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Auswirkungen der EU-Finanzpolitik

„Die Zeche zahlen am Ende die Kunden“

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Kaum zu glauben, aber wahr: Manche Städte wie Freising müssen inzwischen dafür bezahlen, dass sie größere Summen bei ihrer Bank hinterlegen dürfen. Im Landkreis versuchen die beiden großen Geldinstitute zwar noch, diese Negativ-Zinsen zu vermeiden. Eine Garantie, dass das so bleibt, gibt es aber nicht.

Es gab Zeiten, da hat sich das Geld vermehrt, wenn es auf der Bank lag. Es könnte aber auch schon bald Zeiten geben, in denen das Geld weniger wird, wenn es auf dem Konto ist. Was zunächst unvorstellbar klingt, ist zum Teil schon Realität – zumindest für diejenigen, die hohe Summen anlegen möchten. Denn bereits seit September 2014 erhalten Banken, wenn sie bei der europäischen Zentralbank (EZB) Geld hinterlegen, keine Gutschrift mehr dafür, im Gegenteil: Sie müssen sozusagen Parkgebühren zahlen. Die Banken geben diese Negativ-Zinsen an ihre Kunden weiter, so wie im Fall Freising: Die Stadt hat 72 Millionen Euro an Rücklagen auf der hohen Kante, für die sie zwischen 0,4 und 0,5 Prozent Zinsen zahlen muss. Freising wird also quasi fürs Sparen bestraft.

Soweit ist es im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zwar noch nicht. „Wir versuchen, so lange wie möglich keine Negativ-Zinsen zu verlangen“, betont Andreas Gams. Das Blatt könne sich laut dem Pressesprecher der Raiffeisenbank Tölzer Land aber schnell wenden – je nachdem, wie sich der Markt entwickelt. „Wir beobachten die Entscheidungen der EZB sehr genau.“

Ganz ähnlich äußert sich Sparkassen-Sprecher Willi Streicher auf Nachfrage des Tölzer Kurier. „Wir versuchen, unsere privaten Bestandskunden vor Negativ-Zinsen zu schützen, auch wenn das bereits zu Lasten unseres eigenen Ertrags geht.“ Schließlich müssen die Geldhäuser selbst schon Negativ-Zinsen zahlen. Die Entwicklung, dass Städte wie Freising fürs Sparen quasi bestraft werden, findet Streicher „fatal“, denn: „Die Zeche zahlen am Ende immer die Kunden“, sagt der Experte und denkt dabei an Kontogebühren und Beitragserhöhungen.

Am stärksten von den Negativ-Zinsen betroffen wären im Landkreis wohl reiche Gemeinden wie Gaißach, da die Strafgebühr vermutlich nicht pauschal erhoben werden würde, sondern sich an der Höhe des Geldbetrags orientieren würde, der bei der Bank hinterlegt werden soll. Für Bürgermeister Stefan Fadinger eine „höchst ungerechte“ Vorstellung: „Wir würden für unsere vorausschauende und nachhaltige Finanzpolitik bestraft werden.“ Dank der hat die Gemeinde in den vergangenen Jahrzehnten immerhin zirka neun Millionen Euro angespart. Sollte dafür eine Straf-Gebühr fällig werden, käme das laut Fadinger einer Enteignung gleich.

Trotzdem plant die Gemeinde keine überstürzten Investitionen, um den Geldbetrag, auf den Negativ-Zinsen fällig werden könnten, zu minimieren. „Wir wollen weiterhin unseren Weg gehen und nachhaltig investieren“, verspricht der Rathaus-Chef.

Auch in Bad Tölz verfällt Kämmerer Hermann Forster wegen möglicher Straf-Zinsen nicht in hektische Betriebsamkeit. „Wir investieren ohnehin kräftig“, sagt Forster mit Blick auf den Rathaus-Neubau oder die Schaffung von Asylbewerber-Unterkünften, um nur zwei Beispiele zu nennen. 3,9 Millionen Euro der insgesamt rund 8,7 Millionen Euro an Rücklagen hat die Stadt ohnehin in Bausparverträgen angelegt. Die sind weniger gefährdet für mögliche Negativ-Zinsen als kurzfristig verfügbare Anlageformen wie Tagesgeldkonten. Dennoch ist sich auch Forster der „sehr ungesunden Entwicklung“ bewusst und verfolgt die Entscheidungen von EZB-Präsident Mario Draghi aufmerksam.

Ganz ähnlich stellt sich die Situation in Wackersberg dar. „Wir werden das Geld nicht auf Biegen und Brechen rausschleudern, nur weil es eh nichts mehr wert ist“, sagt Kämmerer Jan Göhzold mit Blick auf die Rücklagen der Gemeinde in Höhe von zirka 5,5 Millionen Euro. Möglichen Straf-Gebühren sieht der Experte gelassen entgegen. „Da zahlt man doch lieber ein paar Euro Zinsen, ehe man Steuergelder verschwendet."

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