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Eine Bettlerin mit Kind - Symbolfoto.

Nach Diebstahl

Bettler-Zeltlager bei Bad Tölz geräumt: Drei verwahrloste Kinder in Klinik gebracht

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Es begann mit einem gestohlenen Kinderwagen und endete mit der Inobhutnahme von drei verwahrlosten Kindern: Die Polizei räumte am Montag ein Bettler-Zeltlager bei Bad Tölz.

Bad Tölz - Am Anfang war es nur ein Diebstahl, was sich daraus entwickelte, ahnte die Polizei wohl auch nicht, als sie am Montagmittag die Anzeige eines 37-jährigen Tölzers aufnahm. Der Mann hatte gegen 12.15 Uhr seinen Kinderwagen der Marke Buggy Quinny vor einem Supermarkt am Gewerbering abgestellt. Mit seinem Kind begab er sich zum Einkaufen in den Markt. Als der Mann kurze Zeit später wieder heraus kam, war der Kinderwagen verschwunden.

Vor dem Einkauf waren ihm schon zwei Bettlerinnen aufgefallen, die in Begleitung von drei Kindern zwei Kinderwagen schoben. Laut Zeugenaussagen hatten diese Frauen dann plötzlich drei Kinderwagen dabei.

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Als sich der Mann auf die Suche nach den Bettlerinnen machte, entdeckte er sie einige Straßen weiter vor einem Drogeriemarkt. Dort hielt er sie bis zum Eintreffen der Polizeistreife fest.

Bei der Aufnahme des Diebstahls stellten die Beamten fest, dass die beiden Frauen schon mehrfach in Bad Tölz aufgefallen waren. Nach Rücksprache mit dem zuständigen Staatsanwalt wurde eine Sicherheitsleistung pro Frau festgelegt. Der Schwiegersohn einer beiden schaffte es innerhalb von einer Stunde, „die geforderte, für Bettler sicher nicht unerhebliche Sicherheitsleistung zu bezahlen“, berichtet der Tölzer Polizeichef Bernhard Gigl. 

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Parallel wurde das Jugendamt darüber verständigt, dass sich die rumänische Großfamilie samt Kleinkindern immer noch ständig im Wald aufhält beziehungsweise dort in Zelten lebt. Zusammen mit zwei Mitarbeitern des Jugendamts wurde die Schlafstätte aufgesucht. In dem Waldstück entdeckten die Beamten fünf Zelte sowie einiges an Müll und Speisereste. Das Lager wurde daraufhin unter Aufsicht der Polizei geräumt.

Da die drei Kinder - ein Mädchen im Alter von vier Jahren, ein Mädchen im Alter von 20 Monaten sowie ein Bub im Alter von dreieinhalb Jahren -  allesamt verwahrlost waren, ordnete das Jugendamt die Inobhutnahme  an. Alle drei wurden zuerst zum Landratsamt und danach zur vorsorglichen Untersuchung ins Kinderkrankenhaus Starnberg verbracht.

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