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Stylen, Make-up, Handpflege und Beratung: Die Auszubildenden bereiten sich auf die Unternehmensführung vor. Unser Bild zeigt (v. li.) Emily Gut, Nina Küfner, Hannah Sternberg, Masa Janković, Theresa Kascha, Elena Guglhör, Anastasia Kortüm und Katja Hüglin.

Aktion bei Wiedemann

Auszubildende leiten Parfümerie

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Lehrlinge an die Macht: Die Parfümerie Wiedemann lässt demnächst ihre Auszubildenden ans Ruder, die zwei Wochen eigenverantwortlich die Tölzer Filiale führen. Dem Inhaber wird bei dem Gedanken keineswegs bange.

Bad Tölz – Welche Fähigkeiten muss ein Chef mitbringen? Wie macht man das Geschäft für Kunden attraktiv? Und wie viele Mitarbeiter sollen im Einsatz sein? Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich derzeit die Auszubildenden der Parfümerie Wiedemann. Im März dürfen sie zwei Wochen lang das Stammhaus an der Tölzer Marktstraße führen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Unternehmer Peter Wiedemann das Zepter aus der Hand gibt: 2014 durften seine Auszubildenden erstmals die Filiale in Holzkirchen führen, 2015 war es in Penzberg der Fall. Nun ist also das Stammhaus in Tölz – quasi das „Herzstück“ der Parfümerie – an der Reihe.

Für Firmenchef Peter Wiedemann steckt dahinter das Konzept, den Führungsnachwuchs im eigenen Haus auszubilden. Die Parfümerie, im Jahr 2015 ausgezeichnet mit dem Wirtschaftspreis des Landkreises, unterhält 22 Filialen im Oberland. In sieben davon haben ehemalige Auszubildende die Führungsposition. „Wenn man lernt, Verantwortung zu übernehmen, wird das Selbstvertrauen gestärkt“, sagt Wiedemann. Dazu müsse man aber reifen und wachsen. Und genau diese Möglichkeit will er seinen Auszubildenden bieten – Fehlentscheidungen inklusive. „Denn aus Fehlern lernt man sehr gut.“

Die Idee dazu hat sich Wiedemann, und das gibt er offen zu, von Unternehmen wie Aldi oder dm abgeschaut. In Bad Tölz ist er seines Wissens der Einzige, der seinen Lehrlingen diese Gelegenheit gibt.

Die Auszubildenden, ausschließlich junge Frauen zwischen 17 und 20 Jahren, beschäftigen sich seit Januar intensiv mit der Vorbereitung. Unterstützend steht ihnen dabei auch Dozentin Marga Albrecht zur Seite. Sie ist unter anderem für das Persönlichkeitstraining der Azubis bei Wiedemann tätig. Man müsse, sagt sie, die jungen Frauen ermutigen, „Scheuklappen abzulegen“, damit man als Angestellter „einen kompletten Rundumblick“ für das Unternehmen bekomme.

Die 14 Auszubildenden (13 im Verkauf, eine im Büro) haben ein Konzept erarbeitet, wie sie von 6. bis 18. März das Stammhaus in Tölz attraktiv machen wollen. Es sind vor allem die jungen Frauen aus dem zweiten und dritten Lehrjahr, allen voran Ma˘sa Janković als Teamleiterin. „Wir hatten bei der Planung freie Hand und durften uns Projekte und Marken, die wir bewerben wollen, selbst aussuchen“, sagt Emily Gut, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

Zusätzlich zum Ladengeschäft, das die Auszubildenden inklusive Kassen- und Produktverwaltung selbstständig betreuen, werden Styling-Aktionen, Handpflege-Tage und ein Dufträtsel angeboten. Zudem sollen Teenies bei einer Make-up-Schule inklusive Schmink- und Farbberatung angesprochen werden.

Interessant ist, dass die übrigen Mitarbeiter im Tölzer Stammhaus während dieser Aktion auf andere Filialen verteilt werden, so dass das Geschäft an der Marktstraße zwei Wochen komplett in der Hand von Auszubildenden ist.

Chef Peter Wiedemann sitzt im ersten Stock und verspricht, sich nicht einzumischen. Wegen des Umsatzes habe er keine Bedenken. „Ich bin stolz auf meine Mitarbeiter und habe großes Vertrauen“, sagt er. Und dass das keine leeren Worte sind, zeigt die Tatsache, dass die jüngste Lehrlingsgeneration jetzt schon den Antrag gestellt hat, das nächste Projekt dieser Art in zwei Jahren zu wiederholen. Peter Wiedemann hat zugestimmt.

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