgermeister von Gaißach hätte aber kein Problem damit, wenn Wasser aus der Großen Gaißach für den Linsensägbach abgezweigt wird. „Das Entscheidende ist, wie die Ableitung passieren soll“, betont Fadinger. Sobald das klar sei, könne er mehr zu dem Thema sagen.

Für den Tölzer CSU-Stadtrat Karsten Bauer hat der Hochwasserschutz der Anlieger ebenfalls Priorität vor der Reaktivierung des Linsensägbachs. Aber: „Vielleicht könnte man beides miteinander verbinden.“

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