Zu den Tölzer Asklepios-Kliniken gehört auch eine Krankenpflegeschule. Die Stimmung dort ist teils angespannt.

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Azubis fühlen sich allein gelassen

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Die Stimmung an den Asklepios-Kliniken im Landkreis ist angespannt: Nun werden an der Krankenpflegeschule Klagen über Personalmangel und unzureichende Betreuung laut.

Bad Tölz– Viele Baustellen hat der Asklepios-Konzern derzeit im südlichen Landkreis zu bearbeiten. Die Schließung der Fachklinik Lenggries und der Geburtshilfe in Bad Tölz sorgen auch in anderen Unternehmensbereichen für Verunsicherung und lassen die Unzufriedenheit mancher Mitarbeiter zu Tage treten. Nachdem zuletzt Klagen über den Zustand des Tölzer Personalwohnheims laut wurden (wir berichteten), wandte sich nun eine Krankenpflegeschülerin an den Tölzer Kurier. Sie beklagt: Schüler des Asklepios-Bildungszentrums fühlen sich oft allein gelassen. Wegen Lehrermangels falle viel Unterricht aus. Die ersten fragen sich schon, ob vielleicht die Krankenpflegeschule als nächstes geschlossen wird.

Dazu gibt Christopher Horn, Pressesprecher der Asklepios-Stadtklinik ganz klar Entwarnung: „Der Fortbestand der Krankenpflegeschule steht außer Frage und ist auch weiterhin sicher“, teilt er auf Anfrage mit.

Was Horn bestätigt: „Derzeit werden die Klassen von insgesamt drei statt wie vorgesehen von fünf Lehrkräften unterrichtet.“ Eine Krankenpflegeschülerin hatte gegenüber dem Tölzer Kurier berichtet: „Jeden Tag ist mindestens eine Stunde Unterricht nicht abgedeckt und fällt aus – und auch sonst wird oft einfach nur ein Film gezeigt. Jeder befürchtet, deshalb das Examen nicht zu schaffen.“ Aus Angst vor negativen Folgen für ihre Ausbildung möchte die junge Frau ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Der Redaktion ist der Name bekannt.

„Ein akuter Mangel an Lehrkräften entspricht nicht der Realität“, so Horn. Richtig sei, dass innerhalb kurzer Zeit zwei Lehrkräfte die Schule auf eigenen Wunsch verlassen hätten. „Im Zuge dieser kurzfristigen Kündigungen sind vorübergehend einzelne Unterrichtsstunden ausgefallen. Diese wurden aber bereits nachgeholt.“ Die Krankenpflegeschülerin entgegnet auf erneute Rückfrage: „Es wurde versucht, Unterricht nachzuholen, was aber durch den Lehrermangel nur bedingt möglich war.“

Der Kliniksprecher verweist derweil auf Bemühungen, die offenen Stellen „umgehend nachzubesetzen“. Schon im April werde eine Lehrkraft von Teilzeit auf Vollzeit aufstocken. Eine weitere Lehrerin sei noch bis Juni in Mutterschutz und stehe dann wieder zur Verfügung.

Sorgen macht den Schülern noch eine andere Personalie: der bevorstehende Weggang von Schulleiterin Angelika Eckl und die ungeklärte Nachfolge. „Frau Eckl wird auf eigenen Wunsch ihr Masterstudium wiederaufnehmen und somit den Posten der Schulleitung mittelfristig nicht weiter ausführen können“, sagt dazu Horn. „Sie bleibt solange im Amt, bis wir einen Nachfolger gefunden haben.“ Zahlreiche Bewerber gebe es schon. Eckl habe sich angeboten, ihren Nachfolger einzuarbeiten und stehe bis Jahresende als Lehrkraft zur Verfügung.

Doch auch in den Praxisphasen fühlen sich laut der Pflegeschülerin viele Auszubildende nicht ausreichend betreut. Die Arbeitseinsätze würden nicht angemessen vor- und nachbesprochen. „Oft werden die Schüler nur zum Waschen abgestellt, dabei lernt man nichts.“ Teils müssten die Schüler Personalmangel ausgleichen. Der jungen Frau ist ein Fall bekannt, in dem einem Schüler im ersten Lehrjahr ein ganzer Bereich mit rund 20 Patienten alleinverantwortlich überlassen worden sei, ohne die nötige Kontrolle einer Fachkraft. „Das ist Patientengefährdung.“ An der Schule aber habe niemand ein offenes Ohr für die Nöte der Schüler. „Es interessiert einfach keinen, und es fehlt uns ein unmittelbarer Ansprechpartner.“

Solche Vorwürfe will Horn so nicht stehen lassen. „Die Ausbildung findet stets ,unter Aufsicht‘ statt“, sagt er. „Und der Gesetzgeber hat sehr klar definiert, was damit gemeint ist.“ Die Verantwortung auf den Stationen liege immer bei den examinierten Pflegekräften. Um die Schüler an ihre Aufgabe heranzuführen, würde ihnen „auch mal die selbstständige Organisation der Abläufe für eine Patientengruppe übertragen. Insbesondere im letzten Lehrjahr ist dies sogar notwendig, weil die Staatliche Prüfung auf eine eigenständige Versorgung einer Patientengruppe abzielt.“ Es gebe aber immer eine examinierte Pflegekraft „im Background“. Auch die Übernahme der Körperpflege des Patienten sei „ein wichtiger Teil der praktischen Ausbildung“.

Für Horn steht fest: „Wir sind stolz, dass bei uns jedes Jahr zahlreiche Schülerinnen und Schüler ihren Abschluss machen und viele Absolventen dann an den Asklepios- Kliniken Bad Tölz ins Berufsleben starten.“ Für die Schülerin bleibt vor allem ein Wunsch offen: dass jemand zuhört und die Sorgen der Schüler ernst nimmt.

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