„Wir haben Neuland betreten“: Mit der innovativen Idee seines Tölzer Adventskalenders mit Videoprojektionen unter der Tölzer Isarbrücke erreichte Graffiti-Künstler Axel Berger jetzt das Halbfinale eines internationalen Wettbewerbs
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„Wir haben Neuland betreten“: Mit der innovativen Idee seines Tölzer Adventskalenders mit Videoprojektionen unter der Tölzer Isarbrücke erreichte Graffiti-Künstler Axel Berger jetzt das Halbfinale eines internationalen Wettbewerbs.

Abstimmung auf Instagram läuft

Virtueller Tölzer Adventskalender im Rennen um internationalen Preis

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Mit seinem Adventskalander der anderen Art, den er im Dezember in Bad Tölz präsentierte, sorgt Künstler Axel Berger jetzt auch überregional für Furore.

  • In Zeiten des brach liegenden Kulturbetriebs kreierte der Isarwinkler Künstler Axel Berger im Dezember in Bad Tölz den „verrücktesten Adventskalender der Welt“.
  • Er enthielt 24 Grußbotschaften lokaler Künstler in Form von Videos, die auf das Graffitibild einer Tölz Skyline projiziert und im Internet übertragen wurden.
  • Jetzt steht das ungewöhnliche Kunstprojekt im Halbfinale eines internationalen Unternehmer- und Kreativen-Wettbewerbs. Auf Instagram kann dafür abgestimmt werden.

Bad Tölz – Der „verrückteste Adventskalender der Welt“ hat in der Vorweihnachtszeit weit über Bad Tölz und den Isarwinkel hinaus für Aufsehen gesorgt. Jetzt erfährt das Projekt, das unter Leitung des Graffiti-Künstlers Axel Berger entstand, sogar internationale Anerkennung: Es steht im Halbfinale eines weltweit ausgerufenen Wettbewerbs unter dem Motto „Start now, start simple“ („Beginne jetzt, beginne einfach“).

Wie Berger berichtet, wurde der Preis von Dan Ram ausgerufen. Der in Dubai geborene Unternehmer, der mit vollem Namen Joe Daniel Ramamoorthy heißt, tritt in vielen Ländern als Redner, Coach und Gastgeber digitaler Veranstaltungen auf. In einem Video auf seiner Homepage schmückt er sich mit Auftritten gemeinsam mit Barack Obama, Fußballer Philip Lahm oder Hollywood-Schauspielerin Jessica Alba. Der jetzige Wettbewerb richtet sich laut Ausschreibung an die „innovativsten Projekte, die im Jahr 2020 gestartet wurden und sowohl inspirierend als auch mit dem größten Potenzial für positive Auswirkungen auf die Gemeinschaft sind“.

Adventskalender als „kreatives Überdruckventil“ für Künstler

Das mag etwas abstrakt klingen – auf Axel Bergers Projekt trifft es sicher ganz konkret zu. Bei seinem „Adventskalender“ ging jeden Tag vom 1. bis zum 24. Dezember ein Türchen in Form eines Videos auf. Dazu wurden die Pfeiler der Isarbrücke mit fiktiven Tölzer Skylines besprüht. Jeden Tag wurde dort auf die Fassade eines anderen markanten Gebäudes der Stadt eine kurze Grußbotschaft von Kulturschaffenden der Region projiziert. Die Videos wurden dann über verschiedene Kanäle im Internet übertragen.

Das habe sich als wahrer „Segen“ herausgestellt, sagt Berger rückblickend. Für die beteiligten Künstler sei die Aktion eine Art „kreatives Überdruckventil“ gewesen – eine lang ersehnte Möglichkeit, nach Monaten des eingeschränkten beziehungsweise lahmgelegten Kulturbetriebs wieder Kontakt nach außen aufzunehmen. Auch er selbst habe schmerzlich erfahren, was es bedeutet, sich nicht mehr physisch mit anderen treffen zu können, sagt Berger – als Künstler wie auch als Leiter des seit April 2020 geschlossenen Hochseilgartens Isarwinkel in Lenggries.

Der in Gaißach lebende Künstler Axel Berger (44) leitet auch den Hochseilgarten Isarwinkel in Lenggries.

Erfüllt habe sich sein Anliegen, die ganze kulturelle Vielfalt und Diversität des Isarwinkels aufzuzeigen. Erst die Beiträge der Künstler – das ging von Uhrmachermeister Christian Schmeller über Goaßlschnalzer und Tanzstudio Dancefloor bis hin zu den Bananafishbones – habe den Adventskalender zu etwas so Einmaligem gemacht, sagt Berger. Und natürlich habe seine Mitstreiter Flo Beyer großen Anteil . „Wir haben Neuland betreten und eine neue Sprache in der Kunst gefunden“, sagt der 44-jährige Isarwinkler.

Die Resonanz war überwältigend. Allein auf seinem privaten Facebook-Profil registrierte Berger 65.000 Interaktionen. „Die Leute haben jeden Tag um 18 Uhr auf das neue Video fast wie aufs Betthupferl gewartet.“

Der Arbeitsaufwand war für Berger allerdings auch enorm. Er berichtet von täglich 16 bis 19 Arbeitsstunden, um unter hohen Druck jeden Tag ein weiteres Video zu produzieren.

Axel Berger ist einer von 16 Halbfinalisten in Wettbewerb von Dan Ram

Auf den Preis von Dan Ram hätten ihn nun Bekannte von einem Kunstprojekt aus Stuttgart aufmerksam gemacht. „Ich habe am 6. Januar davon erfahren, und am 7. Januar war Bewerbungsschluss“, berichtet der Künstler. In erster Linie musste er ein einminütiges Video auf Englisch einreichen, dazu eine schriftliche Projektbeschreibung und einen Lebenslauf.

Nun ist er einer von 16 Halbfinalisten (je vier in vier Kategorien). Die anderen stammen unter anderem aus Indien, Mexiko, Südafrika und den USA. Am Montag wurden die Projekte in einem eineinhalbstündigen Liveformat auf Instagram vorgestellt. Nun läuft ein viertägiger Abstimmungsprozess, ebenfalls über Instagram. Ende der Woche weiß Berger, ob er einer von zwei Finalisten in seiner Kategorie ist.

Preis würde neue Kontakte, Sichtbarkeit und Anerkennung bedeuten

Sollte er gewinnen, winkt ihm aber nicht das große Geld, sondern – neben Wertschätzung – persönliches Mentoring von internationalen Experten, der Zugang zu einem exklusiven Netzwerk und vor allem große „Sichtbarkeit“, wie er sagt.

Von einer solchen Basis aus lasse sich das Adventskalender-Projekt ideal auf viele andere Bereiche ausweiten. Geschehen ist das bereits zu Silvester in Murnau, wo Berger ein digitales Feuerwerk auf die Fassade des Schlossmuseums zauberte. Ebenso könnte er sich vorstellen, im Frühjahr mit Videos Biergarten-Lebensgefühl zu übermitteln. „Es gibt sehr viele Möglichkeiten, dieses Vehikel zu füllen.“ Der Preis könnte dabei viele Tür(ch)en öffnen.

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