Rettung über eine steile Wand: Dabei kamen auch ein Berg-Rettungssack, V-Aufzug und Seilbahn zum Einsatz.

Auslandseinsatz des Tölzer Bergwachtzentrums

Bergrettung im Iran

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Die Bergwacht hatte vor Kurzem eine ganz besondere Schulung: Die Angestellten und Mitglieder vom Tölzer Bergwachtzentrum gaben ihr Wissen an Ehrenamtliche im Iran weiter. Beide Seiten wünschen sich eine Fortsetzung des Projekts.

Bad Tölz/Teheran– Die Zusammenarbeit läuft über das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Das DRK pflegt seit dem schweren Erdbeben 2003 in der Stadt Bam im Südiran Verbindungen zur Rettungsorganisation „Iranischer Halbmond“. Anfang Mai flogen Paul Schenk und Herbert Streibel, Mitarbeiter im Bergwachtzentrum in Bad Tölz, sowie der Arzt Dr. Robert Scherer (Mitglied der Tölzer Bergwacht) und Bernd Adler (Technischer Leiter bei der Bergwacht; Bereich Bund) nach Teheran, um dort 16 iranische Kollegen zu schulen. „Die Bergretter dort sind zwar materiell gut ausgestattet, aber es mangelt an strukturellen Kenntnissen“, berichtet Paul Schenk.

Die zehntägige Schulung fand im Shemshak-Gebirge nördlich von Teheran statt. „Dort gab es heuer sehr viel Schnee“, erzählt Schenk. In dem Gebirge gibt es ein beliebtes Ski-Resort, und die Iraner sind – was hierzulande wenig bekannt ist – auch gute Skifahrer und Bergsteiger. „In dem Land gibt es aber auch häufig Lawinenunglücke.“

Die Schulung umfasste unter anderem Seilbahnevakuierung und Suchstrategien bei Lawinenverschüttung. Die bayerischen Bergretter zeigten, wie man ein oder mehrere Personen ausgräbt, sprachen über Material, die verschiedenen Geräte und Sicherheitsausstattungen. Weitere Themen waren Höhen- und Lawinenmedizin. „Die iranischen Kollegen waren sehr motiviert und interessiert, außerdem sind sie gut in Form“, berichtet Schenk.

Paul Schenk

Außerdem wurde geübt, wie man Personen über eine steile Wand mit Rettungsrucksack birgt, und wie man Personen aus der Seilbahn über einem Wildbach holt. Ein Dolmetscher half bei der Verständigung.

„Im Iran gibt es ein großes Interesse daran, zu erfahren, welche Einsatztaktiken wir haben, und wie Rettungseinsätze bei uns standardisiert ablaufen“, berichtet Schenk. Bislang wird dort mit französischen Systemen gearbeitet. „Aber diese sind sehr industrielastig, schwer und kompliziert.“ Besonders bei der Winterrettung bräuchten die Iraner unbedingt weitere Schulungen, urteilt Schenk. Mehr geübt werden müsse auch der Transport in unwegsamem Gelände sowie die Rettung aus steilem Gelände.

Bei all den Schulungen kam auch der kameradschaftliche Austausch nicht zu kurz. Paul Schenk war schon zum zweiten Mal im Iran. „Das Land ist ganz anders, als es hier in den Medien dargestellt wird“, sagt der Tölzer. Die Perser seien offen, zugänglich und sehr freundlich. „Die Gastfreundschaft ist überwältigend.“ Auch die persische Kultur habe alle begeistert. Zum Schluss blieb noch Zeit für einen Tagsausflug nach Isfahan, eine der bedeutendsten Städte der alten persischen Hochkultur. „Einfach Wahnsinn“, beschreibt Schenk die Eindrücke seiner Kollegen. „Die Kultur ist überwältigend und schön. Alle waren begeistert.“

Sowohl die Bayern als auch die Iraner würden das Projekt gerne fortsetzen – auch ein Gegenbesuch in Deutschland wurde gewünscht. Paul Schenk: „Unser Wille besteht, aber letztlich müssen wir die politische Seite abwarten.“

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