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Per WhatsApp verschickte die 19-Jährige Kinderpornografie.

Schülerin zeigte sie an

19-Jährige verschickt Kinderporno-Video per WhatsApp - so begründet sie die Tat

Eine Auszubildende aus dem Landkreis Bad Tölz verschickt ein Kinderporno-Video via WhatsApp. Eine Schülerin zeigt sie an. So äußerst sich die 19-Jährige zu ihrer Tat.

Bad Tölz-WolfratshausenWer von seinem Handy Videos und Bilder verschickt, sollte besser genau hinschauen, was er versendet und an wen: Diese Erkenntnis muss eine Auszubildende aus dem Loisachtal mit einer Geldstrafe in Höhe von 400 Euro bezahlen. Zudem wurde ihr Samsung-Mobiltelefon eingezogen. Die 19-Jährige hat sich nach Auffassung des Gerichts der Verbreitung kinderpornografischer Schriften sowie der Verbreitung pornografischer Schriften schuldig gemacht.

Am 16. Juli 2017 gegen 23 Uhr hatte die Angeklagte via WhatsApp an eine Gruppe von Freunden ein 15 Sekunden kurzes Video verschickt. In dem mit orientalisch anmutenden Klängen unterlegten Filmchen tanzt ein zirka zehn Jahre altes Mädchen, bekleidet mit einem türkisfarbenen Body mit einer Aussparung zwischen den Beinen, auf die Kamera zu und entblößt dabei seine Geschlechtsteile.

Sie habe das Video von einer Freundin bekommen, es für Musik gehalten und ohne anzuschauen in die Gruppe gestellt, erklärte die Beschuldigte. Das Gericht tat sich schwer, dieser Einlassung zu folgen, denn die 19-Jährige hatte zu dem Video den Spruch verfasst: Gute Nacht, meine Pädoleins. „Das ist einfach mein Humor“, sagte die Angeklagte. Sie hätte den Kommentar auch ohne Video geschrieben.

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Richter Urs Wäckerlin fand jedoch, der Spruch stelle „eindeutig einen Bezug zu dem Film her“, wie er später in seiner Urteilsbegründung erläuterte. Zudem war die Angeklagte von einem minderjährigen Gruppenmitglied darauf hingewiesen worden, dass das Video Kinderpornografie sei. „Dann komme ich halt in den Knast, mir egal“, sei die Antwort der 19-Jährigen gewesen. „Sie hat es nicht ernst genommen, deshalb habe ich es angezeigt“, erklärte die zur Tatzeit 16 Jahre alte Schülerin aus Neubiberg.

Das zweite Video habe sie sich nicht mehr angesehen. Darin agierten, ebenso wie auf einem Foto, das die Angeklagte am selben Abend verschickte, zwar Erwachsene oder zumindest Heranwachsende. Das Alter der Zeugin war jedoch auch hier das Problem. Denn das Anbieten, Überlassen oder Zugänglichmachen von pornografischen Schriften an Personen unter 18 Jahren ist strafbar.

Sie habe nicht gewusst, dass die ihr bekannte Zeugin ebenfalls in der Gruppe gewesen sei, beteuerte die Angeklagte. Gleichzeitig räumte sie ein, sie habe angenommen, dass die minderjährige Ex-Freundin ihres damaligen Freundes Gruppenteilnehmerin gewesen sei. Diese Vermutung habe sich jedoch nicht bestätigt.

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Für das Gericht stellte dies einen sogenannten „error in persona“ dar – eine Identitätsverwechslung. „Sie haben sich vorgestellt, dass eine Person unter 18 Jahren drin war. Dass es nicht die war, an die sie gedacht hatten, ist dabei egal“, erklärte Wäckerlin.

Das Gericht blieb mit seiner Strafe deutlich unter dem Antrag der Staatsanwältin, die eine „spürbare Geldauflage von 1500 Euro“ gefordert hatte. Verteidiger Arnulf Kowalski erklärte sich zwar einverstanden damit, dass „das Ganze natürlich ein großer Mist war“, hatte aber beantragt, seine Mandantin wegen „vieler Fragezeichen“ in dubio pro reo (im Zweifel für den Angeklagten) freizusprechen.

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