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„Die Autos müssen raus aus dem Gries“

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Belebende Cafés, höllisches Kopfsteinpflaster: Etwa 100 Tölzer machten am Samstag viele Vorschläge, wie sie sich das Gries in Zukunft vorstellen könnten.

Bad Tölz– Die Brunnen und die schönsten Häuser im Tölzer Gries sollten beleuchtet und die Gehsteige abgesenkt werden. Einige Anwohner wünschen sich ein Café, das den Ortsteil belebt: Groß war die Resonanz auf den Erkundungsspaziergang, zu dem die Stadt am Samstag eingeladen hatte. Die rund 100 Teilnehmer machten Dutzende Verbesserungsvorschläge.

Wie berichtet, soll der Altstadtteil neu gestaltet werden. Dabei sollen sich auch die Bürger einbringen. Und das taten sie. Diskussionen gab es über das Kopfsteinpflaster. „Für Leute mit Rollator ist das höllisch“, klagte eine Anwohnerin. Dies sei aber nicht der einzige Nachteil: „Wir müssen Schnee räumen, und dabei ramme ich mir immer die Schaufel in den Bauch.“ Ein Kopfsteinpflaster sei für Kinder völlig ungeeignet, ergänzte Christine Kell: „Sie müssen auf der Straße spielen, weil wir alle keine Vorgärten haben. Kein Kind lernt auf einem Kopfsteinpflaster Radfahren, und kein Kind kann hier Rollerskaten.“

Claus Janßen sprach sich hingegen mit Nachdruck für das Kopfsteinpflaster aus. Auch er kenne alle Gründe, die gegen ein Kopfsteinpflaster sprechen, sagte der Vorsitzende des Historischen Vereins, „und auch mich haut es aus dem Bett, wenn morgens der Schneepflug kommt. Aber man muss sich nur mal die Städte anschauen, in denen das Kopfsteinpflaster entfernt wurde. Die sehen jetzt fürchterlich aus.“

Ein großer Diskussionspunkt war zudem die Parkplatz-Situation, die während der Umbauzeit noch angespannter wird. 15 Euro Bußgeld würden Falschparker nicht abschrecken, sagte Markus Stock. Er forderte: „Sie müssen abgeschleppt werden.“ Noch radikaler war die Forderung von Erasmus Winter. „Die Autos müssen raus aus dem Gries. Durch sie geht hier viel Lebensqualität verloren.“ Um die Parkplatz-Knappheit zu entschärfen, schlug Ulrike Flamme vor, einen Doppeldecker-Parkplatz am Schloßplatz zu errichten. Eine andere Anwohnerin sprach sich gegen die Verbannung der Autos aus. Sie habe Probleme mit dem Gehen und sei jedes Mal geplättet, wenn sie die Einkäufe weit tragen muss.

Einige Anwohner machten sich auch über die Bürgersteige Gedanken. Einer forderte, sie abzusenken. Doch hier kam gleich Widerspruch: „Bei dem Gefälle wären die Häuser dann nicht mehr vor dem Wasser geschützt. Wir haben lange gebraucht, um unseres trocken zu bekommen.“

Ähnlich weit gingen die Meinungen auseinander, ob ein Café oder eine Kneipe das Stadtviertel aufwerten würde. „Ich bin gegen eine Kneipe“, sagte Markus Stock. „Die Hälfte der Leute steht vor der Tür und raucht. Da wären die Anwohner nicht glücklich.“ Ein flammendes Plädoyer dafür legte Renate Siegl ab. „Cafés und Kneipen würden dem Gries guttun. So was belebt und verleiht Flair.“

Die Moderatoren des Betreuungsbüros, Stefan Leuninger und Annegret Michler, schrieben alle Wortmeldungen auf. Sie leiten die Vorschläge an einen Landschaftsarchitekten weiter, der momentan noch ausgewählt wird.

Zudem gehen die Vorschläge an eine kleine Impulsgruppe, der unter anderem Händler, Senioren, Jugendliche und Politiker angehören. Den aktuellen Stand der Diskussion können Interessierte auf der Internetseite www.unsergries.de einsehen. Die Seite geht im Laufe des Montags online.

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