+
Porträts, die den Betrachter in ihren Bann ziehen: Christoph A. Hellhake hat im Abstand von acht Jahren Klienten des Einrichtungsverbunds ReAL Isarwinkel fotografiert. 

Ausstellung zu psychischen Erkrankungen 

Auch die nicht gesunde Seite ist ganz normal

Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts wird jeder zweite Deutsche mindestens einmal in seinem Leben psychisch krank. Trotzdem ist das Thema in der Öffentlichkeit weitgehend ausgeblendet. Die Ausstellung „Bitte stör mich!“, die jetzt im Foyer des Tölzer Landratsamts eröffnet wurde, soll mithelfen, das zu ändern.

Bad Tölz – Die Ausstellung ist Teil der Kampagne „Psychische Gesundheit“ des bayerischen Gesundheitsministeriums und soll wachrütteln und sensibilisieren. Mit finanzieller Unterstützung des Bezirks Oberbayern haben die Initiatoren verschiedene Künstler und Betroffene aus dem Oberland zusammengerufen. Sie sollten mit ihren Werken seelische Störungen in den Fokus rücken.

„Austausch ist wichtig“, sagte Landrat Josef Niedermaier bei der Eröffnung. Er selbst habe in seinem beruflichen Umfeld schon mit erkrankten Kollegen zu tun gehabt. „Man fragt sich: Hätte ich etwas tun können?“, sagte Niedermaier. Alle gesellschaftlichen Gruppen seien betroffen. Dennoch habe das Thema noch kaum einen Platz in den alltäglichen, auch nicht in den kommunalpolitischen Diskussionen gefunden. Bezirksrat Konrad Specker plädierte dafür, dass die Gesellschaft Betroffenen mehr Verständnis entgegenbringt. Organisationen, wie zum Beispiel der Krisendienst und das Krisentelefon, erfüllten eine eminent wichtige Funktion: „Betroffene müssen wissen, an wen sie sich wenden können“, so Specker. Nötig sei aber noch eine bessere Vernetzung von Patienten und den Anbietern von Hilfe.

Der Dietramszeller Fotograf Christoph A. Hellhake, einer der Künstler der Ausstellung, hatte bereits 2009 Klienten des Einrichtungsverbunds ReAL Isarwinkel in Bad Tölz porträtiert. Dieses Jahr nun hat er viele seiner damaligen Models noch einmal vor die Kamera gebeten. Nebeneinander gehängt, ziehen die Bilder den Betrachter sofort in ihren Bann. Dass sie Menschen mit psychischen Störungen zeigen, lässt sich nicht erahnen, „Wir alle haben eine gesunde Seite“, sagte Hellhake. „Und folgerichtig haben wir alle auch eine nicht gesunde Seite.“

Die Ausstellung

Ebenfalls als Künstler in der Ausstellung vertreten sind die Q11 des Gymnasiums Weilheim, die Kunsttherapiegruppe des Hauses Waldherr in Bad Tölz, der Bereich Kunsttherapie und das Haus Florida von ReAL Isarwinkel sowie Gunnar Kjäer, Lilly Mayer und Kathrin Fromberger aus Bad Tölz. Die Ausstellung ist noch bis Montag, 30. Oktober, zu den regulären Öffnungszeiten des Landratsamts zu sehen.

Arndt Pröhl

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neue Aufgabe für Wagner in Afrika
Nach acht Jahren Arbeit in Sierra Leone wartet auf den Benediktbeurer Ordensmann Lothar Wagner eine neue Aufgabe: Er wird in den Süd-sudan gehen, um ein Hilfszentrum für …
Neue Aufgabe für Wagner in Afrika
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Dienstagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Dienstagabend
Jahrtag der Schützenkompanie am Samstag
Jahrtag der Schützenkompanie am Samstag

Kommentare