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Gerichtsverhandlung

Autorennen im Tölzer Gewerbegebiet

Ein Autorennen im Tölzer Gewerbegebiet Farchet endete nicht nur mit einem Unfall, sondern jetzt auch vor dem Richter.

Bad Tölz/WolfratshausenMit quietschenden Reifen und dröhnenden Motoren sollen zwei junge Männer im vorigen September ihre getunten BMW-Limousinen durchs Gewerbegebiet Farchet gejagt haben. Wegen „Teilnahme an einem nicht genehmigten Kraftfahrzeugrennen“, so der Vorwurf in dem Bußgeldverfahren, musste sich nun ein Heranwachsender aus Warngau vor dem Amtsgericht Wolfratshausen verantworten. Der 19-Jährige wurde zu 400 Euro Geldbuße und einem Monat Fahrverbot verurteilt.

Der Angeklagte äußerte sich selbst nicht zu dem Vorwurf. „Er möchte sich schweigend verteidigen“, erklärte der Rechtsanwalt des 19-Jährigen zu Beginn der Verhandlung. So musste sich das Gericht allein anhand der Zeugenaussagen ein Bild davon machen, was sich am frühen Abend des 16. September im Tölzer Gewerbegebiet abgespielt hatte.

Gegen 18.40 Uhr war ein Kfz-Mechanikermeister durch den Motorenlärm auf die herannahenden Coupé-Limousinen aufmerksam geworden. „Sie sind in die erste Straße rechts reingedriftet. Deutlich zu schnell und zu nah beieinander“, berichtete der Zeuge. „Dann ging es Vollgas Richtung Förchenholzstraße.“ Kurz nachdem die Fahrzeuge Richtung Isarkraftwerk abzweigten, habe er sie aus den Augen verloren.

Wenig später nahm die rasante Fahrt ein jähes Ende. In einer scharf abknickenden Kurve krachte der vorausjagende Wagen gegen den Randstein. „Er merkte, dass wir zu schnell in der Kurve sind, hat Panik gekriegt und das Lenkrad herumgerissen“, schilderte der Beifahrer den Unfall, durch den der BMW so schwer beschädigt wurde, dass er nicht mehr weiterfahren konnte. „Die Kurve ist wahnsinnig eng, die macht brutal zu“, erzählte der Zeuge weiter. „Mit mehr als Tempo 20 wird’s da riskant“, bestätigte der Kfz-Meister.

Als dessen Mitarbeiter, die er dem rasenden Duo hinterhergeschickt hatte, zur Unfallstelle kamen, hatten die jungen Männer das verunglückte Fahrzeug schon von der Straße weg zwischen zwei Hallen geschoben und sich mit dem Wagen des Angeklagten aus dem Staub gemacht. Daraufhin verständigte der Kfz-Mechaniker die Polizei.

Wenig später griff ein Streifenwagen die insgesamt drei beteiligten Burschen am Moraltpark auf. Gegenüber den Beamten bestätigten die drei, dass es einen Unfall gegeben hatte. „Gemeldet hätten sie ihn nicht, weil sie das selber regeln wollten“, sagte der Polizist, der das Auftreten der jungen Männer als „plump und schnippisch“ beschrieb. Das schräg gestellte Rad am Unfallfahrzeug werteten die Polizeibeamten als Hinweis aufs Driften. „Das Heck muss ausgestellt worden sein“, sagte der Beamte. Zudem spreche die Aussage des Kfz-Meisters dafür, dass ein Rennen stattgefunden habe.

Dem widersprach der Verteidiger des Warngauers entschieden. „Er hält sich für einen Zeugen mit besonderer Qualifikation. Weitere Zeugen wurden deshalb nicht mehr gehört“, ereiferte sich der Rechtsanwalt. „Und es ist auch kein Nachweis für ein Rennen, wenn vorne einer Sparifankerl macht“, sagte er und beantragte Freispruch für seinen Mandanten.

Richter Urs Wäckerlin hielt den Mechaniker hingegen „für einen Zeugen, wie er besser nicht sein kann. Er ist vom Fach und kennt das Gebiet wie seine Westentasche“. Aber auch wer einmal die Charakteristika eines Autorennens im Fernsehen gesehen habe, könne die dafür prägenden Elemente leicht wahrnehmen. „Reifenquietschen, laute Motoren und Driften sind Elemente, die im normalen Straßenverkehr eher fremd sind“, betonte Wäckerlin. Er verurteilte den 19-Jährigen zu einem Bußgeld von 400 Euro und einem Monat Fahrverbot. Die gleiche Strafe hatte 14 Tage zuvor der verunglückte Kumpel des Angeklagten erhalten.Rudi Stallein

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