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Mit gestohlenen EC-Karten haben unbekannte Täter am Samstag in Berlin Geld von Tölzer Konten angehoben.

„Ermittlungen ziemlich umfangreich“

EC-Karten abgefangen: Masche konzentriert sich auf Bad Tölz

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Unbekannte haben Geld vom Konto eines Tölzers abgehoben - und der Mann ist kein Einzelfall. Alle Geschädigte haben eine interessante Gemeinsamkeit.

  • Ein Tölzer schildert unserer Redaktion, dass plötzlich sein Konto leergeräumt wurde - von Berlin aus.
  • Unserer Recherche zeigt: Bei weitem kein Einzelfall im Tölzer Raum.
  • Die Polizei entdeckt eine Gemeinsamkeit bei allen Opfern.

Update vom 28. Januar:

Von einer neuen Masche des EC-Karten-Betrugs sind offenbar vorwiegend Opfer aus dem Raum Bad Tölz betroffen. Wie berichtet hatten in der Tölzer Inspektion am Montag vergangener Woche gleich drei Betroffene Anzeige erstattet, die alle den gleichen Sachverhalt schilderten: Sie hatten bei ihrer Bank oder Sparkasse neue Kredit- oder EC-Karten bestellt. Diese kamen aber nicht an. Stattdessen wurden mit den Karten an Bankautomaten in Berlin größere Summen abgehoben. 

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Laut Inspektionschef Florian Benedikt ging nach der Kurier-Berichterstattung noch eine weitere gleich gelagerte Anzeige ein. Im Rest des südlichen Oberbayern ist die Masche dagegen bisher nicht auffällig geworden. „Uns sind keine weiteren Fälle aus anderen Inspektionsbereichen bekannt“, erklärt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd in Rosenheim auf Anfrage.

Der ursprüngliche Bericht vom 22. Januar:

Bad Tölz – Als er am Montag auf seine Kontoauszüge schaute, traute Ralf Josephs seinen Augen nicht: Dass sein Guthaben so stark zusammengeschmolzen war, das konnte doch nicht wahr sein. Bei genauerer Überprüfung entdeckte der 57-jährige Tölzer tatsächlich zwei rätselhafte Kontobewegungen: „Da waren zwei Bargeldauszahlungen vom 18. Januar, einmal 1000 Euro und einmal 675 Euro“, schildert er gegenüber dem Tölzer Kurier. Getätigt wurden beide Abhebungen an einem Geldautomaten am Alexanderplatz in Berlin. „Da war ich definitiv nicht“, versichert Ralf Josephs.

Tatsächlich ist der Tölzer offenbar Opfer einer verbrecherischen Masche geworden – und er ist nicht der Einzige im südlichen Landkreis. Als er bei der Tölzer Polizeiinspektion Anzeige erstattete, so berichtet Josephs, bekam er zu hören: „Sie sind heute schon der Dritte!“

EC-Betrug im Tölzer Raum: Alle Betroffenen hatten zuvor eine neue Karte bestellt

Auf Anfrage des Tölzer Kurier bestätigt Dienststellenleiter Florian Benedikt, dass bei der Tölzer Polizei am Montag drei Geschädigte vorstellig wurden, die alle nach demselben Muster um ihr Geld gebracht worden waren. „Was die Fälle gemeinsam haben, ist, dass die Betroffenen zuvor je eine neue EC- oder Kreditkarte bestellt hatten – diese jedoch nie bei ihnen angekommen ist“, sagt Benedikt.

So war es auch bei Ralf Josephs. Er hatte nach eigenen Angaben am 7. Januar eine zusätzliche EC-Karte für seine Ehefrau beantragt, mit der er ein gemeinsames Konto hat. „Damals hieß es, das kann bis zu 14 Tage dauern. Bis heute ist nichts angekommen.“

Mit den verschwundenen Karten „wurde dann am anderen Ende der Republik Geld abgehoben“, schildert Polizeichef Benedikt weiter. Bei einem der Opfer, das sich am Montag meldete, sei ebenfalls in Berlin Bargeld gezogen worden – und zwar an exakt demselben Automaten wie im Fall von Ralf Josephs, gerade mal eine Minute später. Beim dritten Fall hatten die Täter eine Kreditkarte benutzt, um sich an einem Automaten in Berlin-Spandau Bargeld zu holen.

Video: Auch beim Online-Banking schlagen Betrüger immer wieder zu 

EC-Betrug im Tölzer Raum: Kunden verschiedener Geldinstitute betroffen

In den vergangenen Monaten seien in der Tölzer Inspektion schon mehrere gleich geartete Anzeigen eingegangen, so Benedikt weiter. Einen Hinweis auf den oder die Täter habe die Polizei noch nicht. 

„Die Ermittlungen sind ziemlich umfangreich“, erklärt der Inspektionsleiter. Eine der zentralen Aufgaben sei es dabei einzugrenzen, wo genau die Bankkarten abhandengekommen seien – „am Beginn oder am Ende des Zustellungsweges“. 

Unklar ist auch noch, wie die Täter jeweils an die zugehörige Geheimzahl kamen – denn die wird ja bekanntlich getrennt von der Karte zugeschickt. Fest steht laut Benedikt, dass Kunden verschiedener Geldinstitute betroffen sind.

Ralf Josephs hat nach eigener Aussage ein Konto bei der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen. Deren Sprecher Willi Streicher versichert auf Anfrage, dass sein Haus umfassend mit der Polizei kooperiere. „Wir haben alle erforderlichen Unterlagen zur Verfügung gestellt“, sagt er. Außerdem habe die Sparkasse auch selbst Anzeige erstattet und selbstverständlich höchstes Interesse an einer schnellen Aufklärung. Zudem sei man präventiv aktiv geworden. Die Sparkasse habe überprüft, welche weiteren Kunden in jüngster Zeit eine Karte beantragt hätten, und Kontakt mit ihnen aufgenommen. In Fällen, in denen sich nicht genau nachvollziehen ließ, ob die Karten angekommen sind, wurden sie vorsorglich gesperrt.

Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen ersetzt den Verlust

Die bereits betroffenen Kunden der Sparkasse bleiben laut Streicher nicht selbst auf dem Verlust sitzen. „Wir haben den Schaden bereits ausgeglichen“, vermeldet er.

Selbst haben die Bankkunden kaum eine Chance vorzubeugen. Der einzige Rat, den Polizeichef Benedikt in diesem Zusammenhang erteilt: „Man sollte regelmäßig seine Kontoauszüge überprüfen.“

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Kommentare

HoppalaAntwort
(1)(0)

Hatte ich versucht, wurde aber abgelehnt beim Versenden, wegen SPAM und Virusverdacht. Da bei mir
ein Virenschutzprogrammen kontinuierlich läuft, ist mir das nicht plausibel.

Tim Sroka
(0)(0)

Ich habe meine letzte PIN für die Bankkarte nur noch übers Onlinebanking bekommen. Aber die Banken in Österreich sind da wohl etwas fitter im technischen Bereich...

Tim SrokaAntwort
(0)(0)

Man sollte die Phishing-Mails auch an die entsprechenden Firmen weiterleiten.