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Die Ausstellung mit dem Titel „Natürlich – Kühe“ wurde am Donnerstagabend eröffnet. Es ist Christian Stadelbachers erste Schau im Stadtmuseum. Er unterhält eine eigene Galerie am Jungmayrplatz.

Ausstellung mit dem Thema „Natürlich - Kühe“ im Tölzer Stadtmuseum

Landwirtschaft und Konsum im Blick

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Welche Bedeutung hat das Rind in unserer Gesellschaft? Welche Rolle spielen Landwirtschaft und Konsum, was ist richtig, was ist falsch – auch in Bezug auf den Tourismus? Diese Fragen treiben Christian Stadelbacher um.

Bad Tölz – Erstmals stellt Stadelbacher nun im Tölzer Stadtmuseum seine Kuh-Bilder aus, die zentraler Bestandteil seiner eigenen Galerie Öha am Tölzer Jungmayrplatz sind. „Kühe sind sozusagen meine Seerosen“, sagt Stadelbacher schmunzelnd und erklärt: „Wenn ich aus dem Fenster zu Hause in Gaißach blicke, sehe ich halt einfach Kühe.“

Seit vier, fünf Jahren beschäftigt sich Stadelbacher intensiv mit den Tieren. Und sein Stil hat sich schon sehr gewandelt. Denn anfangs war das Tier fast nur Beiwerk inmitten von Wiesen und Wald, heute hingegen sind es großflächige Charakterstudien in Öl. „Vielleicht bin ich ja einer der letzten Kuh-Maler“, sinniert Stadelbacher über dieses Genre, das bis in die Renaissance reicht. Aber warum der Letzte?! „Weil die Kühe heute hornlos in großen Ställen verschwinden und immer seltener in der Natur zu finden sind.“

Das ist eines der Themen, die Stadelbacher in dieser Ausstellung diskutieren will. Wohin entwickelt sich die Landwirtschaft, welche Rolle spielt der Verbraucher? Stadelbacher will Denkanstöße geben – die Richtung lässt er offen. Eines der Bilder zeigt eine große Milchtüte des Herstellers „Ja!“. „Hier sagt uns schon der Produzent, zu was ich als Kunde Ja sagen soll“, sagt Stadelbacher, der beruflich in Personal- und Organisationsentwicklung tätig ist. „Das ist doch eigentlich der Gipfel.“ Diese Milch, sagt er offen, kaufe er gelegentlich auch selbst. „Denn woher weiß ich denn als Konsument, dass nicht doch alles in einen Topf kommt?“

Stadelbacher ist in Sachen Ernährung nicht missionarisch. Er bekennt sich zum Fleischkonsum, fragt allerdings: „Wenn man hier essen geht, gibt es überall Schweinsbraten. Aber auf den Wiesen stehen Kühe. Warum also gibt es nicht mehr Rind auf dem Teller?“ Wie ein Rind zerlegt wird, demonstriert er anhand einer pinkfarbenen Kuh, der er die Schneidelinien eines Metzgers in Form von glitzerndem Strass aufgeklebt hat. Dahinter läuft auf einer großen Leinwand ein wiederkehrender Film, der Wiese und Berge aus der Perspektive eines grasenden Tieres zeigt. Drehort: Die Gaißacher Sunntraten.

Stadelbacher, geboren in Freiburg, verbrachte als Kind seine Ferien im Schwarzwald auf einem Bauernhof. Wenn er daran zurückdenkt, erinnert er sich an Kuh „Rosa“, 16 Jahre alt und sehr zutraulich. „Wenn ich heute lese, dass in Ställen mit 5000 Kühen die Tiere gechipt sind, per Video überwacht werden und Menschen gegenüber sehr scheu sind, wird mir ganz unheimlich“, sagt der 57-Jährige.

Einhergehend mit den Kühen hat Stadelbacher auch eine Leidenschaft für die Dinge, die sie umgeben, zum Beispiel Wasserkarren. „Das ist das letzte Vehikel in der Landwirtschaft, das nicht genormt ist.“ Ein Wasserkarren sei das letzte Stück aus der „Wiederverwertungskultur unserer Großeltern“.

Wie definiert sich der Wert eines Gegenstands? Auch darüber macht sich Stadelbacher Gedanken. Er hat das bekannte Kate-Moss-Foto von Gaultier nachgemalt, das eine Frau mit übergroßem Hut zeigt. Stadelbacher hat dem Hut zwei Hörner hinzugefügt und nennt sein Bild „Cash Cow“. Spaßeshalber bietet er zudem schlichte Papier-Etiketten mit Kuh-Stempel zum Preis von 160 Euro an. „Ich will damit zeigen, wie widersinnig so manches sein kann“, sagt der Künstler. „Und, dass jeder selbst bestimmt, was er kauft.“

Die Ausstellung läuft bis zum 9. April im Tölzer Stadtmuseum und ist täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen finden diesen Sonntag um 15 Uhr und am 9. April um 15 Uhr statt. Weitere Führungen und Gespräche können unter Telefon 0176/3 007 66 00 vereinbart werden.

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